{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-12-01-01", "volume": "bmtnabi_1866-12-01_01", "ocr_sha256": "367b815922ef3dfce9ebb65e12fdc9bcc0544118218485aa49943334b9af8001", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/12/01_01/bmtnabi_1866-12-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "377", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 382, "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber als Schriftsteller. 11. Die Pastoral-Sinfonieen von Justin Heinrich Knecht (1784) und Ludwig\nvan Beethoven (1808). Jakob Rauscher -f\\ Johann Nepomuk Vogl f. Aus Aachen (Zweites Abonnements-Concert). Aus\nWiesbaden (Musicalische Zustände). Tages- und Unterhaltungsblatt- (Kassel, Abonnements-Concerte. 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S. Nr. 47.)\nEin jeder gebildete Mensch, zumal wenn er zu den\nbesonders ausgestatteten Geistern gehört, wird, falls die\nEigenartigkeit seiner Natur ihn nicht gerade dem Aus-\ndruck durch das Wort abhold gemacht, wie Beethoven\nz. B. in seinen Briefen, durch die Ursprünglichkeit der\nGedanken, die Fähigkeit, dieselben mannigfaltig zu ver-\nketten, und durch das Individuelle seines Stils angenehm\nüberraschen. Er wird auch, wenn die Gelegenheit sich\ndazu bietet, in schriftstellerischen Arbeiten sich zu ver-\nsuchen und vor die Oeffentlichkeit zu treten, in gewissem\nGrade die angeführten Vorzüge zu erkennen geben, wo-\nbei gern zugegeben wird, ja, mit Betonung anzuführen ist,\ndass diese Arbeiten der äusseren Form sowohl als auch\nviel mehr dem inneren Gehalte nach hoch über viele Bal-\nlen Druckpapier von gewissen Berufs-Schriftstellern zu\nstellen sein werden; denn die Wahl oder die Qual des\nBerufes machen noch nicht den Schriftsteller, wie tag-\ntäglich zum betrüblichen Staunen einsichtsvoller Leser\ndie Erfahrung gemacht werden kann. Allein die Basis\ndes bestimmten Berufes ist aus vielen Gründen bei allem,\nwas der Mensch treibt, eine so wichtige, dass deren Weg-\nfallen einerseits eine grosse Zahl von Stützen wegnimmt,\nandererseits das Vorhandensein einer anderen Berufsbasis\nSchranken zieht, über deren Hemmnisse sich der ob-\njectivste, der wie C. M. von Weber sich gelegentlich\nausdrückt mit dem höchsten Abstractions-Vermögen\nausgerüstete Geist schwerlich je, ohne Schaden zu nehmen,\nwegsetzen können wird. '\nDie erste Bedingung zum Gelingen einer Sache ist\ndie Liebe zu ihr. Diese höchste, reine Hingebung hat der\nMensch schwerlich für mehrere Dinge, namentlich Berufe,\nzu gleicher Zeit. WTeber war ein grosser Componist, ein\nvorzüglicher Ciavierspieler und Dirigent; also productiver\nund reproductiver Künstler, die philosophirende, ästheti-\nsirende und kritisirende Auffassung seiner Kunst stand\nihm in dritter Reihe. Mit welcher Liebe trug er seine\nCompositionen mit sich herum, wie änderte er unver-\ndrossen an der Oper Sylvana, wie lange beschäftigte ihn\nder Freischütz, wie streng beurtheilte er seine Vergangen-\nheit auf diesem Gebiete, und zu welchen Resultaten ge-\nlangte er schliesslich bei seinen besseren Werken in Folge\ndieser strengen Selbstcontrole! In der Schriftstellern er-\nfahren wir nichts hiervon, wohl aber gibt der Artikel\n„üeberdieTondichtungsweise des Herrn Fesca\" einen Be-\nleg dafür, wie er den zu überwindenden Schwierigkeiten\nals Sieger entgegenzutreten so recht eigentlich nicht die\nnöthige Concentration des Willens besass; denn vor\nAusmalung derselben und vor lauter Beiwerk kommt es\nnicht recht zur Sache. Man fühlt, dass ein hochbedeutender\nKünstler und ein höchst liebenswürdiger Mensch die Feder\nergriffen hat. Wie gewissenhaft er als Dirigent war, das\nlehrt das einfache Factum, dass er stets 2 bis 3 General-\nproben abhalten konnte, die Vorstellungen glichen. (Siehe\nseine Methode des Einstudirens B. I S. 101 u. a. a. 0.)\nDie Vollendung seines Spiels in technischer Beziehung\nwar untadelhaft, widmete er doch jeden Tag eine Stunde\nder Erhaltung dieser schönen Seite seiner Kunst, auch\nsind seine Clavier-Compositionen wesentlich der Art, dass\nihr Werth durch eine vollkommene Wiedergabe auf\ndem Instrument bedingt erscheint. So sahen wir ihn als\nTondichter, Musikleiter und Ciavierspieler mit voller Hin-\ngebung seine Liebe bethätigen. Wie stand es dagegen\nmit seiner Schriftstellerei? Von Befolgung der goldenen\nRegel nulla dies sine linea war keine Rede, von einer\nzusammenhangenden Ausbildung des schriftstellerischen\nTalentes auch nicht. Die Sonne, welche die Blütben und\nAernten dieses Gebietes heranwachsen liess, war nicht die\nreine, ideale Liebe zur Schriftstellerei, welche diese als"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5338, "texte": "Selbstzweck anerkennt und treibt. Und sie konnte es auch\nnicht sein; denn man kann nicht zweien Herren dienen,\nwie schon das Sprüchwort sagt. Um so höher wird die\nAnerkennung sein müssen, wenn die Erzeugnisse dieser\nNebenneigung Anspruch auf unsere Theilnahme erwecken.\nZu diesem inneren Verhältnisse, das der Regel und\nhierauch der Thatsachenach einer vollkommenen Entwick-\nlung der schriftstellerischen Fähigkeit zuwiderläuft,\nkommt noch das äussere. Dem Schriftsteller ist seine Ar-\nbeit ihrer selbst wegen das Höchste, seinen Werken\ntrachtet er nur ihrer selbst wegen die möglichste Vollen-\ndung zu geben; denn was er schreibt, gibt den Maassstab\nfür sein Ich ab. Er ist mit allen Banden des Egoismus an\ndiese Laufbahn gebunden. Sein materielles Wohl, sein\nAnsehen, seine Stellung, sein Einfluss, sein Nachruhm,\nalle die Triebfedern, welche, so lange des Menschen\ngöttliche Natur an den irdischen Leib gefesselt ist, ihre\nganze Gewalt ausüben und die Thatkraft zusammenhalten\nund stählen, hangen nichtnur von jedem einzelnen Schrift-\nstück, sondern auch von der Summe derselben ab, die\nseine Leistungen individualisirt. Diese äusseren Gründe\nfallen bei Weber fort, der nichts weniger als eine Schrift-\nsteller-Laufbahn einzuschlagen den Beruf in sich fühlte.\nJa, er empfand auch sehr wohl, dass dem so war, und\ngab darüber die Klarheit seines Urtheils und seine Offen-\nheit ehrende Zugeständnisse. Am Schlüsse des Artikels\nüber Vogler's Choräle „fühlt er nur zu sehr, was ein\nWürdigerer, als er, aus seinem Stoffe hätte schöpfen\nkönnen\", was vielleicht noch auf seine musicalische Befähi-\ngung allein bezogen werden könnte; an anderen Stellen\ndagegen ordnet er seine Feder unverhohlen unter. Der-\ngleichen Sätze sind bei einem Manne, wie Weber, der\nnur zu oft keine Scheu trug, sich durch das offene Zur-\nschautragen seiner innersten Gedanken Schaden anzu-\nthun, nicht für Redensarten zu nehmen, wie sie jenen\nSchriftstellern geläufig sind, welche das Publicum zu\nrühren und den Collegen zu schmeicheln trachten.\nSo wagen wir denn, es frei gerade heraus zu sagen,\nWeber wurde eigentlich nur durch die Verhältnisse ver-\nschiedenster Art zum Schriftstellern gedrängt, mit Einem\nWorte, er war ein Gelegenheits-Schriftsteller.\nDieses Wort hat, seit Goethe den grössten Theil der\nliterarischen Producte Gelegenheits-Erzeugnisse genannt,\nob aus Laune oder in philosophischer Anwandlung, das\nsei dahingestellt, und die Mücken sogar zu Musageten er-\nhoben, eine weitere Begriffs-Sphäre erhalten. Wir meinen\ndamit den Geist, der nicht aus innerem Beruf, son-\ndern aus äusseren Motiven und weil er die Kraft des\nKönnens in sich zu fühlen glaubt, schreibt.\nUeber Vogler schreibt er, theils als gehorsamer\nSchüler, denn Vogler wünschte es, theils in der Be-\ngeisterung, die jeder Kunstjünger für den Meister empfin-\ndet, der, ihm seinen Horizont erweiternd, neue Perspec-\ntiven eröffnet. Ueber Meyerbeer, Gänsbacher, G. Weber\nu. A., weil sie seine Freunde waren, wobei übrigens\nnicht unberücksichtigt bleiben möge, dass diese Freund-\nschaft in der Kunst fusste, dass hiermit also nicht etwa\nder Schein parteiischen Sinnes auf Weber zu werfen.\nEbenso wie Schumann sich im Laufe der Zeit unserer\nAnsicht nach nicht ganz mit Recht Chopin abkehrte,\nschlägt auch Weber über Meyerbeer allmälig einen an-\nderen Ton an. Ueber Berger, Cagelier, Fink, Drieberg,\nKaufmann, Dreissig u. a.; weil die Berührung mit ihnen\nseine Theilnahme verschiedenartig erregte. Der grösste\nTheil seiner Schriften, erläuternde Aufsätze über Opern,\ndie er in Prag und Dresden einstudirte, sind zum Nutzen\nder bevorstehenden Aufführungen verfasst. Eine nicht\ngeringe Anzahl von Entgegnungen, auf die wir bei Cha-\nrakterisirung Weber's als Menschen aus seinen Schriften\nnäher eingehen werden, flössen aus der bitteren Erregung\nder empfundenen Verletzung. Einiges entstand auf be-\nstimmtes Andrängen der Interessenten.\nDie Arbeiten bis 1813, wo plötzlich 2 Jahre lang\ndergleichen fehlen, grossentheils für Zeitungen als Beiträge\nzur Förderung derselben verfasst, könnten, obwohl sie nur\netwa ein Viertel des Bandes bilden, anders beurtheilt\nwerden, da in ihnen der zwingende Gelegenheitsgrund\nnicht immer soklar auf der Hand liegt. 1811 ersuchteer\nsogar Naegeli in Zürich, doch vergeblich, die Herausgabe\neiner Zeitung des harmonischen Vereins in Verlag zu\nnehmen. —— Ja, wenn es nur nicht die des harmonischen\nVereins gewesen wäre! Dieser Verein, dessen Statuten\nBand I S. 228 stehen, war aber im Herbst 1810 zu\nDarmstadt zwischen ihm, Gottfried Weber, Meyerbeer,\nA. v. Dusch und Gänsbacher zu gegenseitiger Förderung\ngegründet. Wiederum sei nebenbei bemerkt, dass diese\nFörderung aus reinster Quelle fliessen sollte und auch\nvon Weber her streng und rein aufgefasst wurde. Allein\nhieraus erhellt, dass das Hauptmotiv für alle diese in ver-\nschiedene Zeitungen abgedruckten Sachen nicht der\nSchriftstellerdrang war. Fast komisch wirkte auf uns in\ndieser Hinsicht der Plan einer Topographie, eines Noth-\nund Hülfbüchleins für reisende Künstler, wozu Band 111\nS. 46 u. ff. den Grundriss und Basel als ausgeführten\nFall bringt, entsprungen im Nachgefühl der durchgemach-\nten, leidigen Plackereien der arrangirten Concerte, aus\nliebenswürdiger Gutmüthigkeit für seine Collegen, und\naufgegeben, sobald die Praxis ihn auf andere Schau-\nplätze rief. Ein Bädeker für reisende Virtuosen!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2877, "texte": "Ja, aber der Boman! ruft man uns zu. Nun, und\ndieser Boman ist mehr noch ein Beleg für die ausge-\nsprochene Ansicht; denn hier, wo er ohne äusseren An-\nlass dichtete, wo der Zwang eines ihm gegenübertreten-\nden, zu bearbeitenden, bestimmten Stoffes wegfiel, da\nzeigt es sich klar, dass ihm die Objectivität des Dichters\nfehlte, und dass er sich darin täuschte, wenn er glaubte,\nmit der Hingebung des schriftstellerischen Genius dich -\nlerische Gestalten empfangen und gestalten zu können.\nDes „Tonkünstlers Leben\", zu dem zwei Pläne vorliegen,\ndie der Hauptsache nach, welche ist, dass ein junger\nKünstler einer unwürdigen Geliebten entsagt, um sich\nganz und ungetheilt der Musik zu weihen, nicht von ein-\nander abweichen, ist uns nichts Anderes als ein Versuch,\ndie eigenen Erfahrungen in eine äusserliche Form zu\nbringen, dem man schon seiner fragmentarischen Belas-\nsung nach anmerkt, dass er eine Fehlgeburt ist. Hätte\nWeber, von Haus aus, d. h. von einem Vater, wie ihn\nGoethe besass, etwa angeleitet, die Gewohnheit angenom-\nmen, was er selbst thatund erlebte, mit grösserer Werth-\nstellung anzusehen, und wäre zu einer solchen der inner-\nliche Hang gekommen, über sich selbst zu schreiben, so\nhätten fast die ganzen Bruchstücke Wort für Wort in\neinem Tagebuche oder in Memoiren ihren Platz gefunden.\nImmerhin aber ist der Boman nur der Schriftstellerei\nhalber begonnen, dasselbe ist von dem Aufsatz „Die\nSchlannbeitzger\" und wenigen Kleinigkeiten (zum Theil\nim „Lebensbilde\" enthalten) zu sagen. Allein diese Sachen\nsind einerseits zu wenig zahlreich, theils gar zu sehr nach\nden Mustern seiner berliner Freunde Hoffmann und\nLichtenstein geschrieben, um uns in unserer Ansicht im\nGanzen irre machen zu können.\nHiermit wäre unsere Aufgabe beendet, wenn wir sie\nals eine rein kritische auffassten, und dazu hätten wir\neiner Persönlichkeit gegenüber, der ausserdem keine aus-\nnahmsweise Bedeutung zuzuschreiben, wohl das Becht,\nvielleicht sogar, trotz des vielen Vortrefflichen, was sich\nvorfindet, die Pflicht, wenn es gälte, einen Schriftsteller\nunter Schriftstellern zu würdigen.\nBei der hohen Bedeutung aber, die Weber als Ton-\ndichter und praktischem Tonkünstler zukommt, haben\nwir einerseits in ihm die „Autorität\" zu schätzen, anderer-\nseits die Pflicht, seinen vielen Verehrern die Schlaglichter\nzu zeigen, welche die schriftstellerischen Erzeugnisse auf\nseinen Charakter werfen. So bleibt uns noch die ange-\nnehme und für Weber's persönlichen Werth ebenso vor-\nteilhaft ausfallende, als den Kunstfreund mit reicher Aus-\nbeute beschenkende Arbeit, einmal aus den mannigfaltigen\nBeziehungen seiner Schrifstellerei psychologische Bück-\nschlüsse auf Weber zu ziehen, und ferner seine ebenso\nklaren wie inhaltreichen Ansichten über so Vieles, was\nheute ebenso noch wie damals Gegenstand grosser Mei-\nnungs-Verschiedenheit ist, in geordneter Fassung zusam-\nmenzustellen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "379", "page_fin": "381", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.2.3", "titre_corps": "Die Pastoral-Sinfonieen von Justin Heinrich Knecht (1784) und Ludwig van Beethoven (1808).", "titre_sommaire": "Die Pastoral-Sinfonieen von Justin Heinrich Knecht (1784) und Ludwig van Beethoven (1808).", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.3", "debut_caractere": 2879, "fin_caractere_exclue": 4968, "texte": "Die Pastoral-Sinfonieen von Justin Heinrich Knecht\n(1784) und Ludwig van Beethoven (1808).\n\nJustin Heinrich Knecht, geboren den 30. September\n1752 zu Biberach in Schwaben, gestorben den 1. De-\ncember 1817, ist in der Geschichte der Musik als be-\nrühmter Orgelspieler, Theoretiker, Musikgelehrter und\nComponist bekannt, in der heutigen musicalischen Welt\naber kennen nur die Organisten noch seinen Namen, und\nmit Ausnahme einiger von seinen Orgelcompositionen, die\nneuere Abdrücke erlebt haben, ist die grosse Menge\nseiner übrigen Werke verschollen, deren Verzeichniss,\nausser vielen grossen und kleinen theoretischen Schriften\nund praktischen Anweisungen, viele Psalmen, Cantaten,\nHymnen (Tedeum) u. s. w., zahlreiche Stücke für Orgel,\nCiavier, kleines und grosses Orchester enthält.\nUnter den letztern führt das ältere Tonkünstler-Lexi-\nkon von Gerber an: „Musicalisches Gemälde der Natur,\ngrosse Sinfonie für 15 Stimmen. 1784.\" Fetis wie-\nderholte diese Angabe unter dem Artikel: „Knecht, J. H, „\nin seiner Biographie universelle T. V pag. 62 und be-\nmerkte dabei, „es sei dies dasselbe Thema, welches\nBeethoven später in seiner Pastoral-Sinfonie behan-\ndelt habe\".\nBeide Angaben erregten keine besondere Aufmerk-\nsamkeit, höchstens vielleicht ein Lächeln der wenigen\nLeute, die solche Bücher dann und wann aufschlagen.\nAber siehe da, jetzt ist das Werk von Knecht in\nseiner Original-Ausgabe (Speier, bei Bath Bossler) dem\nunermüdlichen alten belgischen Forscher in die Hände\ngekommen und er hat einen sehr interessanten Artikel\ndarüber in der Gazette musicale de Paris (Nr. 43 vom\n28. October) geschrieben, aus welchem wir das Pro-\ngramm, welches der Ausgabe in Stimmen beigegeben\nist, als ein höchst merkwürdiges Curiosum wegen seiner\nUebereinstimmung mit dem Beethoven'schen im Original\nmittheilen. Bekanntlich wurden zu jener Zeit alle Titel\nvon Musikwerken in französischer Sprache gegeben, wenn\nauch der Stil und die Grammatik, wie das auch bei dem\nhier folgenden der Fall ist, nicht immer regelrecht\nwaren. Der ganze Titel lautet:\n„Le Portrait musical\ngrande Symphonie ä deux v\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4786, "texte": "deux flütes traversieres, deux fagots,\ntrompettes et timbales ad\nprimer par le moyen des so\n„1° TJne belle contree\nzephirs voltigent, les ruisseaux\nles oiseaux gasouillent, un\nmurmurant, le berger siffle,\nbergere fait entendre sa douce voix.\n„2° Le ciel commence ä devenir soudain et\nsombre; tont le voisinage a\ns'effraye; les nuages noirs montent,\ntent d faire un bruit, le tonnere gronde 'de bin\net l'orage approche ä pas lents.\n„3° L'orage accompagne\nde pluie battans, gronde\nsommets des arbres font\nroule ses eaux avec un bruit epouvantable.\n„4° L'orage s'appaise p\ndissipent et le ciel devient clair.\n„5° La nature, transportee eleve\nvers le ciel et rend au createur les plus vives gräces\npar des chants doux et agrea\n„Dedieeä monsieur l'abb\nde chapelle electorale de Palatin-Bavarois, par Justin\nHenri Knecht. Publiee et se Spire,\nler, conseiller\"*)\nEs kann natürlich nicht von einer Vergleichung bei-\nder Compositionen, der Knecht'schen und der Beethoven'-\nsehen, die Rede sein, allein dass Beethoven die erste\nIdee durch das Werk von Knecht zu seiner herrlichen\nPastoral-Sinfonie bekommen hat, scheint uns sehr wahr-\nscheinlich. Es kommt nämlich der Umstand hinzu, dass\nBeethoven's erste 3 Sonaten, die er 11 (12) Jahre alt\nherausgab, in demselben Verlage bei Rath Bossler in\nSpeier, nach Thayer vor Schluss des Jahres 1783,\ndurch Vermittlung Neefe's erschienen, so dass wohl an-\nzunehmen ist, dass dieser und Beethoven selbst, so lange\ner in Bonn blieb, den Bossler'schen Verlag, der damals\nzu den verbreitetsten gehörte, fortdauernd kennen lern-\nten. Ferner hat Knecht nach Gerber's Notiz im neuen\nTonkünstler-Lexikon 111. S. 76 auch geschrieben: „Die\ndurch ein Donnerwetter unterbrochene Hirtenwonne, eine\nmusicalische Schilderung auf der Orgel. Darmstadt 1794.\"\nUeber die Composition des Portrait de la Nature\nvon Knecht spricht sich in dem oben erwähnten Ar-\ntikel unter Anderem folgender Massen aus:\n„Die Sinfonie ist nicht ohne Verdienst, die Thema's\nsind charakteristisch, aber die Episoden fehlen, und so lei-\ndet das Ganze an Monotonie. Wenn auf die 68 Tacte\ndes ersten Satzes einige unerwartete Gedanken folgten,\nso würde dieser Theil den Beifall der Kenner erhalten.\nEs herrscht darin in der That ein schöner Ausdruck der\nGefühle, welche der Anblik der Gefilde bei schönem\nWetter und die Entfernung vom Geräusch der Städte her-\nvorrufen: aber da kein überraschender Wechsel darin\nvorkommt, so wird das am Ende langweilig. Jedoch fin-\ndet sich darin ein kurzes Andan und eine an-\nmuthige Vilanella, deren Motive nichts weniger als ge-\nwöhnlich sind: aber es bleibt Alles immer in demselben\nTon. Dazu kommt, dass das ganze Interesse im Streich-\nquartett liegt, die Blas-Instrumente versteht der Componist\nnicht zu Contrasten der Klangfarben zu verwenden. In\nseinem Gewitter finden sich aber in der That Aehnlich-\nkeiten mit Beethoven in den detachirt herabgehenden\nTönen der Geige durch alle Noten des Accords und den\nabwärts gehenden chromatischen Gängen. Merkwürdig ist\nauch in Knecht's Sinfonie, die Berechtigung der Tonma-\nlerei einmal angenommen, die schärfere Intensität und\nAccentuation, die man bei Haydn noch nicht findet; man\nstösst auf unerwartete und häufige Effecte in den Nuan-\ncen des Ausdrucks durch dynamische Mittel; in den Con-\ntrasten von forte und piano,von und\ncendo, ja, in der plötzlichen Folge eines pianissimo auf\nein mächtiges crescendo gewahrt man eine bedeutende\nmusicalische Intelligenz und wirklich einen Vorgänger von\nBeethoven in dieser Beziehung. Um so auffallender ist es,\ndass ihm bei der Anlage des Ganzen die richtige Einsiebt\n\n*) Das musicalische Portrait der Natur, Sinfonie u. s. w. wird\ndurch Töne ausdrücken:\n1. Eine schöne Gegend, wo die Sonne scheint, die lieblichen\nZephyre wehen, die Bäche durch das Thal rieseln, die Vögel zwit-\nschern; ein Bergstrom fällt mit Geplätscher von der Höhe herab,\nder Hirt pfeift, die Lämmer springen, und die Hirtin lässt ihre\nsanfte Stimme hören.\n2. Der Himmel fängt an, plötzlich (und) dunkel zu werden,\ndie ganze Nachbarschaft athmet nur mit Mühe und ist bange; die\nschwarzen Wolken steigen auf, die Winde fangen an zu rauschen,\nder Donner rollt von Weitem und das Gewitter naht langsamen\nSchrittes.\n3. Das Gewitter, begleitet von rauschenden Winden und\nPlatzregen, bricht mit voller Kraft aus: die Gipfel der Bäume\nrauschen, und der Bergstrom -wälzt seine Fluten mit einem ent-\nsetzlichen Lärm.\n4. Das Gewitter beruhigt sich nach und nach, die Wolken\nverziehen sich und der Himmel wird heiter.\n5. Die Natur, vor Freude entzückt, erhebt ihre Stimme zum\nHimmel und bringt dem Schöpfer den wärmsten Dank in sanften\nund lieblichen Gesängen.\nGewidmet dem Herrn Abt Vogler, erstem kurfürstlichen Capell-\nmeister von Pfalzbaiern, von J. H. Knecht. Gedruckt und verlegt\nSpeier bei Rath Bossler."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2960, "texte": "in den Effect fehlt. So ist der Schluss, trotz des richtigen\nGefühls, dass ein Dank-Hymnus auf das Gewitter folgen\nmüsse, sehr ärmlich ausgefallen.\"\nJustin Heinrich Knecht hatte sich, wie sein Vater,\ndem Lebrstande gewidmet, aber schon in frühen Jahren\nbedeutende musicalische Anlagen gezeigt, auf welche den\nVater besonders Wieland aufmerksam machte, der da-\nmals Kanzlei-Director in Biberach, einer freien Reichsstadt\n(bis 1803), war und dem jungen Knecht sein Haus\nöffnete. Später wurde dieser, der philologische Studien\ngemacht hatte, Lehrer an der dortigen Hauptschule, je-\ndoch nach kurzer Zeit städtischer Musik-Director und Or-\nganist mit Entbindung von jenem Amte. Sein Leben ver-\nlief sich in kleinen Verhältnissen; den einzigen Zwischen-\nfall bildeten die zwei Jahre, in denen er die Capelimeis-\nterstelle in Stuttgart bekleidete und die Oper und die\nHof Kirchenmusik dirigirte. Er fühlte sich aber in diesen\nVerhältnissen nicht wohl, da er den Intriguen weder\nKraft noch Gleichmuth entgegen zu setzen wusste, und\ntrat wieder in seine frühere Stellung in Biberach zurück,\nwo er am 1. December 1817 starb.\nSeine Thätigkeit als Musiker, namentlich Orgelspieler,\nComponist und Schriftsteller ging ins Fabelhafte, und den-\nnoch darf man ihn in letzterer Beziehung durchaus nicht\nals einen Vielschreiber ansehen, denn von einer überaus\ngrossen Reihe von theoretischen und methodischen Wer-\nken sind besonders diejenigen, die sich auf die Orgel be-\nziehen, noch immer nicht ohne Werth. Schon als Knabe\nvon noch nicht 12 Jahren componirte er zwei Singspiele\nfür das Liebhaber-Theater in Biberach dessen Director\nWieland war. Im Orgelspiel soll er ausser dem Abt\nVogler keinen Nebenbuhler gehabt haben. Er schrieb\nan 9 bis 10 Opern darunter auch eine „Entführung\naus dem Serail\" —, ferner setzte er „Mirjam und De-\nborah\", Text von Klopstock, und 3 bis 4 Gesänge aus\nWieland's „Oberon\" in Musik; von seiner Neigung zur\nProgramm-Musik zeugten seine Sinfonieen „Don Qui-\nxote\" und „Der Tod des Prinzen Leopold von Braun-\nschweig\". Von seinen Kirchensachen dürften ausser\ndem bekannten grossen Choralbuch ein lateinischer\nPsalm Dixit Dominus und ein beides Preis-\nCompositionen (10 und 30 Ducaten. Gerber) und ein\ngrosses Te Deum für 2 Chöre und vollständiges Orches-\nter von 17 Stimmen vielleicht eine Wiederaufnahme\nverdienen.\nAuch Concerte hatte er in seiner Vaterstadt einge-\nrichtet, die nach Gerber im Jahre 1790 noch\nbestanden und bei deren Programmen er sich das Motto\n„Kurz und gut\" zur Richtschnur genommen hatte, denn\nsie brachten regelmässig nur drei Nummern: eine An-\nFangs-Sinfonie (Ouvertüre), ein Intermezzo, eine Schluss-\nSinfonie. Diese wurden gehörig probirt und „gedruckte\nNachrichten davon ausgegeben\", woraus man sieht, dass\nes dem Dirigenten um die Förderung der ästhetischen\nBildung seines Publicums zu thun war.\nNach allem diesem schien es uns keine Raumver-\nschwendung, das Andenken an J. H. Knecht einmal wieder\naufzufrischen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-01_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "382", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.2.4", "titre_corps": "Jakob Rauscher †.", "titre_sommaire": "Jakob Rauscher †.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.5", "debut_caractere": 2962, "fin_caractere_exclue": 4908, "texte": "Jakob Rauscher †.\nAm 16. November schied Jakob Rauscher, einer\nder vorzüglichsten deutschen Tenorsänger und trefflicher\nGesanglehrer, zu Stuttgart aus dem Leben.\nGeboren auf einem Dorfe bei Wien im Jahre 1800,\nwidmete er sich, Anfangs dem Schulfach, ging aber bald\nzur Bühne über, nachdem er im Jahre 1821 auf dem\nTheater an der Wien seinen ersten dramatischen Versuch\nals Ramiro in Isouard's „Aschenbrödel\" gemacht hatte\nund, danach angestellt, bald der Liebling des Publicums\nwurde. Durch schöne Stimme, gute Schule und hinrei-\nchende Darstellungsgabe hatte er auf mehreren Reisen\nund Gastdarstellungen grossen Erfolg, namentlich 1832\nin Dresden und 1833 in Berlin: er wurde als erster Te-\nnorist in Hannover, alsdann 1840 in derselben Eigen-\nschaft in Stuttgart angestellt. Bis zu seinem Rücktritt im\nJahre 1860 mit Pension hatte er 40 Jahre als Bühnen-\nsänger gewirkt, wovon die letzten 20 Jahre am Hof-\ntheater zu Stuttgart. Als Gesanglehrer an der Theater-\nGesangschule und am Stuttgarter Conservatorium hat er\ndarauf bis an sein Ende eine sehr verdienstliche Thätig-\nkeit entwickelt: von den durch ihn gebildeten Opern-Mit-\ngliedern nennen wir die Damen Baur in Kassel, Deinet\nin München, Reiser, erst seit Kurzem in Mannheim ange-\nstellt und dort sehr geschätzt, die Herren Degele in Dres-\nden, Alb. Jäger in Stuttgart, Lipp in Wiesbaden.\nBei seinem von zahlreicher Theilnahme zeugenden\nBegräbnisse am 18. November nach der Grabrede des Stadt-\npfarrers und den Gesängen eines Männerchors, sprach\nHr. Professor Faisst als Vorstand des Conservatoriums\nund Director des Vereins für classische Kirchenmusik\nfolgende Worte:\n„Am Grabe des verehrten Mannes, dessen irdischer\nHülle wir hieber zu ihrer letzten Ruhestätte gefolgt sind,\nkommt es mir weniger zu, im Allgemeinen die vorzüg-\nlichen Eigenschaften und die erfolgreiche Thätigkeit,\ndurch welche sich der Verewigte als Künstler und als\nMensch ausgezeichnet hat, hervorzuheben. Was er wäh-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3199, "texte": "rend einer künstlerischen Laufbahn von seltener Dauer\nSchönes und Herrliches geleistet bat, wird bei seinen\nZeitgenossen in unserer und vielen anderen Städten des\ndeutschen Vaterlandes unvergessen bleiben und wird der\nNachwelt rühmend überliefert werden; wie viel er seiner\nFamilie, seinen Freunden gewesen, wie er sich in allen\nVerhältnissen seines Lebens als trefflicher Charakter be-\nwährt hat, dafür zeugt die innige Liebe derer, die ihm\nnahe standen, und die allgemeine Hochachtung, welche\ner auch als Mensch in unserer Stadt genoss. Aber ich\nfühle mich gedrungen, im Namen zweier Kunst-Institute\ndem theuren Dahingeschiedenen hier noch einige beson-\ndere Worte der Anerkennung und des Dankes zu weihen.\nDreizehn Jahre lang fand der Verein für classische Kir-\nchenmusik an ihm die treueste, anspruchloseste und wirk-\nsamste Unterstützung seiner künstlerischen Bestrebungen,\nund die grosse Zahl derer, welche in diesem Verein mit ihm zu-\nsammenwirkten, die noch weit grössere Zahl derer, welche\ndort seinem edlen, maassvollen und doch innig ergreifenden\nGesänge lauschen durften, denken gewiss jetzt, da sich sein\nMund für immer geschlossen, wehmuthsvoll mit erneutem\nDanke zurück an denGenuss und die Erhebung, dieer ihnen\nso oft bereitete. Noch viel frischer aber sind die Ver-\ndienste des Verstorbenen um eine künstlerische Bildungs-\nanstalt, in der er bis vor wenigen Wochen gewirkt hatte\nund der er nun in so unerwartet schneller Weise ent-\nrissen ist. Seit nahezu 8 Jahren gehörte er dem Conser-\nvatorium für Musik als Lehrer an und fand hier eine\nStätte, wo er noch lange über die Gränzen hinaus, welche\nseiner öffentlichen Thätigkeit als Sänger von der Natur\ngesteckt waren, seine ausgezeichnete Begabung, seine ge-\ndiegene Bildung und reiche Erfahrung zum Besten der\nKunst verwendete. Und welche Liebe brachte er diesem\nBeruf entgegen, mit welcher Pflichttreue, welch unermüd-\nlichem Eifer, der, wo es Bedürfniss schien, kein Opfer\nan Zeit und Mühe scheute, mit welcher Lebendigkeit und\nFrische war er als Bildner der Jugend noch bis in sein\nspätes Alter thätig! Wie raffteer auch noch in den letzten\nMonaten, da schon der Keim des Todes an seinem Leben\nnagte, mannhaft alle Kraft zusammen, um seinem Berufe\nnicht untreu zu werden! wie ging sein ganzes Streben\ndahin, auch den jungen Talenten, die seiner Führung an-\nvertraut waren, dieselbe gründliche Bildung, dieselbe\nRichtung auf das einfach Edle, Gediegene, Wahre und\nReine in der Kunst zu eigen zu machen, durch welche\ner selbst in seiner Sängerlaufbahn sich vielleicht weniger\nden glänzenden Beifall der grossen Menge, aber um so\nmehr die Bewunderung und Zuneigung aller einsichtigen\nund ernsten Kunstfreunde erworben hatte! Darum wird\nder Verlust dieses Lehrers in unserer Anstalt mit tiefem\nSchmerze empfunden, darum rufen wir ihm den Dank\nderselben ins Grab nach; sein Andenken aber wird unter\nuns, seinen Mitlehrern, denen ihr ältester Amtsgenosse ein\nschönes Vorbild war in treuer Hingabe für seinen beson-\nderen Beruf, wie für die allgemeinen Interessen der An-\nstalt, es wird unter seinen Schülern, die er mit so viel\nLiebe, Eifer und Geschick in die Kunst einführte, ein\nehrenvolles, ein theures, ein gesegnetes bleiben.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-01_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "382", "page_fin": "383", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.2.5", "titre_corps": "Johann Nepomuk Vogl †.", "titre_sommaire": "Johann Nepomuk Vogl †.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.6", "debut_caractere": 3201, "fin_caractere_exclue": 5263, "texte": "Johann Nepomuk Vogl †.\nAm 18. Nov. Abends starb diese wahre Dichternatur\nim 64. Lebensjahre. J. N. Vogl war besonders durch\nseine Balladen populär geworden, und er wäre ganz ge-\nwiss berühmter, als er es ist, wenn der Leichtigkeit, mit\nwelcher er producirte, eine schärfere Selbstkritik, als er\nzu üben pflegte, die Wage gehalten hätte. Manche seiner\ntrefflichen Lieder, von ausgezeichneten Musikern compo-\nnirt, leben im Volksmunde fort; Alles in Allem zählte er\nzu den ursprünglichsten der österreichischen Lyriker und\nwar auch sonst mannigfach literarisch thätig. Ein Mann\nvon Geschmack, welcher aus den von ihm erschienenen\nGedichten nach sorgsamer Auswahl ein Bändchen zusam-\nmenzustellen wüsste, würde sich ein wirkliches Verdienst\nerwerben. J. N. Vogl wurde am 2. Februar 1802 zu\nWien geboren, und zwar als Sohn eines geachteten wiener\nBürgers, der lange Jahre die Ehrenstelle eines Vorstehers\nder bürgerlichen Leinwandhändler-Innung bekleidete. In\nseiner Jugend fühlte er grosse Hinneigung zu den bilden-\nden Künsten, aber der Wille seines Vaters stand dieser\nStandeswahl so unabweislich entgegen, dass er die Idee,\nMaler zu werden, aufgeben musste. Er empfand aber\nwenig Lust, der Nachfolger des Vaters in dessen Geschäft\nzu werden, und so kam es, dass Vogl, ein Liebling des im\nHause seines Vaters wohnenden niederösterreichischen\nLandesmarschalles Grafen Cavriani, im 17. Lebensjahre\nin die Dienste der Landslände trat und bis an sein Le-\nbensende in diesen Diensten blieb. Vogl's literarische\nThätigkeit begann, wie die so vieler österreichischen Lite-\nraten, in Hormayr's „Oesterreichischem Archiv\", welchem\nliterarischen Unternehmen er zugleich mit Eduard Duller\nund Johann Scheiger beitrat. Er lieferte Beiträge zur\nGeschichte, Topographie und Statistik des Kaiserthums;\nnebenbei aber floss reich und unaufhaltsam der Lieder-\nquell, der ihn zu einem der fruchtbarsten Liedersänger\nDeutschlands machte. Es wird wenig Lyriker der Neuzeit\ngeben, dessen Lieder so zahlreich in Musik gesetzt wur-\nden, als die Johann Nepomuk Vogl's. Sein „Oesterreichi-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 727, "texte": "sches Wunderhorn\", die „Karthäuser-Nelken\", der „Neue\nLiederfrühling\", „Frauenlob\", „Klänge und Bild er aus\nUngarn\", und ein paar Dutzend andere Liedersammlun-\ngen trugen seinen Namen weit über die österreichischen,\nja, über die deutschen Gränzpfähie hinaus. Viele seiner\nschönsten Balladen wurden in's Französische, Italiänische\nund Englische übersetzt. Ein Mitglied der französischen\nAkademie, Mollerant, lieferte treffliche Uebersetzungen\nnach Vogl, worunter besonders die gelungene Ueber-\ntragung von Vogl's „Leichenfrau\" unter dem Titel\n„L'ensevelisseuse\" zu nennen ist. Von 1842 bis 1848 re-\ndigirte er das österreichische Morgenblatt. Seit jener Zeit\nerschien er immer seltener literarisch thätig.\n(Zelln. 81. f. Th. M.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-01_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "383", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.2.6", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.7", "debut_caractere": 729, "fin_caractere_exclue": 3699, "texte": "Aus Aachen.\nDas zweite Abonnements-Concert fiel auf den Gedenktag der\nheiligen Cäcilia, und so Hess sich nicht leicht eine bessere Wahl\ntreffen, als die der Patronin der Tonkunst gewidmete herrliche Ode\nvon Händel und Dryden. Es verdient Erwähnung, dass diese schöne\nComposition, obwohl im Jahre 1739 geschrieben, doch unter den\ndeutschen Städten zuerst in Aachen aufgeführt wurde, und zwar im\nJahre 1856 in unseren Concerten unter der Leitung des Herrn v.\nTuranyi. Die Ausführung des Händei'schen Werkes sowohl, wie die\nvon Mendelssohn's Loreley, verdient alles Lob; man sang mit Liebe\nund Hingebung; nur war der Kampf ein ungleicher zwischen der\nChormasse und der glänzenden Instrumentirung Mozart's und Men-\ndelssohn's.— Die Sopransoli in beiden Werken waren Frau Ruders-\ndorff anvertraut. Diese, seit längerer Zeit berühmte Künstlerin, ist\ndramatische Sängerin im vollen Sinne des Wortes, das zeigte sie\nbei der Auffassung der Loreley, die uns auch den deutlichsten Be-\nweis gab von dem, was sie als Sängerin gewesen sein muss, ehe\nihre Mittel durch die Ausartungen des dramatischen Gesanges ge-\ntrübt waren, denn, wie sich leicht begreifen lässt, hat das Metall\nder Stimme durch Ueberreizung gelitten, und müssen daher die\nSeelenzustände in zu starken Umrissen wiedergegeben werden. Man\nkonnte mit Recht in der Loreley sowohl, wie in der Ode und na-\nmentlich im Schlusschor, worin der Sopran den übrigen Stimmen\nohne Begleitung strophenweise voranschreitet, etwas Outrirtes, Her-\nausforderndes in dem Gesang der Frau Rudersdorff finden, doch darf\nman nicht ausser Augen lassen, dass es zuweilen schwierig für eine\nSängerin ist, die tief empfindet, was sie vorträgt, sich nicht über\ndie Gränzen des Schönen hinreissen zu lassen; die Leidenschaft\nschreitet nicht über blühende Wiesen; sie stürzt sich in den Kampf\nder Elemente. Die schönste Wirkung brachte die Sängerin unstreitig\nin der Flöten-Arie der Ode hervor, die Verzierungen, die Triller,\ndas schöne Mezzavoce, die Weichheit, welche sie in die ergreifende\nLiebesklage hineinlegt, zeugen von einer tiefen musicalischen Bil-\ndung. Weniger befriedigte die Arie mit Orgel und die mit Cello, in\nwelcher Herr Johann Wenigmann alle Ehren davontrug. Herr\nGöbbels, dem eine sehr schwierige Aufgabe geworden war, löste\nsie als gewandter Sänger. Frau Johnson-Graever war bei uns\neine neue Erscheinung und zeigte sich als Concertspielerin ersten Ranges.\nIn dem Concerte von Hummel bewunderten wir bei ihr die Eleganz, die\nGlätte und Correctheit, die Egalität der Läufe und perlende Deut-\nlichkeit der Figuren, welche die Schule dieses Meisters charakterisiren,\n• '\nund in der Polonaise von Chopin zeigte sie eine Kraft, wie sie na-\nmentlich in der linken Hand bei Frauen selten ist, eine überra-\nschende technische Virtuosität und grosse Tiefe der Empfindung.\nDie niederländische Künstlerin erwarb sich grossen und gerechten\nErfolg bei uns, der ihr nirgend fehlen wird; weil sie sich ihrer\nKunst mit Begeisterung hingibt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-01_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "384", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.2.7", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.7", "debut_caractere": 3701, "fin_caractere_exclue": 6957, "texte": "Aus Wiesbaden.\n\nDen 29. November 1866.\nDie Sommer-Saison ist diesmal vorüber gegangen, ohne uns\ndie frühere Anzahl von Virtuosen-Concerten zu bringen. Waren\ndoch die Gebrüder Thern die einzigen, die trotz den Kriegsereig-\nnissen durch ihr mehrmaliges und stets mit dem grössten Beifall be-\ngleitetes Auftreten hier und in den Nachbarstädten Mainz und\nFrankfurt von sich reden machten. Um so glänzender hat sich je-\ndoch die Winter-Saison angelassen, denn wir haben, ausser der er-\nsten der alljährigen Quartett-Soireen des Herrn Baldencoker und\nGenossen am 22. d. Mts. das erste Sinfonie-Concert im Theater\nund am 26. das erste Vereins-Concert des Cäcilien-Vereins\nim Cursaale gehabt. Für die Sinfonie-Concerte, welche im vorigen\nJahre von unserem verdienstvollen Capellmeister Jahn ins Leben\ngerufen wurden, war man Anfangs sehr besorgt, weil die Sache\nwegen des Mangels an den noth wendigen Musicalien grössere\nSchwierigkeiten bietet, als es für das Publicum wenigstens den An-\nschein hat. Doch von derselben Stelle aus, welche die Zukunft\nunserer Theater sicher gestellt hat, ist auch dafür gesorgt worden,\ndass jene im Hinblick auf die Virtuosen-Concerte des Sommers uns\nso nothwendigen Sinfonie-Concerte des Winters uns erhalten blei-\nben. Auch diese gehen nämlich von der Intendantur der Königl.\nSchauspiele aus, welchen Namen jetzt das frühere herzogliche\nTheater hier führt. Zur Aufführung kamen: Bach's berühmte Pas-\nsacaglia, unlängst erst von unserem wackeren Orgelvirtuosen Wald\nin einem Orgel-Concerte vorgetragen und jetzt in der imposanten\norchestralen Bearbeitung von Esser. Dann, ausser den beiden\nVocalwerken (Arie aus Händel's Rinaldo und Ständchen für 5\nFrauenstimmen von Fr. Schubert) die höchst charakteristische Ou-\nvertüre zu Ali Baba von Cherubini und das Vorspiel zu Wagner's\nneuer Oper „Die Meistersänger\", ein Werk, welches zwar ebenfalls\nüber die Gränzlinie des wahrhaft Schönen vielfach hinaus geht,\naber immerhin interessant zu nennen ist, wegen der geistvollen con-\ntrapunktlschen Verknüpfung der verschiedenen Thema's am Schlüsse.\nDen grössten Contrast hierzu bildete die nun folgende G-dur-Sin-\nfonie (Op. 56) von Haydn, von welcher jeder einzelne Satz vom\nPublicum mit enthusiastischem Beifall aufgenommen wurde. Die\nAufführung überhaupt war, wie sich von unserem vortreffli-\nchen Orchester unter Jahn's Leitung erwarten liess, eine durch-\nweg vollendete. Das Concert des Cäcilien-Vereins brachte\nuns den ersten Theil der Matthäus-Passion von Bach, Mirjams Sie-\ngesgesang von Schubert, prachtvoll instrumentirt von van Eyken,\nund Mendelssohn's 114. Psalm. Die Aufführung dieser grossartigen\nTonwerke hat dem Vereine und namentlich seinem strebsamen und\ntalentvollen Dirigenten Herrn Wilhelm Freudenberg alle Ehre\ngemacht. Obwohl der Wiesbadener Curhaussaal für die Bach'sche Pas-\nsionsmusik gewiss ein sehr ungeeignetes Local ist, so vermochte\ndoch die würdevolle Aufführung das ganze Auditorium in eine an-\ndachtsvolle Stimmung zu versetzen, und dem stillen Beobachter\nkonnte die Wahrnehmung nicht entgehen, welche Wandlung selbst\nin diesen, der Freude und den sinnlichen Klangeffecten gewidmeten\nRäumen eine Bach'sche Passionsmusik hervorbringen kann. Möge\nder Verein, welcher so lange Jahre hindurch bei der misslichen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 338, "texte": "Lage der Verhältnisse nur Mittelmässiges leisten konnte, durch den\nunter seinem neuen und ihm ausschliesslich angehörenden Diri-\ngenten erzielten Erfolg die entsprechende Aufmunterung erhalten,\num auf dem betretenen Wege weiter vorwärts schreiten zu können.\nDenn als Gegengewicht für den Sommer brauchen wir viel gute\nMusik im Winter.\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-01_01#c008", "volume": "bmtnabi_1866-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "384", "page_fin": "384", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "x", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.8", "debut_caractere": 340, "fin_caractere_exclue": 2545, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nx.\nKussel» Am 20. November eröffneten die Mitglieder des\nkönigl. Theater-Orchesters ihre Abonnements-Concerte unter\nder Direction des Herrn Capellmeisters Reiss mit folgendem Pro-\ngramm: 1. Ouvertüre zu der Oper „der Alchymist\" von Spohr;\n2. Arie aus „Ezio\" von Gluck (Frau Hempel-Kristinus); 3. Con-\ncertin H-moll von Hummel (Frau Johnson-Graever); 4. Lieder;\n5. Polonaise in E-mo II mit Orchester von Chopin (Frau Graever);\n6. von Beethoven. Frau Graever errang einen\nglänzenden Erfolg, den begeisterter Applaus und Hervorruf bekundete.\nZofingen« Unsere diesjährigen Winter-Concerte wurden\nam 26. October eröffnet durch ein Concert von Alf. Jaell. Acht Tage\ndarauf, den 2. November, concertirten bei überfülltem Saale die\nHerren Joachim und Brahms. Den 21. November besuchte\nuns auf einer Reise Herr Organist Vogt aus Freiburg und erfreute\ndas Publicum durch einige Orgel-Vorträge. Die Orgel hier, mit 38\nbiegenden Stimmen, 4 Nebenzügen und 2 Schwellern, 3 Manualen\nund Pedal, wurde vor 19 Jahren (1847 im October) vom Orgelbauer\nFr. Haas erbaut, und von den Herren Organisten Vogt, Mendel\n(Organist an der Münsterkirche in Bern) und Pater Nägeli (Organist\nan der Immhoofkirche in Luzern) als Experten zur Abnahme\ngeprüft.\nHerr Vogt, der das Werk seitdem nicht mehr gesehen und ge-\nspielt hatte, fand es bis in die feinsten Theile aufs beste erhalten.\nEs kann den besten an die Seite gestellt werden. Den 2. De-\ncember findet das 1. Abonnements-Concert Statt. Es sollen u. A.\nzur Aufführung kommen: Ouvertüre zum Drama „Rosamunde\" von\nFr. Schubert; zu „Idomeneo\" von Mozart; Chöre aus derselben\nOper; 4stimmige Gesänge von Mendelssohn; als Solo-Vorträge u.\nA. für Piano: Concertstück Op. 79 von C. M. v. Weber; „Fan-\ntaisie-Imprompte Op. 66 von Frd. Chopin; und Concert-Etude\nOp. 61 von Ch. Meyer, vorgetragen von Frau Dr. Willener, am Con-\nservatorium der Musik in München gebildet.\nDas 2. Abonnements-Concert ist auf den 25. December (Pro-\ngramm: Suite in D-dur für Orchester von J. S. Bach u. A.),\ndas 3. Ende Januar und das 4. Anfang März festgesetzt; und am\nCharfreitag findet, wie jedes Jahr üblich3 eine dem Tage entsprechende\nMusik-Aufführung in der Kirche Statt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber als Schriftsteller. 11. Die Pastoral-Sinfonieen von Justin Heinrich Knecht (1784) und Ludwig\nvan Beethoven (1808). Jakob Rauscher -f\\ Johann Nepomuk Vogl f. Aus Aachen (Zweites Abonnements-Concert). Aus\nWiesbaden (Musicalische Zustände). Tages- und Unterhaltungsblatt- (Kassel, Abonnements-Concerte. Zofingen, Abonne-\nments-Concerte, Herr Organist Vogt.\n\nCarl Maria von Weber als Schriftsteller.\nII.\n(I. S. Nr. 47.)\nEin jeder gebildete Mensch, zumal wenn er zu den\nbesonders ausgestatteten Geistern gehört, wird, falls die\nEigenartigkeit seiner Natur ihn nicht gerade dem Aus-\ndruck durch das Wort abhold gemacht, wie Beethoven\nz. B. in seinen Briefen, durch die Ursprünglichkeit der\nGedanken, die Fähigkeit, dieselben mannigfaltig zu ver-\nketten, und durch das Individuelle seines Stils angenehm\nüberraschen. Er wird auch, wenn die Gelegenheit sich\ndazu bietet, in schriftstellerischen Arbeiten sich zu ver-\nsuchen und vor die Oeffentlichkeit zu treten, in gewissem\nGrade die angeführten Vorzüge zu erkennen geben, wo-\nbei gern zugegeben wird, ja, mit Betonung anzuführen ist,\ndass diese Arbeiten der äusseren Form sowohl als auch\nviel mehr dem inneren Gehalte nach hoch über viele Bal-\nlen Druckpapier von gewissen Berufs-Schriftstellern zu\nstellen sein werden; denn die Wahl oder die Qual des\nBerufes machen noch nicht den Schriftsteller, wie tag-\ntäglich zum betrüblichen Staunen einsichtsvoller Leser\ndie Erfahrung gemacht werden kann. Allein die Basis\ndes bestimmten Berufes ist aus vielen Gründen bei allem,\nwas der Mensch treibt, eine so wichtige, dass deren Weg-\nfallen einerseits eine grosse Zahl von Stützen wegnimmt,\nandererseits das Vorhandensein einer anderen Berufsbasis\nSchranken zieht, über deren Hemmnisse sich der ob-\njectivste, der wie C. M. von Weber sich gelegentlich\nausdrückt mit dem höchsten Abstractions-Vermögen\nausgerüstete Geist schwerlich je, ohne Schaden zu nehmen,\nwegsetzen können wird. '\nDie erste Bedingung zum Gelingen einer Sache ist\ndie Liebe zu ihr. Diese höchste, reine Hingebung hat der\nMensch schwerlich für mehrere Dinge, namentlich Berufe,\nzu gleicher Zeit. WTeber war ein grosser Componist, ein\nvorzüglicher Ciavierspieler und Dirigent; also productiver\nund reproductiver Künstler, die philosophirende, ästheti-\nsirende und kritisirende Auffassung seiner Kunst stand\nihm in dritter Reihe. Mit welcher Liebe trug er seine\nCompositionen mit sich herum, wie änderte er unver-\ndrossen an der Oper Sylvana, wie lange beschäftigte ihn\nder Freischütz, wie streng beurtheilte er seine Vergangen-\nheit auf diesem Gebiete, und zu welchen Resultaten ge-\nlangte er schliesslich bei seinen besseren Werken in Folge\ndieser strengen Selbstcontrole! In der Schriftstellern er-\nfahren wir nichts hiervon, wohl aber gibt der Artikel\n„üeberdieTondichtungsweise des Herrn Fesca\" einen Be-\nleg dafür, wie er den zu überwindenden Schwierigkeiten\nals Sieger entgegenzutreten so recht eigentlich nicht die\nnöthige Concentration des Willens besass; denn vor\nAusmalung derselben und vor lauter Beiwerk kommt es\nnicht recht zur Sache. Man fühlt, dass ein hochbedeutender\nKünstler und ein höchst liebenswürdiger Mensch die Feder\nergriffen hat. Wie gewissenhaft er als Dirigent war, das\nlehrt das einfache Factum, dass er stets 2 bis 3 General-\nproben abhalten konnte, die Vorstellungen glichen. (Siehe\nseine Methode des Einstudirens B. I S. 101 u. a. a. 0.)\nDie Vollendung seines Spiels in technischer Beziehung\nwar untadelhaft, widmete er doch jeden Tag eine Stunde\nder Erhaltung dieser schönen Seite seiner Kunst, auch\nsind seine Clavier-Compositionen wesentlich der Art, dass\nihr Werth durch eine vollkommene Wiedergabe auf\ndem Instrument bedingt erscheint. So sahen wir ihn als\nTondichter, Musikleiter und Ciavierspieler mit voller Hin-\ngebung seine Liebe bethätigen. Wie stand es dagegen\nmit seiner Schriftstellerei? Von Befolgung der goldenen\nRegel nulla dies sine linea war keine Rede, von einer\nzusammenhangenden Ausbildung des schriftstellerischen\nTalentes auch nicht. Die Sonne, welche die Blütben und\nAernten dieses Gebietes heranwachsen liess, war nicht die\nreine, ideale Liebe zur Schriftstellerei, welche diese als"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.2", "texte": "Selbstzweck anerkennt und treibt. Und sie konnte es auch\nnicht sein; denn man kann nicht zweien Herren dienen,\nwie schon das Sprüchwort sagt. Um so höher wird die\nAnerkennung sein müssen, wenn die Erzeugnisse dieser\nNebenneigung Anspruch auf unsere Theilnahme erwecken.\nZu diesem inneren Verhältnisse, das der Regel und\nhierauch der Thatsachenach einer vollkommenen Entwick-\nlung der schriftstellerischen Fähigkeit zuwiderläuft,\nkommt noch das äussere. Dem Schriftsteller ist seine Ar-\nbeit ihrer selbst wegen das Höchste, seinen Werken\ntrachtet er nur ihrer selbst wegen die möglichste Vollen-\ndung zu geben; denn was er schreibt, gibt den Maassstab\nfür sein Ich ab. Er ist mit allen Banden des Egoismus an\ndiese Laufbahn gebunden. Sein materielles Wohl, sein\nAnsehen, seine Stellung, sein Einfluss, sein Nachruhm,\nalle die Triebfedern, welche, so lange des Menschen\ngöttliche Natur an den irdischen Leib gefesselt ist, ihre\nganze Gewalt ausüben und die Thatkraft zusammenhalten\nund stählen, hangen nichtnur von jedem einzelnen Schrift-\nstück, sondern auch von der Summe derselben ab, die\nseine Leistungen individualisirt. Diese äusseren Gründe\nfallen bei Weber fort, der nichts weniger als eine Schrift-\nsteller-Laufbahn einzuschlagen den Beruf in sich fühlte.\nJa, er empfand auch sehr wohl, dass dem so war, und\ngab darüber die Klarheit seines Urtheils und seine Offen-\nheit ehrende Zugeständnisse. Am Schlüsse des Artikels\nüber Vogler's Choräle „fühlt er nur zu sehr, was ein\nWürdigerer, als er, aus seinem Stoffe hätte schöpfen\nkönnen\", was vielleicht noch auf seine musicalische Befähi-\ngung allein bezogen werden könnte; an anderen Stellen\ndagegen ordnet er seine Feder unverhohlen unter. Der-\ngleichen Sätze sind bei einem Manne, wie Weber, der\nnur zu oft keine Scheu trug, sich durch das offene Zur-\nschautragen seiner innersten Gedanken Schaden anzu-\nthun, nicht für Redensarten zu nehmen, wie sie jenen\nSchriftstellern geläufig sind, welche das Publicum zu\nrühren und den Collegen zu schmeicheln trachten.\nSo wagen wir denn, es frei gerade heraus zu sagen,\nWeber wurde eigentlich nur durch die Verhältnisse ver-\nschiedenster Art zum Schriftstellern gedrängt, mit Einem\nWorte, er war ein Gelegenheits-Schriftsteller.\nDieses Wort hat, seit Goethe den grössten Theil der\nliterarischen Producte Gelegenheits-Erzeugnisse genannt,\nob aus Laune oder in philosophischer Anwandlung, das\nsei dahingestellt, und die Mücken sogar zu Musageten er-\nhoben, eine weitere Begriffs-Sphäre erhalten. Wir meinen\ndamit den Geist, der nicht aus innerem Beruf, son-\ndern aus äusseren Motiven und weil er die Kraft des\nKönnens in sich zu fühlen glaubt, schreibt.\nUeber Vogler schreibt er, theils als gehorsamer\nSchüler, denn Vogler wünschte es, theils in der Be-\ngeisterung, die jeder Kunstjünger für den Meister empfin-\ndet, der, ihm seinen Horizont erweiternd, neue Perspec-\ntiven eröffnet. Ueber Meyerbeer, Gänsbacher, G. Weber\nu. A., weil sie seine Freunde waren, wobei übrigens\nnicht unberücksichtigt bleiben möge, dass diese Freund-\nschaft in der Kunst fusste, dass hiermit also nicht etwa\nder Schein parteiischen Sinnes auf Weber zu werfen.\nEbenso wie Schumann sich im Laufe der Zeit unserer\nAnsicht nach nicht ganz mit Recht Chopin abkehrte,\nschlägt auch Weber über Meyerbeer allmälig einen an-\nderen Ton an. Ueber Berger, Cagelier, Fink, Drieberg,\nKaufmann, Dreissig u. a.; weil die Berührung mit ihnen\nseine Theilnahme verschiedenartig erregte. Der grösste\nTheil seiner Schriften, erläuternde Aufsätze über Opern,\ndie er in Prag und Dresden einstudirte, sind zum Nutzen\nder bevorstehenden Aufführungen verfasst. Eine nicht\ngeringe Anzahl von Entgegnungen, auf die wir bei Cha-\nrakterisirung Weber's als Menschen aus seinen Schriften\nnäher eingehen werden, flössen aus der bitteren Erregung\nder empfundenen Verletzung. Einiges entstand auf be-\nstimmtes Andrängen der Interessenten.\nDie Arbeiten bis 1813, wo plötzlich 2 Jahre lang\ndergleichen fehlen, grossentheils für Zeitungen als Beiträge\nzur Förderung derselben verfasst, könnten, obwohl sie nur\netwa ein Viertel des Bandes bilden, anders beurtheilt\nwerden, da in ihnen der zwingende Gelegenheitsgrund\nnicht immer soklar auf der Hand liegt. 1811 ersuchteer\nsogar Naegeli in Zürich, doch vergeblich, die Herausgabe\neiner Zeitung des harmonischen Vereins in Verlag zu\nnehmen. —— Ja, wenn es nur nicht die des harmonischen\nVereins gewesen wäre! Dieser Verein, dessen Statuten\nBand I S. 228 stehen, war aber im Herbst 1810 zu\nDarmstadt zwischen ihm, Gottfried Weber, Meyerbeer,\nA. v. Dusch und Gänsbacher zu gegenseitiger Förderung\ngegründet. Wiederum sei nebenbei bemerkt, dass diese\nFörderung aus reinster Quelle fliessen sollte und auch\nvon Weber her streng und rein aufgefasst wurde. Allein\nhieraus erhellt, dass das Hauptmotiv für alle diese in ver-\nschiedene Zeitungen abgedruckten Sachen nicht der\nSchriftstellerdrang war. Fast komisch wirkte auf uns in\ndieser Hinsicht der Plan einer Topographie, eines Noth-\nund Hülfbüchleins für reisende Künstler, wozu Band 111\nS. 46 u. ff. den Grundriss und Basel als ausgeführten\nFall bringt, entsprungen im Nachgefühl der durchgemach-\nten, leidigen Plackereien der arrangirten Concerte, aus\nliebenswürdiger Gutmüthigkeit für seine Collegen, und\naufgegeben, sobald die Praxis ihn auf andere Schau-\nplätze rief. Ein Bädeker für reisende Virtuosen!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.3", "texte": "Ja, aber der Boman! ruft man uns zu. Nun, und\ndieser Boman ist mehr noch ein Beleg für die ausge-\nsprochene Ansicht; denn hier, wo er ohne äusseren An-\nlass dichtete, wo der Zwang eines ihm gegenübertreten-\nden, zu bearbeitenden, bestimmten Stoffes wegfiel, da\nzeigt es sich klar, dass ihm die Objectivität des Dichters\nfehlte, und dass er sich darin täuschte, wenn er glaubte,\nmit der Hingebung des schriftstellerischen Genius dich -\nlerische Gestalten empfangen und gestalten zu können.\nDes „Tonkünstlers Leben\", zu dem zwei Pläne vorliegen,\ndie der Hauptsache nach, welche ist, dass ein junger\nKünstler einer unwürdigen Geliebten entsagt, um sich\nganz und ungetheilt der Musik zu weihen, nicht von ein-\nander abweichen, ist uns nichts Anderes als ein Versuch,\ndie eigenen Erfahrungen in eine äusserliche Form zu\nbringen, dem man schon seiner fragmentarischen Belas-\nsung nach anmerkt, dass er eine Fehlgeburt ist. Hätte\nWeber, von Haus aus, d. h. von einem Vater, wie ihn\nGoethe besass, etwa angeleitet, die Gewohnheit angenom-\nmen, was er selbst thatund erlebte, mit grösserer Werth-\nstellung anzusehen, und wäre zu einer solchen der inner-\nliche Hang gekommen, über sich selbst zu schreiben, so\nhätten fast die ganzen Bruchstücke Wort für Wort in\neinem Tagebuche oder in Memoiren ihren Platz gefunden.\nImmerhin aber ist der Boman nur der Schriftstellerei\nhalber begonnen, dasselbe ist von dem Aufsatz „Die\nSchlannbeitzger\" und wenigen Kleinigkeiten (zum Theil\nim „Lebensbilde\" enthalten) zu sagen. Allein diese Sachen\nsind einerseits zu wenig zahlreich, theils gar zu sehr nach\nden Mustern seiner berliner Freunde Hoffmann und\nLichtenstein geschrieben, um uns in unserer Ansicht im\nGanzen irre machen zu können.\nHiermit wäre unsere Aufgabe beendet, wenn wir sie\nals eine rein kritische auffassten, und dazu hätten wir\neiner Persönlichkeit gegenüber, der ausserdem keine aus-\nnahmsweise Bedeutung zuzuschreiben, wohl das Becht,\nvielleicht sogar, trotz des vielen Vortrefflichen, was sich\nvorfindet, die Pflicht, wenn es gälte, einen Schriftsteller\nunter Schriftstellern zu würdigen.\nBei der hohen Bedeutung aber, die Weber als Ton-\ndichter und praktischem Tonkünstler zukommt, haben\nwir einerseits in ihm die „Autorität\" zu schätzen, anderer-\nseits die Pflicht, seinen vielen Verehrern die Schlaglichter\nzu zeigen, welche die schriftstellerischen Erzeugnisse auf\nseinen Charakter werfen. So bleibt uns noch die ange-\nnehme und für Weber's persönlichen Werth ebenso vor-\nteilhaft ausfallende, als den Kunstfreund mit reicher Aus-\nbeute beschenkende Arbeit, einmal aus den mannigfaltigen\nBeziehungen seiner Schrifstellerei psychologische Bück-\nschlüsse auf Weber zu ziehen, und ferner seine ebenso\nklaren wie inhaltreichen Ansichten über so Vieles, was\nheute ebenso noch wie damals Gegenstand grosser Mei-\nnungs-Verschiedenheit ist, in geordneter Fassung zusam-\nmenzustellen.\n\nDie Pastoral-Sinfonieen von Justin Heinrich Knecht\n(1784) und Ludwig van Beethoven (1808).\n\nJustin Heinrich Knecht, geboren den 30. September\n1752 zu Biberach in Schwaben, gestorben den 1. De-\ncember 1817, ist in der Geschichte der Musik als be-\nrühmter Orgelspieler, Theoretiker, Musikgelehrter und\nComponist bekannt, in der heutigen musicalischen Welt\naber kennen nur die Organisten noch seinen Namen, und\nmit Ausnahme einiger von seinen Orgelcompositionen, die\nneuere Abdrücke erlebt haben, ist die grosse Menge\nseiner übrigen Werke verschollen, deren Verzeichniss,\nausser vielen grossen und kleinen theoretischen Schriften\nund praktischen Anweisungen, viele Psalmen, Cantaten,\nHymnen (Tedeum) u. s. w., zahlreiche Stücke für Orgel,\nCiavier, kleines und grosses Orchester enthält.\nUnter den letztern führt das ältere Tonkünstler-Lexi-\nkon von Gerber an: „Musicalisches Gemälde der Natur,\ngrosse Sinfonie für 15 Stimmen. 1784.\" Fetis wie-\nderholte diese Angabe unter dem Artikel: „Knecht, J. H, „\nin seiner Biographie universelle T. V pag. 62 und be-\nmerkte dabei, „es sei dies dasselbe Thema, welches\nBeethoven später in seiner Pastoral-Sinfonie behan-\ndelt habe\".\nBeide Angaben erregten keine besondere Aufmerk-\nsamkeit, höchstens vielleicht ein Lächeln der wenigen\nLeute, die solche Bücher dann und wann aufschlagen.\nAber siehe da, jetzt ist das Werk von Knecht in\nseiner Original-Ausgabe (Speier, bei Bath Bossler) dem\nunermüdlichen alten belgischen Forscher in die Hände\ngekommen und er hat einen sehr interessanten Artikel\ndarüber in der Gazette musicale de Paris (Nr. 43 vom\n28. October) geschrieben, aus welchem wir das Pro-\ngramm, welches der Ausgabe in Stimmen beigegeben\nist, als ein höchst merkwürdiges Curiosum wegen seiner\nUebereinstimmung mit dem Beethoven'schen im Original\nmittheilen. Bekanntlich wurden zu jener Zeit alle Titel\nvon Musikwerken in französischer Sprache gegeben, wenn\nauch der Stil und die Grammatik, wie das auch bei dem\nhier folgenden der Fall ist, nicht immer regelrecht\nwaren. Der ganze Titel lautet:\n„Le Portrait musical\ngrande Symphonie ä deux v\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.4", "texte": "deux flütes traversieres, deux fagots,\ntrompettes et timbales ad\nprimer par le moyen des so\n„1° TJne belle contree\nzephirs voltigent, les ruisseaux\nles oiseaux gasouillent, un\nmurmurant, le berger siffle,\nbergere fait entendre sa douce voix.\n„2° Le ciel commence ä devenir soudain et\nsombre; tont le voisinage a\ns'effraye; les nuages noirs montent,\ntent d faire un bruit, le tonnere gronde 'de bin\net l'orage approche ä pas lents.\n„3° L'orage accompagne\nde pluie battans, gronde\nsommets des arbres font\nroule ses eaux avec un bruit epouvantable.\n„4° L'orage s'appaise p\ndissipent et le ciel devient clair.\n„5° La nature, transportee eleve\nvers le ciel et rend au createur les plus vives gräces\npar des chants doux et agrea\n„Dedieeä monsieur l'abb\nde chapelle electorale de Palatin-Bavarois, par Justin\nHenri Knecht. Publiee et se Spire,\nler, conseiller\"*)\nEs kann natürlich nicht von einer Vergleichung bei-\nder Compositionen, der Knecht'schen und der Beethoven'-\nsehen, die Rede sein, allein dass Beethoven die erste\nIdee durch das Werk von Knecht zu seiner herrlichen\nPastoral-Sinfonie bekommen hat, scheint uns sehr wahr-\nscheinlich. Es kommt nämlich der Umstand hinzu, dass\nBeethoven's erste 3 Sonaten, die er 11 (12) Jahre alt\nherausgab, in demselben Verlage bei Rath Bossler in\nSpeier, nach Thayer vor Schluss des Jahres 1783,\ndurch Vermittlung Neefe's erschienen, so dass wohl an-\nzunehmen ist, dass dieser und Beethoven selbst, so lange\ner in Bonn blieb, den Bossler'schen Verlag, der damals\nzu den verbreitetsten gehörte, fortdauernd kennen lern-\nten. Ferner hat Knecht nach Gerber's Notiz im neuen\nTonkünstler-Lexikon 111. S. 76 auch geschrieben: „Die\ndurch ein Donnerwetter unterbrochene Hirtenwonne, eine\nmusicalische Schilderung auf der Orgel. Darmstadt 1794.\"\nUeber die Composition des Portrait de la Nature\nvon Knecht spricht sich in dem oben erwähnten Ar-\ntikel unter Anderem folgender Massen aus:\n„Die Sinfonie ist nicht ohne Verdienst, die Thema's\nsind charakteristisch, aber die Episoden fehlen, und so lei-\ndet das Ganze an Monotonie. Wenn auf die 68 Tacte\ndes ersten Satzes einige unerwartete Gedanken folgten,\nso würde dieser Theil den Beifall der Kenner erhalten.\nEs herrscht darin in der That ein schöner Ausdruck der\nGefühle, welche der Anblik der Gefilde bei schönem\nWetter und die Entfernung vom Geräusch der Städte her-\nvorrufen: aber da kein überraschender Wechsel darin\nvorkommt, so wird das am Ende langweilig. Jedoch fin-\ndet sich darin ein kurzes Andan und eine an-\nmuthige Vilanella, deren Motive nichts weniger als ge-\nwöhnlich sind: aber es bleibt Alles immer in demselben\nTon. Dazu kommt, dass das ganze Interesse im Streich-\nquartett liegt, die Blas-Instrumente versteht der Componist\nnicht zu Contrasten der Klangfarben zu verwenden. In\nseinem Gewitter finden sich aber in der That Aehnlich-\nkeiten mit Beethoven in den detachirt herabgehenden\nTönen der Geige durch alle Noten des Accords und den\nabwärts gehenden chromatischen Gängen. Merkwürdig ist\nauch in Knecht's Sinfonie, die Berechtigung der Tonma-\nlerei einmal angenommen, die schärfere Intensität und\nAccentuation, die man bei Haydn noch nicht findet; man\nstösst auf unerwartete und häufige Effecte in den Nuan-\ncen des Ausdrucks durch dynamische Mittel; in den Con-\ntrasten von forte und piano,von und\ncendo, ja, in der plötzlichen Folge eines pianissimo auf\nein mächtiges crescendo gewahrt man eine bedeutende\nmusicalische Intelligenz und wirklich einen Vorgänger von\nBeethoven in dieser Beziehung. Um so auffallender ist es,\ndass ihm bei der Anlage des Ganzen die richtige Einsiebt\n\n*) Das musicalische Portrait der Natur, Sinfonie u. s. w. wird\ndurch Töne ausdrücken:\n1. Eine schöne Gegend, wo die Sonne scheint, die lieblichen\nZephyre wehen, die Bäche durch das Thal rieseln, die Vögel zwit-\nschern; ein Bergstrom fällt mit Geplätscher von der Höhe herab,\nder Hirt pfeift, die Lämmer springen, und die Hirtin lässt ihre\nsanfte Stimme hören.\n2. Der Himmel fängt an, plötzlich (und) dunkel zu werden,\ndie ganze Nachbarschaft athmet nur mit Mühe und ist bange; die\nschwarzen Wolken steigen auf, die Winde fangen an zu rauschen,\nder Donner rollt von Weitem und das Gewitter naht langsamen\nSchrittes.\n3. Das Gewitter, begleitet von rauschenden Winden und\nPlatzregen, bricht mit voller Kraft aus: die Gipfel der Bäume\nrauschen, und der Bergstrom -wälzt seine Fluten mit einem ent-\nsetzlichen Lärm.\n4. Das Gewitter beruhigt sich nach und nach, die Wolken\nverziehen sich und der Himmel wird heiter.\n5. Die Natur, vor Freude entzückt, erhebt ihre Stimme zum\nHimmel und bringt dem Schöpfer den wärmsten Dank in sanften\nund lieblichen Gesängen.\nGewidmet dem Herrn Abt Vogler, erstem kurfürstlichen Capell-\nmeister von Pfalzbaiern, von J. H. Knecht. Gedruckt und verlegt\nSpeier bei Rath Bossler."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.5", "texte": "in den Effect fehlt. So ist der Schluss, trotz des richtigen\nGefühls, dass ein Dank-Hymnus auf das Gewitter folgen\nmüsse, sehr ärmlich ausgefallen.\"\nJustin Heinrich Knecht hatte sich, wie sein Vater,\ndem Lebrstande gewidmet, aber schon in frühen Jahren\nbedeutende musicalische Anlagen gezeigt, auf welche den\nVater besonders Wieland aufmerksam machte, der da-\nmals Kanzlei-Director in Biberach, einer freien Reichsstadt\n(bis 1803), war und dem jungen Knecht sein Haus\nöffnete. Später wurde dieser, der philologische Studien\ngemacht hatte, Lehrer an der dortigen Hauptschule, je-\ndoch nach kurzer Zeit städtischer Musik-Director und Or-\nganist mit Entbindung von jenem Amte. Sein Leben ver-\nlief sich in kleinen Verhältnissen; den einzigen Zwischen-\nfall bildeten die zwei Jahre, in denen er die Capelimeis-\nterstelle in Stuttgart bekleidete und die Oper und die\nHof Kirchenmusik dirigirte. Er fühlte sich aber in diesen\nVerhältnissen nicht wohl, da er den Intriguen weder\nKraft noch Gleichmuth entgegen zu setzen wusste, und\ntrat wieder in seine frühere Stellung in Biberach zurück,\nwo er am 1. December 1817 starb.\nSeine Thätigkeit als Musiker, namentlich Orgelspieler,\nComponist und Schriftsteller ging ins Fabelhafte, und den-\nnoch darf man ihn in letzterer Beziehung durchaus nicht\nals einen Vielschreiber ansehen, denn von einer überaus\ngrossen Reihe von theoretischen und methodischen Wer-\nken sind besonders diejenigen, die sich auf die Orgel be-\nziehen, noch immer nicht ohne Werth. Schon als Knabe\nvon noch nicht 12 Jahren componirte er zwei Singspiele\nfür das Liebhaber-Theater in Biberach dessen Director\nWieland war. Im Orgelspiel soll er ausser dem Abt\nVogler keinen Nebenbuhler gehabt haben. Er schrieb\nan 9 bis 10 Opern darunter auch eine „Entführung\naus dem Serail\" —, ferner setzte er „Mirjam und De-\nborah\", Text von Klopstock, und 3 bis 4 Gesänge aus\nWieland's „Oberon\" in Musik; von seiner Neigung zur\nProgramm-Musik zeugten seine Sinfonieen „Don Qui-\nxote\" und „Der Tod des Prinzen Leopold von Braun-\nschweig\". Von seinen Kirchensachen dürften ausser\ndem bekannten grossen Choralbuch ein lateinischer\nPsalm Dixit Dominus und ein beides Preis-\nCompositionen (10 und 30 Ducaten. Gerber) und ein\ngrosses Te Deum für 2 Chöre und vollständiges Orches-\nter von 17 Stimmen vielleicht eine Wiederaufnahme\nverdienen.\nAuch Concerte hatte er in seiner Vaterstadt einge-\nrichtet, die nach Gerber im Jahre 1790 noch\nbestanden und bei deren Programmen er sich das Motto\n„Kurz und gut\" zur Richtschnur genommen hatte, denn\nsie brachten regelmässig nur drei Nummern: eine An-\nFangs-Sinfonie (Ouvertüre), ein Intermezzo, eine Schluss-\nSinfonie. Diese wurden gehörig probirt und „gedruckte\nNachrichten davon ausgegeben\", woraus man sieht, dass\nes dem Dirigenten um die Förderung der ästhetischen\nBildung seines Publicums zu thun war.\nNach allem diesem schien es uns keine Raumver-\nschwendung, das Andenken an J. H. Knecht einmal wieder\naufzufrischen.\n\nL. B.\n\nJakob Rauscher †.\nAm 16. November schied Jakob Rauscher, einer\nder vorzüglichsten deutschen Tenorsänger und trefflicher\nGesanglehrer, zu Stuttgart aus dem Leben.\nGeboren auf einem Dorfe bei Wien im Jahre 1800,\nwidmete er sich, Anfangs dem Schulfach, ging aber bald\nzur Bühne über, nachdem er im Jahre 1821 auf dem\nTheater an der Wien seinen ersten dramatischen Versuch\nals Ramiro in Isouard's „Aschenbrödel\" gemacht hatte\nund, danach angestellt, bald der Liebling des Publicums\nwurde. Durch schöne Stimme, gute Schule und hinrei-\nchende Darstellungsgabe hatte er auf mehreren Reisen\nund Gastdarstellungen grossen Erfolg, namentlich 1832\nin Dresden und 1833 in Berlin: er wurde als erster Te-\nnorist in Hannover, alsdann 1840 in derselben Eigen-\nschaft in Stuttgart angestellt. Bis zu seinem Rücktritt im\nJahre 1860 mit Pension hatte er 40 Jahre als Bühnen-\nsänger gewirkt, wovon die letzten 20 Jahre am Hof-\ntheater zu Stuttgart. Als Gesanglehrer an der Theater-\nGesangschule und am Stuttgarter Conservatorium hat er\ndarauf bis an sein Ende eine sehr verdienstliche Thätig-\nkeit entwickelt: von den durch ihn gebildeten Opern-Mit-\ngliedern nennen wir die Damen Baur in Kassel, Deinet\nin München, Reiser, erst seit Kurzem in Mannheim ange-\nstellt und dort sehr geschätzt, die Herren Degele in Dres-\nden, Alb. Jäger in Stuttgart, Lipp in Wiesbaden.\nBei seinem von zahlreicher Theilnahme zeugenden\nBegräbnisse am 18. November nach der Grabrede des Stadt-\npfarrers und den Gesängen eines Männerchors, sprach\nHr. Professor Faisst als Vorstand des Conservatoriums\nund Director des Vereins für classische Kirchenmusik\nfolgende Worte:\n„Am Grabe des verehrten Mannes, dessen irdischer\nHülle wir hieber zu ihrer letzten Ruhestätte gefolgt sind,\nkommt es mir weniger zu, im Allgemeinen die vorzüg-\nlichen Eigenschaften und die erfolgreiche Thätigkeit,\ndurch welche sich der Verewigte als Künstler und als\nMensch ausgezeichnet hat, hervorzuheben. Was er wäh-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.6", "texte": "rend einer künstlerischen Laufbahn von seltener Dauer\nSchönes und Herrliches geleistet bat, wird bei seinen\nZeitgenossen in unserer und vielen anderen Städten des\ndeutschen Vaterlandes unvergessen bleiben und wird der\nNachwelt rühmend überliefert werden; wie viel er seiner\nFamilie, seinen Freunden gewesen, wie er sich in allen\nVerhältnissen seines Lebens als trefflicher Charakter be-\nwährt hat, dafür zeugt die innige Liebe derer, die ihm\nnahe standen, und die allgemeine Hochachtung, welche\ner auch als Mensch in unserer Stadt genoss. Aber ich\nfühle mich gedrungen, im Namen zweier Kunst-Institute\ndem theuren Dahingeschiedenen hier noch einige beson-\ndere Worte der Anerkennung und des Dankes zu weihen.\nDreizehn Jahre lang fand der Verein für classische Kir-\nchenmusik an ihm die treueste, anspruchloseste und wirk-\nsamste Unterstützung seiner künstlerischen Bestrebungen,\nund die grosse Zahl derer, welche in diesem Verein mit ihm zu-\nsammenwirkten, die noch weit grössere Zahl derer, welche\ndort seinem edlen, maassvollen und doch innig ergreifenden\nGesänge lauschen durften, denken gewiss jetzt, da sich sein\nMund für immer geschlossen, wehmuthsvoll mit erneutem\nDanke zurück an denGenuss und die Erhebung, dieer ihnen\nso oft bereitete. Noch viel frischer aber sind die Ver-\ndienste des Verstorbenen um eine künstlerische Bildungs-\nanstalt, in der er bis vor wenigen Wochen gewirkt hatte\nund der er nun in so unerwartet schneller Weise ent-\nrissen ist. Seit nahezu 8 Jahren gehörte er dem Conser-\nvatorium für Musik als Lehrer an und fand hier eine\nStätte, wo er noch lange über die Gränzen hinaus, welche\nseiner öffentlichen Thätigkeit als Sänger von der Natur\ngesteckt waren, seine ausgezeichnete Begabung, seine ge-\ndiegene Bildung und reiche Erfahrung zum Besten der\nKunst verwendete. Und welche Liebe brachte er diesem\nBeruf entgegen, mit welcher Pflichttreue, welch unermüd-\nlichem Eifer, der, wo es Bedürfniss schien, kein Opfer\nan Zeit und Mühe scheute, mit welcher Lebendigkeit und\nFrische war er als Bildner der Jugend noch bis in sein\nspätes Alter thätig! Wie raffteer auch noch in den letzten\nMonaten, da schon der Keim des Todes an seinem Leben\nnagte, mannhaft alle Kraft zusammen, um seinem Berufe\nnicht untreu zu werden! wie ging sein ganzes Streben\ndahin, auch den jungen Talenten, die seiner Führung an-\nvertraut waren, dieselbe gründliche Bildung, dieselbe\nRichtung auf das einfach Edle, Gediegene, Wahre und\nReine in der Kunst zu eigen zu machen, durch welche\ner selbst in seiner Sängerlaufbahn sich vielleicht weniger\nden glänzenden Beifall der grossen Menge, aber um so\nmehr die Bewunderung und Zuneigung aller einsichtigen\nund ernsten Kunstfreunde erworben hatte! Darum wird\nder Verlust dieses Lehrers in unserer Anstalt mit tiefem\nSchmerze empfunden, darum rufen wir ihm den Dank\nderselben ins Grab nach; sein Andenken aber wird unter\nuns, seinen Mitlehrern, denen ihr ältester Amtsgenosse ein\nschönes Vorbild war in treuer Hingabe für seinen beson-\nderen Beruf, wie für die allgemeinen Interessen der An-\nstalt, es wird unter seinen Schülern, die er mit so viel\nLiebe, Eifer und Geschick in die Kunst einführte, ein\nehrenvolles, ein theures, ein gesegnetes bleiben.\"\n\nJohann Nepomuk Vogl †.\nAm 18. Nov. Abends starb diese wahre Dichternatur\nim 64. Lebensjahre. J. N. Vogl war besonders durch\nseine Balladen populär geworden, und er wäre ganz ge-\nwiss berühmter, als er es ist, wenn der Leichtigkeit, mit\nwelcher er producirte, eine schärfere Selbstkritik, als er\nzu üben pflegte, die Wage gehalten hätte. Manche seiner\ntrefflichen Lieder, von ausgezeichneten Musikern compo-\nnirt, leben im Volksmunde fort; Alles in Allem zählte er\nzu den ursprünglichsten der österreichischen Lyriker und\nwar auch sonst mannigfach literarisch thätig. Ein Mann\nvon Geschmack, welcher aus den von ihm erschienenen\nGedichten nach sorgsamer Auswahl ein Bändchen zusam-\nmenzustellen wüsste, würde sich ein wirkliches Verdienst\nerwerben. J. N. Vogl wurde am 2. Februar 1802 zu\nWien geboren, und zwar als Sohn eines geachteten wiener\nBürgers, der lange Jahre die Ehrenstelle eines Vorstehers\nder bürgerlichen Leinwandhändler-Innung bekleidete. In\nseiner Jugend fühlte er grosse Hinneigung zu den bilden-\nden Künsten, aber der Wille seines Vaters stand dieser\nStandeswahl so unabweislich entgegen, dass er die Idee,\nMaler zu werden, aufgeben musste. Er empfand aber\nwenig Lust, der Nachfolger des Vaters in dessen Geschäft\nzu werden, und so kam es, dass Vogl, ein Liebling des im\nHause seines Vaters wohnenden niederösterreichischen\nLandesmarschalles Grafen Cavriani, im 17. Lebensjahre\nin die Dienste der Landslände trat und bis an sein Le-\nbensende in diesen Diensten blieb. Vogl's literarische\nThätigkeit begann, wie die so vieler österreichischen Lite-\nraten, in Hormayr's „Oesterreichischem Archiv\", welchem\nliterarischen Unternehmen er zugleich mit Eduard Duller\nund Johann Scheiger beitrat. Er lieferte Beiträge zur\nGeschichte, Topographie und Statistik des Kaiserthums;\nnebenbei aber floss reich und unaufhaltsam der Lieder-\nquell, der ihn zu einem der fruchtbarsten Liedersänger\nDeutschlands machte. Es wird wenig Lyriker der Neuzeit\ngeben, dessen Lieder so zahlreich in Musik gesetzt wur-\nden, als die Johann Nepomuk Vogl's. Sein „Oesterreichi-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.7", "texte": "sches Wunderhorn\", die „Karthäuser-Nelken\", der „Neue\nLiederfrühling\", „Frauenlob\", „Klänge und Bild er aus\nUngarn\", und ein paar Dutzend andere Liedersammlun-\ngen trugen seinen Namen weit über die österreichischen,\nja, über die deutschen Gränzpfähie hinaus. Viele seiner\nschönsten Balladen wurden in's Französische, Italiänische\nund Englische übersetzt. Ein Mitglied der französischen\nAkademie, Mollerant, lieferte treffliche Uebersetzungen\nnach Vogl, worunter besonders die gelungene Ueber-\ntragung von Vogl's „Leichenfrau\" unter dem Titel\n„L'ensevelisseuse\" zu nennen ist. Von 1842 bis 1848 re-\ndigirte er das österreichische Morgenblatt. Seit jener Zeit\nerschien er immer seltener literarisch thätig.\n(Zelln. 81. f. Th. M.)\n\nAus Aachen.\nDas zweite Abonnements-Concert fiel auf den Gedenktag der\nheiligen Cäcilia, und so Hess sich nicht leicht eine bessere Wahl\ntreffen, als die der Patronin der Tonkunst gewidmete herrliche Ode\nvon Händel und Dryden. Es verdient Erwähnung, dass diese schöne\nComposition, obwohl im Jahre 1739 geschrieben, doch unter den\ndeutschen Städten zuerst in Aachen aufgeführt wurde, und zwar im\nJahre 1856 in unseren Concerten unter der Leitung des Herrn v.\nTuranyi. Die Ausführung des Händei'schen Werkes sowohl, wie die\nvon Mendelssohn's Loreley, verdient alles Lob; man sang mit Liebe\nund Hingebung; nur war der Kampf ein ungleicher zwischen der\nChormasse und der glänzenden Instrumentirung Mozart's und Men-\ndelssohn's.— Die Sopransoli in beiden Werken waren Frau Ruders-\ndorff anvertraut. Diese, seit längerer Zeit berühmte Künstlerin, ist\ndramatische Sängerin im vollen Sinne des Wortes, das zeigte sie\nbei der Auffassung der Loreley, die uns auch den deutlichsten Be-\nweis gab von dem, was sie als Sängerin gewesen sein muss, ehe\nihre Mittel durch die Ausartungen des dramatischen Gesanges ge-\ntrübt waren, denn, wie sich leicht begreifen lässt, hat das Metall\nder Stimme durch Ueberreizung gelitten, und müssen daher die\nSeelenzustände in zu starken Umrissen wiedergegeben werden. Man\nkonnte mit Recht in der Loreley sowohl, wie in der Ode und na-\nmentlich im Schlusschor, worin der Sopran den übrigen Stimmen\nohne Begleitung strophenweise voranschreitet, etwas Outrirtes, Her-\nausforderndes in dem Gesang der Frau Rudersdorff finden, doch darf\nman nicht ausser Augen lassen, dass es zuweilen schwierig für eine\nSängerin ist, die tief empfindet, was sie vorträgt, sich nicht über\ndie Gränzen des Schönen hinreissen zu lassen; die Leidenschaft\nschreitet nicht über blühende Wiesen; sie stürzt sich in den Kampf\nder Elemente. Die schönste Wirkung brachte die Sängerin unstreitig\nin der Flöten-Arie der Ode hervor, die Verzierungen, die Triller,\ndas schöne Mezzavoce, die Weichheit, welche sie in die ergreifende\nLiebesklage hineinlegt, zeugen von einer tiefen musicalischen Bil-\ndung. Weniger befriedigte die Arie mit Orgel und die mit Cello, in\nwelcher Herr Johann Wenigmann alle Ehren davontrug. Herr\nGöbbels, dem eine sehr schwierige Aufgabe geworden war, löste\nsie als gewandter Sänger. Frau Johnson-Graever war bei uns\neine neue Erscheinung und zeigte sich als Concertspielerin ersten Ranges.\nIn dem Concerte von Hummel bewunderten wir bei ihr die Eleganz, die\nGlätte und Correctheit, die Egalität der Läufe und perlende Deut-\nlichkeit der Figuren, welche die Schule dieses Meisters charakterisiren,\n• '\nund in der Polonaise von Chopin zeigte sie eine Kraft, wie sie na-\nmentlich in der linken Hand bei Frauen selten ist, eine überra-\nschende technische Virtuosität und grosse Tiefe der Empfindung.\nDie niederländische Künstlerin erwarb sich grossen und gerechten\nErfolg bei uns, der ihr nirgend fehlen wird; weil sie sich ihrer\nKunst mit Begeisterung hingibt.\n\nAus Wiesbaden.\n\nDen 29. November 1866.\nDie Sommer-Saison ist diesmal vorüber gegangen, ohne uns\ndie frühere Anzahl von Virtuosen-Concerten zu bringen. Waren\ndoch die Gebrüder Thern die einzigen, die trotz den Kriegsereig-\nnissen durch ihr mehrmaliges und stets mit dem grössten Beifall be-\ngleitetes Auftreten hier und in den Nachbarstädten Mainz und\nFrankfurt von sich reden machten. Um so glänzender hat sich je-\ndoch die Winter-Saison angelassen, denn wir haben, ausser der er-\nsten der alljährigen Quartett-Soireen des Herrn Baldencoker und\nGenossen am 22. d. Mts. das erste Sinfonie-Concert im Theater\nund am 26. das erste Vereins-Concert des Cäcilien-Vereins\nim Cursaale gehabt. Für die Sinfonie-Concerte, welche im vorigen\nJahre von unserem verdienstvollen Capellmeister Jahn ins Leben\ngerufen wurden, war man Anfangs sehr besorgt, weil die Sache\nwegen des Mangels an den noth wendigen Musicalien grössere\nSchwierigkeiten bietet, als es für das Publicum wenigstens den An-\nschein hat. Doch von derselben Stelle aus, welche die Zukunft\nunserer Theater sicher gestellt hat, ist auch dafür gesorgt worden,\ndass jene im Hinblick auf die Virtuosen-Concerte des Sommers uns\nso nothwendigen Sinfonie-Concerte des Winters uns erhalten blei-\nben. Auch diese gehen nämlich von der Intendantur der Königl.\nSchauspiele aus, welchen Namen jetzt das frühere herzogliche\nTheater hier führt. Zur Aufführung kamen: Bach's berühmte Pas-\nsacaglia, unlängst erst von unserem wackeren Orgelvirtuosen Wald\nin einem Orgel-Concerte vorgetragen und jetzt in der imposanten\norchestralen Bearbeitung von Esser. Dann, ausser den beiden\nVocalwerken (Arie aus Händel's Rinaldo und Ständchen für 5\nFrauenstimmen von Fr. Schubert) die höchst charakteristische Ou-\nvertüre zu Ali Baba von Cherubini und das Vorspiel zu Wagner's\nneuer Oper „Die Meistersänger\", ein Werk, welches zwar ebenfalls\nüber die Gränzlinie des wahrhaft Schönen vielfach hinaus geht,\naber immerhin interessant zu nennen ist, wegen der geistvollen con-\ntrapunktlschen Verknüpfung der verschiedenen Thema's am Schlüsse.\nDen grössten Contrast hierzu bildete die nun folgende G-dur-Sin-\nfonie (Op. 56) von Haydn, von welcher jeder einzelne Satz vom\nPublicum mit enthusiastischem Beifall aufgenommen wurde. Die\nAufführung überhaupt war, wie sich von unserem vortreffli-\nchen Orchester unter Jahn's Leitung erwarten liess, eine durch-\nweg vollendete. Das Concert des Cäcilien-Vereins brachte\nuns den ersten Theil der Matthäus-Passion von Bach, Mirjams Sie-\ngesgesang von Schubert, prachtvoll instrumentirt von van Eyken,\nund Mendelssohn's 114. Psalm. Die Aufführung dieser grossartigen\nTonwerke hat dem Vereine und namentlich seinem strebsamen und\ntalentvollen Dirigenten Herrn Wilhelm Freudenberg alle Ehre\ngemacht. Obwohl der Wiesbadener Curhaussaal für die Bach'sche Pas-\nsionsmusik gewiss ein sehr ungeeignetes Local ist, so vermochte\ndoch die würdevolle Aufführung das ganze Auditorium in eine an-\ndachtsvolle Stimmung zu versetzen, und dem stillen Beobachter\nkonnte die Wahrnehmung nicht entgehen, welche Wandlung selbst\nin diesen, der Freude und den sinnlichen Klangeffecten gewidmeten\nRäumen eine Bach'sche Passionsmusik hervorbringen kann. Möge\nder Verein, welcher so lange Jahre hindurch bei der misslichen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661201-01.1.8", "texte": "Lage der Verhältnisse nur Mittelmässiges leisten konnte, durch den\nunter seinem neuen und ihm ausschliesslich angehörenden Diri-\ngenten erzielten Erfolg die entsprechende Aufmunterung erhalten,\num auf dem betretenen Wege weiter vorwärts schreiten zu können.\nDenn als Gegengewicht für den Sommer brauchen wir viel gute\nMusik im Winter.\n\nS.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nx.\nKussel» Am 20. November eröffneten die Mitglieder des\nkönigl. Theater-Orchesters ihre Abonnements-Concerte unter\nder Direction des Herrn Capellmeisters Reiss mit folgendem Pro-\ngramm: 1. Ouvertüre zu der Oper „der Alchymist\" von Spohr;\n2. Arie aus „Ezio\" von Gluck (Frau Hempel-Kristinus); 3. Con-\ncertin H-moll von Hummel (Frau Johnson-Graever); 4. Lieder;\n5. Polonaise in E-mo II mit Orchester von Chopin (Frau Graever);\n6. von Beethoven. Frau Graever errang einen\nglänzenden Erfolg, den begeisterter Applaus und Hervorruf bekundete.\nZofingen« Unsere diesjährigen Winter-Concerte wurden\nam 26. October eröffnet durch ein Concert von Alf. Jaell. Acht Tage\ndarauf, den 2. November, concertirten bei überfülltem Saale die\nHerren Joachim und Brahms. Den 21. November besuchte\nuns auf einer Reise Herr Organist Vogt aus Freiburg und erfreute\ndas Publicum durch einige Orgel-Vorträge. Die Orgel hier, mit 38\nbiegenden Stimmen, 4 Nebenzügen und 2 Schwellern, 3 Manualen\nund Pedal, wurde vor 19 Jahren (1847 im October) vom Orgelbauer\nFr. Haas erbaut, und von den Herren Organisten Vogt, Mendel\n(Organist an der Münsterkirche in Bern) und Pater Nägeli (Organist\nan der Immhoofkirche in Luzern) als Experten zur Abnahme\ngeprüft.\nHerr Vogt, der das Werk seitdem nicht mehr gesehen und ge-\nspielt hatte, fand es bis in die feinsten Theile aufs beste erhalten.\nEs kann den besten an die Seite gestellt werden. Den 2. De-\ncember findet das 1. Abonnements-Concert Statt. Es sollen u. A.\nzur Aufführung kommen: Ouvertüre zum Drama „Rosamunde\" von\nFr. Schubert; zu „Idomeneo\" von Mozart; Chöre aus derselben\nOper; 4stimmige Gesänge von Mendelssohn; als Solo-Vorträge u.\nA. für Piano: Concertstück Op. 79 von C. M. v. Weber; „Fan-\ntaisie-Imprompte Op. 66 von Frd. Chopin; und Concert-Etude\nOp. 61 von Ch. Meyer, vorgetragen von Frau Dr. Willener, am Con-\nservatorium der Musik in München gebildet.\nDas 2. Abonnements-Concert ist auf den 25. December (Pro-\ngramm: Suite in D-dur für Orchester von J. S. Bach u. A.),\ndas 3. Ende Januar und das 4. Anfang März festgesetzt; und am\nCharfreitag findet, wie jedes Jahr üblich3 eine dem Tage entsprechende\nMusik-Aufführung in der Kirche Statt."}]}