{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-12-08-01", "volume": "bmtnabi_1866-12-08_01", "ocr_sha256": "b64138f171b70f13c82c3d07b6408953f70185fa990ad5635b8effe7310ca186", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/12/08_01/bmtnabi_1866-12-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "385", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 469, "texte": "Inhalt.\nAdrian Franz Servais (Nekrolog). Aus Braunschweig (zweites und drittes Concert. Lachner's Suite Nr. III).\nAus Aachen (Stiftungsfest des Männer-Gesangvereins „Concordia\"). Aus Bremen (Reinthaler's Oratorium „Jephtha\"). Die Mozart-\nStiftung in Frankfurt a. M. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, erste\nSoiree, Musik-Abend im Conservatorium, Soiree von Frau Madeleine Johnsohn-Gräver. Frankfurt a. 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Dieser Krankheit ist er am 27.\nNovember, Morgens 9 Uhr, in seiner Vaterstadt Hai er-\nlegen, in dem schönen Landhause, das ersieh dort, wohin\ner immer wieder zurückkehrte, hatte bauen lassen.\nAdrian Franz Servais war zu Hai, einem klei-\nnen Städtchen drei Stunden von Brüssel, am 7, Juni\n1807 geboren. Sein Vater, der als Musiker bei der dor-\ntigen Kirche angestellt war, ertheilte ihm den ersten Un-\nterricht auf der Violine und in der Musik überhaupt. Der\nMarquis von Sayve, ein ausgezeichneter Dilettant, der auf\neinem Gute in der Nähe wohnte, entdeckte zuerst die her-\nvorragenden Anlagen des jungen Servais, nahm sich seiner\nweiteren Erziehung an und übergab ihn einem guten\nLehrer, Namens von der Plancken, dem ersten Violinisten\nam Theater zu Brüssel. Seinen wahren Beruf fand der\njunge Musiker aber in sich selbst erst, nachdem er zufäl-\nlig einmal den Violoncellisten Platel*) ein Solo vortragen\nhörte. Von diesem Augenblick an gab er die Violine auf\nund widmete sich mit voller Liebe dem Violoncell. Als\nSchüler des Conservatoriums entwickelte er sich unter\nPlatel's Leitung so schnell, dass er schon im ersten Jahre\nalle Mitschüler übertraf und den ersten Preis erhielt. Bald\ndarauf wurde er Repetitor von Platel's Classe und trat in\ndas Theaterorchester ein, wo er 3 Jahre lang blieb und\nsein Spiel jeden Tag vervollkommnete, ohne jedoch die\nöffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, weil in\njener Zeit überhaupt noch kein lebhafter Sinn für Musik\nin Brüssel herrschte. Desswegen ging eraufF&is' Rath und\nmit dessen Empfehlungen nach Paris; dort spielte er in Con-\ncerten mit grossem Erfolg und wurde von der Kritik\nschon damals in die Reihe der ersten Violoncellisten ge-\nstellt, obwohl er noch nicht die ungeheure technische\nVirtuosität besass, die er sich nachher zu eigen machte.\nIm Jahre 1834 ging er nach London, wo er in den\nphilharmonischen Concerten spielte. Hierauf kehrte er\nnach Belgien zurück und widmete sich zwei Jahre lang\nden andauerndsten Studien, durch welche er sich ganz\nneue Bahnen im Mechanismus des Spiels eröffnete. Es\nwar dieses vorzüglich die Epoche, in welcher sein Talent\neinen Glanz und eine Kühnheit in den schwierigsten Pas-\nsagen erreichte, worin ihm Niemand gleich gekommen\nist. Auch seine ersten Compositionen rühren aus dieser\nZeit her: sie zeichneten sich besonders durch die neuen\nSchwierigkeiten aus, die sich Servais zur Aufgabe gestellt\nhatte und selbst glücklich löste.\nIm Jahre 1836 ging er wieder nach Paris, gab\nmehrere Concerte und machte im folgenden Jahre, 1837,\neine Kunstreise durch Holland, welche seinen Ruf auf\neine Höhe brachte, wie er sie bisher noch nicht erreicht\nhatte, da nun auch die deutschen kritischen Blätter von\nseinen Triumphen Notiz nahmen und seinen Ruhm beson-\nders im Norden verbreiteten. Nach einer kurzen Ruhe in\nder Heimath, die er immer wieder zu neuen Studien und\nErfindungen in der Technik des Spiels benutzte, trat er\n1839 über Lübeck und Riga seine erste Reise nach Pe-\ntersburg an. Hier erreichte die Begeisterung für ihn eine\nfabelhafte Höhe. Im Monat April 1840 kam er, wie\n\n*) Nicol. Joseph Platel starb 1835 zu Brüssel als Professor der\nVioloncell-Classe am Conservatorium. Ausser Servais sind auch\nBatta und Demunck seine Schüler."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3793, "texte": "immer, nach seiner Vaterstadt zurück und liess sich nun\nauch in Brüssel hören, ebenso in Antwerpen und Spa.\nIm Februar 1841 ging er zum zweiten Male nach\nRussland, spielte in Petersburg und Moskau und machte\ndie Rückreise über Warschau, Prag und Wien. Ueber-\nall erregte er durch seine staunenswerthen Leistungen\nEnthusiasmus, und es war von nun an unmöglich, ihm\nden Rang des ersten Violoncellspielers in Europa streitig zu\nmachen. 1843 bereiste er zum zweiten Male Holland\nund im folgenden Jahre machte er seine erste grosse\nKunstreise durch Deutschland, wo er überall, namentlich\nin Berlin, Hamburg, Leipzig u. s. w. mit dem grössten\nErfolg auftrat. Darauf besuchte er zum dritten Male Russ-\nland und dehnte seine Reise jetzt bis in die äussersten\nasiatischen Provinzen aus.\nEinen der glänzendsten Erfolge hatte er 1847 wie-\nderum in Paris. Dann besuchte er Dänemark, Schweden\nund Norwegen; hierauf die rheinischen Städte, wohin er\nzu wiederholten Maien eingeladen wurde, und die grösse-\nren Städte von Frankreich. Im Jahre 1848 wurde er\nzum Professor am Conservatorium in Brüssel, wo er\nmehrere treffliche Schüler gebildet hat, zum Solospieler\ndes Königs der Belgier und zum Ritter des Leopold-Ordens\nernannt: ausserdem war er Ritter der Eichenen Krone, des\nSächsisch-Ernestinischen Verdienstordens unddesDanebrog.\nServais hatte sich in Petersburg im Jahre 1842 ver-\nheirathet: er hinterlässt zwei Söhne, Franz und Joseph,\nvon denen der eine sein Schüler auf dem Violoncellist,\nund eine verheirathete Tochter.\nDas Leichenbegängniss fand am 29. November Mor-\ngens in Hai Statt und war eine wahrhaft erhebende Feier.\nDie ganze Bevölkerung der Stadt, alle künstlerischen und\nliterarischen Notabilitäten und administrativen Behörden\nder Kunstanstalten von Brüssel bildeten den Zug und be-\nzeugten die grosse Theilnahme, die man dem Menschen,\nund die würdige Ehre, die man dem Künstler und mit\nihm der Tonkunst erwies. An allen Häusern, den präch-\ntigen Landsitzen wie den bescheidensten Wohnungen,\nwaren die Fensterläden geschlossen und die Häuser mit\nschwarzen Fahnen und anderen Trauerzeichen geziert.\nDie verschiedenen Vereine von Hai mit umflorten Fahnen\neröffneten den Zug: den Sarg trugen vom Sterbehause\nbis zur Grabstätte Freunde aus der Stadt, die Zipfel und\nQuasten des Leichentuchs hielten zehn Notabein, unter\nihnen von Behörden der Bürgermeister von Hai, der Ge-\nneral-Major Goethals, Adjutant des Königs, von Künstlern\nF&is, Leonard, Kufferath u. A. aus Brüssel. Auf dem\nSarge lagen auf schwarzsammtnen Kissen die Ordenszei-\nchen des Verblichenen und ein Lorberkranz von gedie-\ngenem Golde, auf dessen Blättern die Namen der Geber\neingegraben sind, welche dem Künstler bei seiner ersten\nrussischen Kunstreise diese Ehrengabe dargebracht haben,\nüber dem Kranz sein Violoncell-Bogen. Vier der jüng-\nsten Schüler desselben trugen sein mit Flor umhängtes\nVioloncell. Eine zahllose Menge folgte, denn Servais war\nvon allen Mitbürgern hoch geachtet und geliebt und war\nein Vater der Armen.\nAm Grabe wurden sechs Reden gehalten. Die Rede\nvon Fetis erkannte am Schlüsse vor Allem auch den guten\nund einfachen Charakter des Verblichenen an, wie er ihn\nin allen geselligen Verhältnissen offenbart hatte. „Seine\nMitbürger\" —sagte er „wissen, wie er, so oft er von\nseinen langen und ruhmvollen Reisen zurück kam, die\nganze frühere Herzensgüte und die alte Liebe und Zu-\nneigung zu den Freunden und Genossen seiner Jugend\nwieder mit brachte. Er vergass unter ihnen die Auszeich-\nnungen an den glänzenden Höfen der Fürsten und die\nOvationen der Bevölkerungen, die zu seinen Concerten\nströmten. Sie wissen das Alle, meine Herren; Sie fühlen\ndie Wahrheit dieser Worte so tief, dass in der übergrossen\nMenge, welche seine letzte Ruhestätte umsteht, kein Herz\nungerührt, kein Auge trocken bleibt.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "386", "page_fin": "388", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.2.3", "titre_corps": "Aus Braunschweig.", "titre_sommaire": "Aus Braunschweig.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.2", "debut_caractere": 3795, "fin_caractere_exclue": 4968, "texte": "Aus Braunschweig.\n(Zweites und drittes Concert. Lachner's Suite Nr. III.)\nDen 1. December 1866.\nDas zweite Concert des Vereins für Concertmusik\nbrachte ein reiches, vielleicht allzureiches Programm, da\nes eiif Nummern enthielt, wenn auch die meisten dersel-\nben vortreffliche Musikstücke waren, am hervorragend-\nsten unter ihnen: Beethoven's Trio Op. 97 für\nPianoforte, Violine und Violoncell und F. Schubert's\nTrio Op. 100 in Es-dur. Die Ausführung der beiden so\nherrlichen Compositionen liess im Ensemble viel zu wün-\nschen übrig. Von den drei Gästen aus Leipzig konnten\nnur Frl. Hauffe und Herr Grabau (Violoncellist) ge-\nnügen, während wir in den Erwartungen, welche wir\nvon dem Herrn Concertmeister Dreyschock hegten,\ndurchaus getäuscht wurden. Frl. Hauffeist eine Ciavier-\nspielerin mit grosser, ausserordentlich sicherer Technik\nund schöner Auffassung; wir glauben annehmen zu kön-\nnen, dass das Classische ihr eigentliches Feld ist, worauf\nsie sich mit Vorliebe, aber auch mit Sicherheit bewegt,\nda nicht allein die beiden Trios, sondern auch die serieu-\nsen Variationen von Mendelssohn in vollendeter künstle-\nrischer Weise von ihr zur Geltung gebracht wurden. Die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5428, "texte": "Künstlerin erwarb sich die volle Anerkennung des Publi-\ncuras. Während wir in Herrn Grabau einen Cellisten\nmit vollem, schönen Ton kennen lernten, der sich mit\ngrosser Gewandtheit in den Trios der Ciavierstimme in\njeder Beziehung anschloss, war bei der Violine von allem\ndiesem nichts zu merken. Kleiner, wirkungsloser Ton,\nUnsicherheit nicht allein in schwierigen Partieen, sondern\nsogar in vielen Einsätzen. Selbst der Vortrag der Sonate\n(G-moll)von Tartini erhob sich nicht über das Gewöhn-\nliche, obgleich es das Beste war, was wir von dem Vio-\nlinspieler an dem Abende zu hören bekamen. In die\nGesangsvorträge hatte sich Frl. Himmelmann mit Hrn.\nHofopernsänger Weiss getheilt.\nDas dritte Vereinsconcert am 25. November wurde\nwieder von der königlichen Capelle aus Hannover ausge-\nführt und enthielt in seinem Programme ausser zwei Ou-\nvertüren von Weber (Euryanthe) und von Beethoven\n(Coriolan) und einigen Ciaviersachen, auch die Suite\n(Nr. 3) von Franz Lachner, eine interessante Compo-\nsition. Der neuesten Zeit war es vorbehalten, zur alten\nüberlebten Form der Suite zurück zu greifen, und wir\nsehen von jetzt lebenden Componisten, wie Raff, Esser,\nBargiel und Lachner, dergleichen Werke wieder edirt.\nDie Suiten der genannten Componisten sind freilich in so\nfern von der älteren verschieden, dass sie die erste Haupt-\nbedingung, die gleiche Tonart für sämmtliche Sätze,\nnicht befolgen, und dass sie statt der Tänze, wenn auch\nmit Beibehaltung der Tanztitel, sinfonische Sätze in\nthematischer und contrapunktischer Bearbeitung enthal-\nten; dadurch ist, wenn auch zuweilen der Charakter der\nalten Tänze im Auge behalten wird, doch das Wesen\nderselben ein anderes geworden, aber, was eben die\nHauptsache bleibt, der innere Zusammenhang, die\neinheitliche Idee, welche durch die Sinfonie so schön\nzu erreichen steht, gebt ihnen vollständig ab, dadurch\nbleiben es wiederum nur Suiten und können auf den Na-\nmen Sinfonie keinen Anspruch machen. Wesshalb greifen\nnun aber die neuen Componisten nach der alten Form?\nDiese Frage möchte für den, welcher die Entwicklung\nder Musik in unseren Tagen mit offenen und unparteii-\nschen Augen verfolgt hat, nicht schwer zu beantworten\nsein. Seit Mendelssohn und Schumann, den letzten der\nhervorragendsten Sinfonie-Componisten, bat sich kein eben-\nbürtiges Talent wieder gezeigt, für Talente zweiten und\ndritten Ranges ist es aber eine schwere, wenn nicht un-\nmögliche Aufgabe, auf dem Gebiete der Sinfonie wirk-\nlich Neues, oder auch nur einiger Massen Bedeutsames\nzu schaffen. Ob das Nichtzuerreichende zum Bewusstsein\nkommt, ob es eingestanden wird oder nicht, ist gleichgül-\ntig, wir bemerken nur eine gewisse Eitelkeit oder, als ein\nZug unserer Zeit, eine Sucht, durchaus etwas Anderes zu\nbringen, als die Vorgänger, oder sich über dieselben zu\nerheben. Daher auf der einen Seite das Zurückgreifen\nnach früheren Formen, oder, wo die Zügellosigkeit zum\nPrincip geworden ist, Sätze in grösster Ungebundenheit\n„sinfonische Dichtungen\" zu nennen, wie Liszt es ge-\nthan. Dass nun von einem Componisten wie Franz Lach-\nner in dem Genre der Suite auch Hervorragendes geleistet\nwerden kann, wollen wir durchaus nicht bestreiten, aber\nwir möchten an das Urtheil der Zuhörer appelliren, und\ndieselben fragen: ob sie nach dem Anhören der zu Gehör\ngebrachten Suite denselben befriedigenden Eindruck ge-\nhabt haben, wienach der Aufführung einer guten Sinfonie?\nDie Einheit in der Stimmung, die vollendete Abrundung,\ndas vollständigste Erschöpfen der zum Grunde liegenden\nIdee, wie solches in einer Sinfonie mit ihren vier Sätzen\nmöglich ist, kann nimmermehr in einer Suite erreicht\nwerden, und wenn dieselbe auch so interessant ist, wie die\nLachner'sche. Ist nun nach dem, was wir bis jetzt voraus-\ngeschickt haben, unsere Stellung zur Suite nicht zweifel-\nhaft, vermögen wir in der Wiederaufnahme dieser Form\nauch keinen Fortschritt zu erkennen, so kann dies eine\ngerechte Würdigung oder Anerkennung durchaus nicht\nausschliessen. Wir haben die Lachner'sche Suite schon\nals eine interessante Composition bezeichnet, und von dieser\nSeite betrachtet, ist sie der Beachtung werth, denn sie\nenthält in ihren 6 Nummern grösstentheils ein schwung-\nvolles Tonleben, namentlich waren es die vier letzten der-\nselben, die sich mit Recht eines ziemlich grossen Beifalls\nvon den ausserordentlich aufmerksam folgenden Zuhörern\nzu erfreuen hatten. Der erste Satz, ein Präludium aus\nF-moll, erinnert in seinem Hauptthema sowohl, wie in\nder Art und Weise der thematischen Durcharbeitung an\nden alten Stil, in Beziehung auf die Totalwirkung wird\ndieselbe durch die grosse Ausdehnung beeinträchtigt.\nVon dem folgenden Intermezzo, welches auch noch kein\nbedeutendes Thema aufzuweisen hat, erhielten wir den\nEindruck eines niedlich klingenden Musikstückes, welches\nweiter keinen Anspruch macht. Charakter ist eigentlich\nnicht viel darin, das hat der Componist jedenfalls auch ge-\nfühlt und desshalb diese Nummer mit Intermezzo be-\nzeichnet; da kann sich ein Jeder nun vorstellen, was er\nwill. Etwas ganz Anderes ist es mit den folgenden Sätzen,\nwelche den Titel von einigen der oben erwähnten Tänze\ntragen, deren Charakter auch wohl im grossen Ganzen\ngetroffen ist. Die Ciaconne (Nr 3, ein Andante\nmit einfachem, aber streng innegehaltenem Rhythmus,\nlässt in den Zwischensätzen mancherlei Veränderungen\nzu, welche Eigentümlichkeit vom Componisten zu wirk-\nsamen und brillanten Variationen für Flöte, Clarinette,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3480, "texte": "Violine, Horn und schliesslich noch für zwei Violinen ausge-\nnutzt ist, nachdem die Celli das Thema eingeführt haben.\nNr. 4 ist eine Sarabande aus F-moll. Als spanischer Na-\ntionaltanz im 3/4-Tact soll sie vorzugsweise die feine\nGrazie repräsentiren, desshalb nennt sie auch Shakespeare\nin „Viel Lärm um nichts\" (Act 2, Scene 1) „manierlich,\nsittsam, voll von altfränkischer Feierlichkeit\". Wir ge-\nstehen, dass wir einen solchen Eindruck vollständig von\ndieser Sarabande erhalten haben, und zwar nicht bloss\nin dem graziösen Thema, welches mit den Flöten, Clari-\nnetten und Fagotten in Terzen unter pisz. Begleitung\ndes Streichquartetts eingeführt wird, sondern auch in\nder späteren Durchführung, zu welcher noch ein zweites\nThema, das in kräftiger Gestalt in dem Quartette auftritt,\nwirkungsvoll benutzt wird. Die Gavotte (Nr. 5,\nhat ein lebhaftes und gefälliges Thema mit einem Gegen-\nthema aus Gis-molltwelches zuerst in den Bässen im\nerscheint und dann sogar canonisch behandelt wird. Das\nStück ist nicht sehr lang, macht aber hinsichtlich der\nKlangwirkung einen ähnlichen befriedigenden Eindruck\nwie Nr. 2. Von grösserer Ausdehnung und schöner\nDurchführung ist die letzte Nummer, die Courante in\nmott mit dem schnell dahineilenden Thema, welches nach\nkräftigen, einleitenden Accorden zuerst von den Violinen\naufgenommen wird. Einen eigentümlichen, aber doch sehr\nschönen Eindruck macht das zweite Thema, welches in\nden Holz-Blasinstrumenten, unter obligater Begleitung\nder Celli in abgestossenen Achtelnoten, zuerst in der ver-\nwandten Tonart As-dur einsetzt; die schöne Wirkung\ndesselben bleibt auch in der späteren Verwendung in an-\nderen Tonarten, wo es sogar zu verschiedenen Steigerun-\ngen benutzt wird. Eine kurze Coda, allerdings in Figur\nund Instrumentirung nicht gerade neu zu nennen; schliesst\ndas Stück kräftig in F-dur ab, nachdem der Verlauf der\nCourante sich nach dieser Tonart hingewendet hat. Den\nTotaieindruck des Werkes können wir nicht anders als\neinen günstigen nennen, ein gut Theil davon kommt aller-\ndings auf die in allen Einzelheiten vorzügliche Vorführung\ndurch die hannover'sche Capelle, welche das Werk unter\nder Direction des Capellmeisters Fischer gründlich studirt\nhat, und da musste es sich von selbst verstehen, dass alle\norchestralen Feinheiten ihr volles Recht erhielten. Beson-\nders hervorzuheben sind noch die Solovorträge in der\nCiaconne, deren wir schon oben gedacht haben. Dieselben\nwurden mit grosser Virtuosität und mit ausserordentlich\nschönem Tone von jedem der genannten Instrumente aus-\ngeführt begeisterter Beifall erfolgte nach dieser Nummer.\nMit demselben Fleisse, und fügen wir noch hinzu, mit\nderselben Pietät, waren auch die Vorträge der beiden\nOuvertüren von Weber und Beethoven studirt, sie wur-\nden in vollkommen gleichem Maasse vortrefflich gespielt,\nsowohl die glanzvolle Euryanthen-Ouverture wie auch die\ntief ernste zu Coriolan. Frl. Marstrand aus Hannover\nspielte das selten zu Gehör kommende Allegro giojoso aus\nH-moll von Mendelssohn mit Orchester. Auffassung und\nVortrag standen im besten Einklänge, und unter der unge-\nmein discreten Orchesterbegleitung konnte die Pianistin\nihre Vorzüge, welche ihr durch einen leichten und schö-\nnen Anschlag zu Gebote stehen, geltend machen. So\nkonnte es auch nicht fehlen, dass das „Impromptu\"\n(As-dur) von Chopin und der „Walzer\" von Schubert\n(A-moll aus den Soirees de Vienne von in höchst\ngelungener Weise ausgeführt wurden. Der Beifall steigerte\nsich bis zum Hervorruf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "388", "page_fin": "389", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.2.4", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.4", "debut_caractere": 3482, "fin_caractere_exclue": 5261, "texte": "Aus Aachen.\nDen 5. December 1866.\nDer Männer-Gesangverein „Concordia\" unter Lei-\ntung des Herrn F. C. Ackens hat seit einigen Jahren\nbegonnen, sein Stiftungsfest alljährlich durch ein grosses\nConcert mit Zuziehung des Orchesters und fremder\nKünstler zu feiern, und nach der Art, wie dies bisher ge-\nschehen, haben die zuhörenden Mitglieder des Vereins\nund das Publicum überhaupt alle Ursache, dem Vor-\nstande für die Veranstaltung dieser Concerte dankbar\nzu sein*).\nSo beging denn auch in diesem Jahre die „Concordia\"\nam 29. November die Feier ihres siebenundzwanzigsten\nStiftungsfestes wieder durch ein grosses Concert. Ein\ngrossartiges Auditorium wohl über 1000 Personen\nzählend hatte sich im grossen Kurhaussaale eingefun-\nden, um den musicalischen Genüssen zu lauschen. Die\nschwungvolle Ouvertüre zu Rosamunde von F. Schubert\neröffnete den Abend, und nach derselben traten die bei-\n\n*) Ueber die Concerte zur 25jährigen Jubelfeier des Vereins\nvergl. Niederrheinische Musik-Zeitung, 1864, Nr. 48. Die\n„Concordia\" macht sich auch in der Beziehung, dass sie die Auf-\nführung grösserer Werke für Männergesang mit Orchester veran-\nstaltet, um die Kunst verdient, welche von vielen ähnlichen Ver-\neinen keineswegs als Hauptsache und Hauptzweck betrachtet wird.\nEs ist auffallend, dass jetzt, wo gute und effectvolle Compositionen\nfür Männerchor mit Orchester erschienen sind und fortwährend er-\nscheinen mit Namen wie F. Hiller, Wüllner, Max Bruch,\nJ. Brambach, Tschirch u. s. w. —, so manche Gesangvereine\ndavon nur geringen oder gar keinen Gebrauch machen. Da dem\nnun also ist, so sehen wir nicht ein, warum solchen Compositionen\nnicht auch in den Programmen der regelmässigen Abonnements-Con-\ncerte der Winterzeit dann und wann eine Stelle einzuräumen sein\ndürfte. Dießedaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3955, "texte": "den kunstbegabten Schwestern Friese auf, welche\nSeitens der festgebenden Gesellschaft für das Concert\ngewonnen waren.\nFräulein Francisca spielte auf ihrem herrlichen,\nvor Kurzem aus der berühmten Sammlung unseres sei.\nHerrn van Houtem erworbenen Guarnerius das Violin-\nConcert in A-moll von Viotti mit seltener Fertigkeit und\nfeinstem Geschmack, und erwarb sich namentlich durch\nden seelenvollen Vortrag des Adagio die lebhaftesten\nSympathieen, wohingegen es uns schien, dass die im 1.\nund 2. Satze eingelegten, von David in Leipzig compo-\nnirten und sehr complicirten Gadenzen etwas zu lang aus-\ngesponnen waren. Fräulein Ottilie, die Pianistin, er-\nfreute die Zuhörer durch das prächtige, hier lange nicht\ngehörte Concertstück in F-moll von C. M. von Weber und\nlöste ihre Aufgabe mit eben so grosser Bravour. Nach-\nher spielten die beiden jugendlichen Künstlerinnen noch\nzusammen: eine Gavatine von Raff, Pensee fugitive von\nSt. Heller und Ernst, und die Reverie von Ernst,\nund zwar alles unter dem rauschendsten Beifall des Pu-\nblicums, welches die jungen Damen förmlich liebgewonnen\nhatte und sich an ihren, vom Hauche weiblicher Poesie\ndurchwehten Leistungen wahrhaft entzückte.\nZwischen jenen Instrumental-Solovorträgen hörten\nwir: „Gesang der heiligen drei Könige\", für 3 Solostimmen\nund Orchester von Max Bruch, die Solostimmen vorge-\ntragen von 2 Mitgliedern der Concordia: Herren Goeb\nund Hermans, und Herrn Krolop vom Stadt-Theater\nin Köln. Es ist dies ein edel gehaltenes und namentlich\nin der Orchester-Figuration reich ausgearbeitetes Stück,\nwelches den anwesenden Musikern vieles Interesse bot, je-\ndoch vom grossen Publicum öfter gehört werden muss,\num völlig aufgefasst und goutirt zu werden. Es wurde\ntrefflich und mit vielem Ausdruck zu Gehör gebracht.\nFerner „Salamis, Siegesgesang der Griechen\", Text\nvon H. Lingg, für Männerchor und Orchester compo-\nnirt von Friedr. Gernsheim, Manuscript, unter Lei-\ntung des Componisten. Dieses ist ein frisches charakte-\nristisches und schwungreiches Werk, das seinen Autor\nlobt, und wie deren der Männergesang noch viele gebrau-\nchen kann, statt der Menge faden Zeuges, womit er heut-\nzutage überschwemmt wird. Es wurde aber auch von dem\ncirca lOOstimmigen Chor der Concordia, dem ein gewal-\ntiges Orchester gegenüber stand, aufs prächtigste ausge-\nführt, so dass das Auditorium wahrhaft hingerissen war,\nund der Componist der mit reichem Beifall empfan-\ngen und entlassen wurde —, wie es schien, nicht minder.\nDas Werk kann man den Vereinen empfehlen; es ist ein\nwürdiges Gegenstück zu Bruch's Römischem Triumph-\nGesang.\nDas Haupt-Vocalwerk des Abends war Wilhelm\nTschirch's vor vielen Jahren schon einmal durch die\nConcordia aufgeführte Preis-Composition „Eine Nacht\nauf dem Meere\", welche jetzt wie damals das Publicum\nim höchsten Grade ansprach und eine Reihe Bilder oder\nScenen aus dem Seeleben in reichem Wechsel und hüb-\nscher musicalischer Form an dem Ohr des Hörers vor-\nüberführt. Die Chöre, namentlich „der Sturm auf der\nSee\" und der Schlusschor mit fugirtem Satze sind von\npompöser Wirkung, das Orchester ist überall sehr ge-\nschickt behandelt, und die Soli bieten den betreffenden\nSängern Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Herr Goeb\nsang das Lied von Heimath und Liebe sehr schön und er-\nwarb sich allgemeinen Beifall; ebenso Herr Krolop, der\nuns die Meeresstille in ihrer ersten Schauerlichkeit und\nnachher das lustige Matrosenleben mit dramatischer Fär-\nbung vortrug. Herr Krolop verdient um so mehr den\nDank und. die Anerkennung, die ihm geworden, als er\nunvorbereitet für einen anderen Sänger, der im letzten\nAugenblick verhindert wurde, einsprang, seine Partie ohne\nProbe mit dem Orchester dennoch schön und sicher\nvortrug.\nDas Concert war also ein wahrhaft genussreiches\nund hielt das Auditorium bis zur letzten Note in freudiger\nSpannung. Nachher verfügte sich die jüngere Welt in die\noberen Säle des Kurhauses und beschloss hier das Fest\nmit einem glänzenden Balle. (E. d. G.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "389", "page_fin": "390", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.2.5", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.5", "debut_caractere": 3957, "fin_caractere_exclue": 4931, "texte": "Aus Bremen.\nDen 2. December 1866.\nMit Ausnahme der Aufführung von Reintbaler's Ora-\ntorium „Jephtha und seine Tochter\" in der Domkirche ist\nüber Musik wenig zu berichten. Hr. Musik-Director Rein-\nthaler hat zwischen der ersten Vorführung seines Werkes\nund der jetzigen Wiederaufnahme bierselbst eine fast zu\nbescheiden lange Pause eintreten lassen. Indess ist sie der\nWürdigung desselben förderlich gewesen; man hörte in-\nzwischen eine Anzahl einzelner Nummern und konnte so-\nmit, über das Einzelne orientirt, nun das Ganze auf sich\nwirken lassen. Der Prüfstein jeder grösseren Composition\nist nicht die erste, sondern die zweite oder dritte Auffüh-\nrung. Der „Jephtha\" hat diese Probe bestanden. Schon\ndas erste Mal unbedingt gut aufgenommen, dürfte er dies-\nmal in der Gunst unseres Publicums noch bedeutend ge-\nstiegen sein. Wir hörten darüber wenigstens nur Eine\nMeinung. Schade, dass diese nicht ihren unmittelbaren\nAusdruck erhalten konnte. Während in den Concertsälen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3447, "texte": "des Applauses manchmal eher zu viel als zu wenig ist,\nversagt uns eine löbliche Sitte in der Kirche jede laute\nAnerkennung. Auch abgesehen davon, ist aber für den\n„Jephtha\" der Concertsaal wohl der geeignetere Raum.\nNicht dass in dem Oratorium auch nur eine Stelle den\nreligiösen Sinn verletzte; der Geschmack und Tact des\nComponisten geben dagegen die unbedingteste Bürgschaft;\naber das religiöse Element tritt im Laufe der Handlung\nimmer mehr zurück; die letzte Hälfte spitzt sich zu einer\nArt von bürgerlichem Trauerspiel zu, und da es für unser\nmenschliches und ästhetisches Gefühl absolut unmöglich\nist, das Opfer der Mirjam sich wirklich vollziehen zu sehen,\nso musste nothwendig dem biblischen Text Gewalt ange-\nthan werden. Auf die musicalische Seite des Werkes\ndürfen wir wohl nicht mehr zurückkommen. Die bedeu-\ntendsten Nummern sind, wie gesagt, von früher her be-\nkannt, und dass sie Bestandtheile eines wirklichen\nGanzen, dass das Werk in einem Geist geschaffen ist,\nwerden die Hörer nun wohl herausgehört haben. Es ist\nim besten Sinne des Wortes eine moderne Composition,\nohne hervorstechende Genialität, gegen welche sich auch\nschon das Sujet etwas spröde zeigt; deutlich an einige\ngrosse Vorbilder erinnernd, darunter Händel und Men-\ndelssohn, ist es doch in Wahrheit eine selbstständige Con-\nception; auch dies tritt bei einem wiederholten Hören\nimmer mehr hervor. Die letzte Hälfte des Oratoriums ist\ndie wirksamste, fesselndste, und so folgt man denn dieser\nMusik mit ihren tlüssigen, edlen Melodieen, ihren gewähl-\nten aber niemals verkünstelten harmonischen Modulationen\nund ihrer Seelenmalerei bis zum Schluss mit unge-\nschwächtem, ja, steigendem Interesse.\nDie beiden Haupt-Solopartieen des Oratoriums sind\nselbstverständlich die des Jephtha und der Mirjam. Jene\nist in gewisser Hinsicht die dankbarste, diese die schwie-\nrigste. Der Sänger des Jephtha verfügt über einen reichen\nStimmungswechsel. Er hat den Zorn des verbannten Hel-\nden, die Trauer des Patrioten, die Gewalt des Rufers im\nStreite und die Verzweiflung des Vaters zum Ausdruck zu\nbringen, dabei aber freilich, namentlich was die weichen\nStimmungen betrifft, das Grundbild des eisenfesten Mannes\nnicht verloren gehen zu lassen. In letzterer Beziehung\nhat der Sänger wohl des Rechten etwas zu wenig gethan;\neinzelne Stellen erhielten ein zu sentimentales Gepräge.\nIm Uebrigen haben wir in Hrn Hill, seinem bedeuten-\nden Ruf entsprechend, einen gebildeten, mit dem Orato-\nriengesang vertrauten Sänger von schöner, wenn auch\nnicht sehr grosser Stimme kennen gelernt. Die Schwie-\nrigkeiten der Partie der Mirjam, einer der schönsten\nSchöpfungen Reinthaler's, liegen in der entgegengesetzten\nRichtung. Die Aufgabe der Sängerin ist also, den Vortrag\nin der Weise leicht und mannigfaltig zu nuanciren, dass\ndie Grazie und Anmuth der Musik zu ihrem Rechte kom-\nmen und hinwiederum auch nicht der einfache Grund-\ntypus verwischt wird. Dass Fraußübs a men-Veitb sich\ndieser Aufgabe bewusst war, zeigte sie in jedem ihrer\nVorträge, und durch die glückliche Lösung derselben hat\nsie uns einen neuen Beweis von ihrer künstlerischen In-\ntelligenz gegeben. Für die Mitwirkung der Mitglieder der\nAkademie zu den Damenpartieen haben wir wie immer\nnur Dank zu sagen. Das Terzett erhielt durch den seeli-\nschen Klang des zweiten Soprans das schönste Relief.\nWas Chor und Orchester betrifft, haben wir nur\nden ihnen unzweifelhaft gewordenen Dank des Componis-\nten zu wiederholen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1866-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "390", "page_fin": "390", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.2.6", "titre_corps": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt a. M.", "titre_sommaire": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt a. M.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.6", "debut_caractere": 3449, "fin_caractere_exclue": 5913, "texte": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt a. M.\nAusdem achtundzwanzigsten Jahres-Bericht des Verwaltungs-Aus-\nschusses der Mozart-Stiftung theilen wir folgende Nachrichten mit: Der\nVermögensstand unserer Stiftung war am Schlüsse des vergangenen\nGeschäftsjahres auf 48,260 Fl. 26 Kr. angewachsen. Hierzu kam\nzunächst der Ertrag eines vom Liederkranz gegebenen Concertes\nmit 148 Fl. 14 Kr., sodann mehrere Geschenke von Gönnern der\nStiftung, namentlich von Herrn Ernst Pauer aus London. Er hat\nbei seiner Reise nach dem Continent im Beginn dieses Jahres ein\ngrosses historisches Concert veranstaltet, welches durch sein Pro-\ngramm sowohl, wie durch die ausgezeichnete, musicalische Ausfüh-\nrung, wofür wir auch den übrigen Mitwirkenden, den geehrten Da-\nmen des Cäcilien-Vereins, den Herren üirector Geliert und Carl\nHill, so wie dem Liederkranz unseren Dank aussprechen, ungetheilte\nAnerkennung fand. Der pecuniäre Erfolg dieses Concertes entsprach\nder künstlerischen Leistung und gab einen Reinertrag von 800 Fl.\nDurch die oben verzeichneten Geschenke mit dem Zuwachs an\nZinsen ist das Vermögen der Stiftung auf die Summe von 50,376\nFl. 25 Kr. herangewachsen.\nBei dem Heranwachsen des Vermögens unserer Stiftung bis zu\ndem Betrage von 50,000 Fl. waren wir uns wohl bewusst, dass\nunsere Statuten mit der Erreichung eines jährlichen Zinsenertrages\nvon 2000 Fl. zugleich die Gründung eines Conservatoriums ver-\nlangen. Schon geraume Zeit vor diesem Moment haben wir diese\nEventualität scharf ins Auge gefasst. und nach reiflicher Ueberle-\ngung uns die Unausführbarkeit dieser Bestimmung gestehen müssen.\nDa aber die Statuten unserer Stiftung von unserem Senat sanctio-\nnirt sind, so war es nicht in unsere Macht gegeben, einseitig diese\nBestimmung abzuändern. Wir haben darüber einen Bericht einge-\ngeben, über dessen Erfolg wir, bei der veränderten politischen\nLage, erst später eine befriedigende Mittheilung machen zu können hoffen.\nUnser jüngster Stipendiat Leonhard Wolff von Crefeld setzt\nunter der Leitung seines Meisters Ferdinand Hiller in Köln seine\nStudien mit Eifer und mit sichtlichem Erfolge fort. Hiller selber\nspricht sich darüber mit rückhaltloser Anerkennung aus. Da Wolff\neine besondere Begabung für die Violine hat, so wird er den Win-\nter auch noch in Brüssel den Unterricht Leonard's benutzen, wäh-\nrend Herr Hiller es freundlichst zugesagt hat, dessen Compositions-Stu-\ndien auch ferner zu überwachen.\nGez. Dr. Ponfick, Präsident,\nDr. Eckhard, Secretär."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-08-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-08_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "391", "page_fin": "391", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.2.7", "titre_corps": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller,", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller,", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4700, "texte": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 4. December 1866.\nDas vierte Coneert brachte eine jener grossartigen Aufführun-\ngen, die zwar nicht immer die Menge anziehen, aber für jeden Con-\ncertbesucher, der die Musik nicht bloss als ein Erholungs- oder gar\nZerstreuungsmittel ansieht, sondern als eine erhebende und ver-\nedelnde Kunst, immer ein hoher, festlicher Genuss sind. Desshalb\nist es denn auch für Concert-Anstalten, welche auf den Namen eines\nKunst-Institutes Anspruch machen, eine unabweisbare Pflicht, von\nZeit zu Zeit solche Aufführungen zu bewerkstelligen, unbekümmert\num das Geschwätz jenes nobeln und ignobeln Theiles des Publicums,\nwelches den Ruf des weiland kaiserlich römischen Volkes: „Panem\net Circensesin „gute Diners und Polkamusik\" übersetzt und zum\nWahlspruch genommen hat. Glücklicher Weise ist jedoch die Zahl\nderjenigen Kunstfreunde am Rhein und in ganz Norddeutschlandi\nwelche an Oratorien und an oratorienartigen Werken noch wahre\nFreude und Erhebung finden, so gross, dass bei Aufführungen der-\nselben den Anordnern keineswegs der Vorwurf einer ausschliesslichen\nBerücksichtigung der musicalischen Aristokratie gemacht werden\nkann, sondern vielmehr das Lob dafür zuerkannt werden muss, dass\nsie die Würde der Kunst durch Concessionen an den populären\nGeschmack nicht compromittiren. Noch zeigt sich z. B. bei unseren\nMusikfesten stets eine hohe Empfänglichkeit, die sich oft bis zur\nBegeisterung steigert, für die Aufführung von Oratorien, und eben\nso füllen sie in den Schwesterstädten Aachen, Düsseldorf, Bonn,\nElberfeld, Bremen, Coblenz die Concertsäle, wie denn auch hier der\nGürzenichsaal am Dinstag, wenn auch nicht überfüllt, doch gut be-\nsetzt und namentlich auch die Galerie von Nicht-Abonnenten zahl-\nreich benutzt war.\nHiller's Oratorium „Saul\" war hier seit acht Jahren nicht auf-\ngeführt worden: wir müssen es daher dem Concertvorstand Dank\nwissen, dass er dieses grossartige und geniale Werk des vaterländi-\nschen Meisters auch wieder einmal auf das Programm brachte.\nUeber Charakter, Form und Bau des ganzen Werkes haben wir\nuns früher ausführlich (vgL Niederrheiniscte Musik-Zeitung, Jahrg.\n1858. Nr. 2, 3, 6, ferner 23 und 24) und noch kürzlich in Nr. 336\nder Kölnischen Zeitung ausgesprochen. Wir tragen hier nur nach,\ndass die Zuhörerschaft dem Werke von Anfang bis Ende mit ge-\nspannter Theilnahme folgte und das will etwas sagen, denn es\nist für die heutige Welt freilich zu lang und dass eine grosse\nZahl von Chören und Sologesängen mit lebhaftem Applaus aufge-\nnommen und der Componist am Schlüsse gerufen wurde.\nSollten wir die Verdienste des mitwirkenden Personals um die Aus-\nführung classificiren, so müssten wir dem Orchester, von welchem\ngewaltig viel verlangt wird, den ersten Preis zuerkennen. Der Chor\nhat sich auch wacker gehalten, die Einsätze waren präcis bis auf\neine Stelle im Bass, welche wir übrigens nur desswegen erwähnen,\nweil die einzelne Stimme, welche einsetzte, in ihrem Rechte war.\nDie originelle Idee Hiller's, ein Schlachtgemälde im Orchester durch\neinen Chor der zuschauenden Frauen anschaulich zu machen, kann\nfreilich nur durch einen doppelt so starken Frauenchor, als hier zur\nVerfügung stand, zur vollen Geltung kommen: beim Musikfeste im\nJahre 1858 war die Wirkung eine wahrhaft imposante.\nBei Besetzung der Soli war eine von jenen unvorhergesehenen\nVerlegenheiten eingetreten, welche Coneert- und Theater-Directionen\noft zur Verzweiflung bringen können. Frl. Bodinus, deren schöne,\nvolle Stimme wir bereits durch einige Vorträge in engeren Kreisen\nschätzen lernten, würde bei ihrem ersten öffentlichen Auftreten in\nder hgrrlichen Partie der „Michal\", welche ihr zugetheilt worden\nwar, gewiss den besten Erwartungen, die man von einem jugend-\nlichen Talente hegen kann, entsprochen haben, wurde aber\ndurch plötzliches Unwohlsein daran verhindert. Frl. Ehmans,\nebenfalls Schülerin des hiesigen Conservatoriums, hatte die grosse\nGefälligkeit, für ihre Kunstgenossin einzutreten, studirte die* Partie\nin wenigen Tagen und gab durch die den Verhältnissen nach be-\nfriedigende Lösung schwierigen Aufgabe einen höchst ehren-\nvollen Beweis ihrer musicalischen Bildung. Die kleine Altpartie\nder „Zauberin von Endor\" wurde von Frl. Kneip, ebenfalls vom\nConservatorium, mit wohltönender Stimme gesungen. Die Männer-\nsoli waren bei den Herren Hill (Saul) von Frankfurt a. M., Schild\n(David) vom Theater zusLeipzig, undKrolop (Samuel) vom hiesigen\nStadt-Theater sehr guten Händen oder vielmehr vortrefflichen\nStimmen anvertraut; sie trugen gar sehr zum Erfolg des Ganzen\nbei und wurde ihnen mit Recht auszeichnender Applaus zu Theil."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-08-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-08_01#c008", "volume": "bmtnabi_1866-12-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "391", "page_fin": "392", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.7", "debut_caractere": 4702, "fin_caractere_exclue": 6683, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÜLSIII. Die Soireen für Kammermusik im Saale des\nHotel Disch, unter Mitwirkung des Herrn Capellmeisters F. Hill er\nvon den Professoren des Conservatoriums, den Concertmeistern von\nKönigslöw und Japha, F. Derckum, A. Schnait, J. Seiss,\nGernsheim, Eudorf veranstaltet, haben am Dinstag den 27.\nNovember Abends 7 Uhr wieder begonnen und wie immer ein ge-\nwähltes Publicum versammelt. Es ist keine Frage, dass diese treff-\nlichen Ausführungen trefflicher Musik, wobei die Virtuosität nur\nMittel zum künstlerisch vollendeten Vortrag ist, am meisten zur\nBildung des Geschmacks wahrer Kunstfreunde beitragen, zumal da\ndie Grundsätze des Vereins uns vor jeder excentrischen Abweichung\nvon der Kreislinie des Classisch-Schönen bewahren. Das Programm\nder ersten Soiree brachte das Violin-Quartett in F-dur von Mo-\nzart, Clavier-Trio in Es Op. 1. von Beethoven (Herr J. Seiss)\nund Violin-Quartett in Es-dur Nr. 10 von Beethoven.\nDas C onser vatorium wird sechs Musik-Abende veran-\nstalten, zu denen die Schüler der Anstalt, ihre Eltern und Angehö-\nrigen und sonstige Freunde der Musik und Gönner der Anstalt Ein-\ntrittskarten erhalten. Der erste Abend fand am 26. November im\nIsabellen-Saale des Gürzenich Statt. Das Programm brachte fünf-\nzehn Nummern, darunter zehn für Gesang! Das ist offenbar des\nGuten zu viel: erstens sieht es zu anspruchsvoll aus, zweitens\nschwächt es die Aufmerksamkeit und Theilnahme der Zuhörer, drit-\ntens bringt es die Gefahr mit sich, dass in den sechs Winter-Mo-\nnaten für die sechs Musik-Abende mehr zum Zweck öffentlicher\nProduction, als wirklicher Kunst-Fortschritte studirt werde. Dass\ndie Zöglinge einer Musikschule an öffentliches Auftreten gewöhnt\nwerden, ist ganz in der Ordnung, aber\nEst modus in rebus, sunt certi denique fines\nQuos ultra citraque nequit consistere rectum!\nNun noch ein Wort Latein: Fiat applicatio! Wovon viel-\nleicht die Folge ist, dass wir am nächsten Musik »Abend zwanzig\nNummern zu hören bekommen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4268, "texte": "Frau Madeleine Johnson-Gräver, Hof-Pianistin der Kö-\nnigin von Holland, gab am 30. November eine Soiree im Hotel\nDisch. Allerlei für die Künstlerin in hohem Grade, für uns aber\nnach Erfahrung weniger unerwartete Zufälle verhinderten dieselbe,\ngrössere Werke, so wie sie es beabsichtigte, vorzutragen, z. B.\nMendelssohn's Quartett in H-moll. Mit der zuvorkommenden Unter-\nstützung des Herrn Concertmeisters von Königslöw konnte sie\nuns jedoch den Genuss bereiten, eine so gut wie unbekannte, recht\nartige Sonate für Piano und Violine von Dussek und die herrliche\nvon Beethoven hören zu lassen, deren Ausführun-\ngen allen Anforderungen des classischen Vortrags, wie man ihn von\nsolchen zwei Künstlern nicht anders erwarten kann, entsprachen»\nIn ihren Solovorträgen der grossen Polonaise mit dem vorhergehen-\nden Andante spianato von Chopin, zweier kleinerer Stücke von\nJ. Se B'ach und eines Concert-Capriccio's von eigener Composition\n(brillant und anmuthig und über den gewöhnlichen Ton von Virtuo-\nsenstücken weit hervorragend) zeigte Frau Gräver in noch erhöhtem\nGrade als in ihrer Leistung im Gürzenich-Concert die vollendete\nBeherrschung ihres Instrumentes sowohl in dem, was eine, bei einer\nDame namentlich, staunenswerthe Kraft des Tones besonders in den\nBasspassagen und Octavengängen betrifft, als in der Behandlung der\nMelodie und des perlenden Tonspiels in den mittleren und höchsten\nOctaven durch zarten, wie versagenden und fein nuancirten Anschlag.\nIhr Erfolg war bei Musikern und Dilettanten ein glänzender.\nFrankfurt a. den 26. November. In der dritten\nvon den Soireen für Kammermusik, welche die Herren Heer-\nmann, Lübeck und Genossen diesen Winter geben, spielte Frau\nSchumann das Quartett in Op. 26, von Job. Brahms, für\nPianoforte, Violine, Bratsche und Violoncell, worüber der Referent\nder „Didaskalia\" u. A. schreibt: „Ganz der neueren Richtung hin-\ngegeben besitzt Brahms eine reiche Fantasie und es steht ihm eine\nkünstlerische Gewandtheit im Satz zu Gebote, die er in sehr aner-\nkennenswerther Weise in diesem Quartett bethätigt. Allegro und\nAdagio möchten wir trotz der hierin sehr geschickt angewendeten\nInstrumentalefFecte hinsichtlich des musicalischen Werthes hinter das\nScherzo und Finale verweisen. Das Scherzo ist unstreitig eine\nsehr geniale Arbeit, die in jeder Beziehung Beachtung verdient.\nDas erste Thema im Finale, ein recht origineller, etwa einer unga-\nrischen Weise sich nähernder Gedanke, birgt ein charakteristisches\nKennzeichen der Weimar-Leipziger Schule die Ueberkleidung der\nmusicalischen Cäsur sehr hervortretend in sich; beim erstmali-\ngen Anhören frappirt es durch das nicht entschiedene Auftreten\ndes Rhythmus; ein sforzando im Piano, das im Gegensatze zu den\nmarkirten Noten der Streich-Instrumente auf die leichte Zeit fällt,\nlässt uns erst nach einigen Tacten den zweitheiligen Tact heraus-\nfinden. Die Ausarbeitung dieses Satzes ist in ihrer Weise recht ge-\nlungen, nur hätten wir Alles etwas weniger breit gewünscht. An\nderselben nur zu gründlichen Ausdehnung laborirten auch die übri-\ngen Hauptsätze, so dass die Ausführung dieses Quartetts nahezu\neine Stunde in Anspruch nahm. Und das ist denn des Guten doch\nein wenig zu viel. Die Herren He ermann, Welker und Lübeck\ntrugen im Verein mit Frau Clara Schumann das Werk in selte-\nner Vollendung vor, was denselben auch durch den gerechten Bei-\nfall hinlänglich kund gegeben wurde.\nDass das darauf folgende, in sehr meisterhafter Weise vorge-\nführte F-dur-Quartett (Nr. 8) von Mozart einen eigentümlichen\nContrast auf das Publicum ausübte, unterliegt keinem Zweifel.\nMusste man sich vorher durch die labyrinthischen Gänge, allerdings\nhier und da erhellt von lachenden Sonnenblicken, durchwinden, um\nzu dem lange gesuchten Ausgange zu kommen, so sah man sich\n„etzt in einen Garten versetzt, worin man nicht nur an der Regel-\nMässigkeit kunstvoll angelegter Beete voll prangender Blumen sich\nweiden, sondern sich auch der gänzlichen Befriedigung seines Schön-\nheitssinnes ununterbrochen und ungestört überlassen durfte.\nDl*es<leil« Am 29. November ist hier Julius Rietz, k.\nsächsischer Hof-Capellmeister, gestorben. Er war 1812 zu Berlin\ngeboren.\nDie Sängerin Frau Dr. Leisinger hat die königliche Bühne\nin Stuttgart verlassen und sich ins Privatleben zurückgezogen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAdrian Franz Servais (Nekrolog). Aus Braunschweig (zweites und drittes Concert. Lachner's Suite Nr. III).\nAus Aachen (Stiftungsfest des Männer-Gesangvereins „Concordia\"). Aus Bremen (Reinthaler's Oratorium „Jephtha\"). Die Mozart-\nStiftung in Frankfurt a. M. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, erste\nSoiree, Musik-Abend im Conservatorium, Soiree von Frau Madeleine Johnsohn-Gräver. Frankfurt a. M. u. s. w.).\n\nAdrian Franz Servais.\n(Nekrolog.)\nDie Trauerbotschaft von dem Tode des grössten\nKünstlers auf dem Violoncell, den unser Jahrhundert er-\nzeugt hat, ist durch die Zeitungen bereits in der ganzen\nmusicalischen Welt verbreitet worden und hat schmerz-\nlich überrascht, da man im Auslande nichts von einer\nKrankheit wusst'e, an welcher Servais lange schon litt\nund welche seit ihrem Ausbruch wenig Hoffnung auf\ngänzliche Heilung gab. Dieser Krankheit ist er am 27.\nNovember, Morgens 9 Uhr, in seiner Vaterstadt Hai er-\nlegen, in dem schönen Landhause, das ersieh dort, wohin\ner immer wieder zurückkehrte, hatte bauen lassen.\nAdrian Franz Servais war zu Hai, einem klei-\nnen Städtchen drei Stunden von Brüssel, am 7, Juni\n1807 geboren. Sein Vater, der als Musiker bei der dor-\ntigen Kirche angestellt war, ertheilte ihm den ersten Un-\nterricht auf der Violine und in der Musik überhaupt. Der\nMarquis von Sayve, ein ausgezeichneter Dilettant, der auf\neinem Gute in der Nähe wohnte, entdeckte zuerst die her-\nvorragenden Anlagen des jungen Servais, nahm sich seiner\nweiteren Erziehung an und übergab ihn einem guten\nLehrer, Namens von der Plancken, dem ersten Violinisten\nam Theater zu Brüssel. Seinen wahren Beruf fand der\njunge Musiker aber in sich selbst erst, nachdem er zufäl-\nlig einmal den Violoncellisten Platel*) ein Solo vortragen\nhörte. Von diesem Augenblick an gab er die Violine auf\nund widmete sich mit voller Liebe dem Violoncell. Als\nSchüler des Conservatoriums entwickelte er sich unter\nPlatel's Leitung so schnell, dass er schon im ersten Jahre\nalle Mitschüler übertraf und den ersten Preis erhielt. Bald\ndarauf wurde er Repetitor von Platel's Classe und trat in\ndas Theaterorchester ein, wo er 3 Jahre lang blieb und\nsein Spiel jeden Tag vervollkommnete, ohne jedoch die\nöffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, weil in\njener Zeit überhaupt noch kein lebhafter Sinn für Musik\nin Brüssel herrschte. Desswegen ging eraufF&is' Rath und\nmit dessen Empfehlungen nach Paris; dort spielte er in Con-\ncerten mit grossem Erfolg und wurde von der Kritik\nschon damals in die Reihe der ersten Violoncellisten ge-\nstellt, obwohl er noch nicht die ungeheure technische\nVirtuosität besass, die er sich nachher zu eigen machte.\nIm Jahre 1834 ging er nach London, wo er in den\nphilharmonischen Concerten spielte. Hierauf kehrte er\nnach Belgien zurück und widmete sich zwei Jahre lang\nden andauerndsten Studien, durch welche er sich ganz\nneue Bahnen im Mechanismus des Spiels eröffnete. Es\nwar dieses vorzüglich die Epoche, in welcher sein Talent\neinen Glanz und eine Kühnheit in den schwierigsten Pas-\nsagen erreichte, worin ihm Niemand gleich gekommen\nist. Auch seine ersten Compositionen rühren aus dieser\nZeit her: sie zeichneten sich besonders durch die neuen\nSchwierigkeiten aus, die sich Servais zur Aufgabe gestellt\nhatte und selbst glücklich löste.\nIm Jahre 1836 ging er wieder nach Paris, gab\nmehrere Concerte und machte im folgenden Jahre, 1837,\neine Kunstreise durch Holland, welche seinen Ruf auf\neine Höhe brachte, wie er sie bisher noch nicht erreicht\nhatte, da nun auch die deutschen kritischen Blätter von\nseinen Triumphen Notiz nahmen und seinen Ruhm beson-\nders im Norden verbreiteten. Nach einer kurzen Ruhe in\nder Heimath, die er immer wieder zu neuen Studien und\nErfindungen in der Technik des Spiels benutzte, trat er\n1839 über Lübeck und Riga seine erste Reise nach Pe-\ntersburg an. Hier erreichte die Begeisterung für ihn eine\nfabelhafte Höhe. Im Monat April 1840 kam er, wie\n\n*) Nicol. Joseph Platel starb 1835 zu Brüssel als Professor der\nVioloncell-Classe am Conservatorium. Ausser Servais sind auch\nBatta und Demunck seine Schüler."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.2", "texte": "immer, nach seiner Vaterstadt zurück und liess sich nun\nauch in Brüssel hören, ebenso in Antwerpen und Spa.\nIm Februar 1841 ging er zum zweiten Male nach\nRussland, spielte in Petersburg und Moskau und machte\ndie Rückreise über Warschau, Prag und Wien. Ueber-\nall erregte er durch seine staunenswerthen Leistungen\nEnthusiasmus, und es war von nun an unmöglich, ihm\nden Rang des ersten Violoncellspielers in Europa streitig zu\nmachen. 1843 bereiste er zum zweiten Male Holland\nund im folgenden Jahre machte er seine erste grosse\nKunstreise durch Deutschland, wo er überall, namentlich\nin Berlin, Hamburg, Leipzig u. s. w. mit dem grössten\nErfolg auftrat. Darauf besuchte er zum dritten Male Russ-\nland und dehnte seine Reise jetzt bis in die äussersten\nasiatischen Provinzen aus.\nEinen der glänzendsten Erfolge hatte er 1847 wie-\nderum in Paris. Dann besuchte er Dänemark, Schweden\nund Norwegen; hierauf die rheinischen Städte, wohin er\nzu wiederholten Maien eingeladen wurde, und die grösse-\nren Städte von Frankreich. Im Jahre 1848 wurde er\nzum Professor am Conservatorium in Brüssel, wo er\nmehrere treffliche Schüler gebildet hat, zum Solospieler\ndes Königs der Belgier und zum Ritter des Leopold-Ordens\nernannt: ausserdem war er Ritter der Eichenen Krone, des\nSächsisch-Ernestinischen Verdienstordens unddesDanebrog.\nServais hatte sich in Petersburg im Jahre 1842 ver-\nheirathet: er hinterlässt zwei Söhne, Franz und Joseph,\nvon denen der eine sein Schüler auf dem Violoncellist,\nund eine verheirathete Tochter.\nDas Leichenbegängniss fand am 29. November Mor-\ngens in Hai Statt und war eine wahrhaft erhebende Feier.\nDie ganze Bevölkerung der Stadt, alle künstlerischen und\nliterarischen Notabilitäten und administrativen Behörden\nder Kunstanstalten von Brüssel bildeten den Zug und be-\nzeugten die grosse Theilnahme, die man dem Menschen,\nund die würdige Ehre, die man dem Künstler und mit\nihm der Tonkunst erwies. An allen Häusern, den präch-\ntigen Landsitzen wie den bescheidensten Wohnungen,\nwaren die Fensterläden geschlossen und die Häuser mit\nschwarzen Fahnen und anderen Trauerzeichen geziert.\nDie verschiedenen Vereine von Hai mit umflorten Fahnen\neröffneten den Zug: den Sarg trugen vom Sterbehause\nbis zur Grabstätte Freunde aus der Stadt, die Zipfel und\nQuasten des Leichentuchs hielten zehn Notabein, unter\nihnen von Behörden der Bürgermeister von Hai, der Ge-\nneral-Major Goethals, Adjutant des Königs, von Künstlern\nF&is, Leonard, Kufferath u. A. aus Brüssel. Auf dem\nSarge lagen auf schwarzsammtnen Kissen die Ordenszei-\nchen des Verblichenen und ein Lorberkranz von gedie-\ngenem Golde, auf dessen Blättern die Namen der Geber\neingegraben sind, welche dem Künstler bei seiner ersten\nrussischen Kunstreise diese Ehrengabe dargebracht haben,\nüber dem Kranz sein Violoncell-Bogen. Vier der jüng-\nsten Schüler desselben trugen sein mit Flor umhängtes\nVioloncell. Eine zahllose Menge folgte, denn Servais war\nvon allen Mitbürgern hoch geachtet und geliebt und war\nein Vater der Armen.\nAm Grabe wurden sechs Reden gehalten. Die Rede\nvon Fetis erkannte am Schlüsse vor Allem auch den guten\nund einfachen Charakter des Verblichenen an, wie er ihn\nin allen geselligen Verhältnissen offenbart hatte. „Seine\nMitbürger\" —sagte er „wissen, wie er, so oft er von\nseinen langen und ruhmvollen Reisen zurück kam, die\nganze frühere Herzensgüte und die alte Liebe und Zu-\nneigung zu den Freunden und Genossen seiner Jugend\nwieder mit brachte. Er vergass unter ihnen die Auszeich-\nnungen an den glänzenden Höfen der Fürsten und die\nOvationen der Bevölkerungen, die zu seinen Concerten\nströmten. Sie wissen das Alle, meine Herren; Sie fühlen\ndie Wahrheit dieser Worte so tief, dass in der übergrossen\nMenge, welche seine letzte Ruhestätte umsteht, kein Herz\nungerührt, kein Auge trocken bleibt.\"\n\nAus Braunschweig.\n(Zweites und drittes Concert. Lachner's Suite Nr. III.)\nDen 1. December 1866.\nDas zweite Concert des Vereins für Concertmusik\nbrachte ein reiches, vielleicht allzureiches Programm, da\nes eiif Nummern enthielt, wenn auch die meisten dersel-\nben vortreffliche Musikstücke waren, am hervorragend-\nsten unter ihnen: Beethoven's Trio Op. 97 für\nPianoforte, Violine und Violoncell und F. Schubert's\nTrio Op. 100 in Es-dur. Die Ausführung der beiden so\nherrlichen Compositionen liess im Ensemble viel zu wün-\nschen übrig. Von den drei Gästen aus Leipzig konnten\nnur Frl. Hauffe und Herr Grabau (Violoncellist) ge-\nnügen, während wir in den Erwartungen, welche wir\nvon dem Herrn Concertmeister Dreyschock hegten,\ndurchaus getäuscht wurden. Frl. Hauffeist eine Ciavier-\nspielerin mit grosser, ausserordentlich sicherer Technik\nund schöner Auffassung; wir glauben annehmen zu kön-\nnen, dass das Classische ihr eigentliches Feld ist, worauf\nsie sich mit Vorliebe, aber auch mit Sicherheit bewegt,\nda nicht allein die beiden Trios, sondern auch die serieu-\nsen Variationen von Mendelssohn in vollendeter künstle-\nrischer Weise von ihr zur Geltung gebracht wurden. Die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.3", "texte": "Künstlerin erwarb sich die volle Anerkennung des Publi-\ncuras. Während wir in Herrn Grabau einen Cellisten\nmit vollem, schönen Ton kennen lernten, der sich mit\ngrosser Gewandtheit in den Trios der Ciavierstimme in\njeder Beziehung anschloss, war bei der Violine von allem\ndiesem nichts zu merken. Kleiner, wirkungsloser Ton,\nUnsicherheit nicht allein in schwierigen Partieen, sondern\nsogar in vielen Einsätzen. Selbst der Vortrag der Sonate\n(G-moll)von Tartini erhob sich nicht über das Gewöhn-\nliche, obgleich es das Beste war, was wir von dem Vio-\nlinspieler an dem Abende zu hören bekamen. In die\nGesangsvorträge hatte sich Frl. Himmelmann mit Hrn.\nHofopernsänger Weiss getheilt.\nDas dritte Vereinsconcert am 25. November wurde\nwieder von der königlichen Capelle aus Hannover ausge-\nführt und enthielt in seinem Programme ausser zwei Ou-\nvertüren von Weber (Euryanthe) und von Beethoven\n(Coriolan) und einigen Ciaviersachen, auch die Suite\n(Nr. 3) von Franz Lachner, eine interessante Compo-\nsition. Der neuesten Zeit war es vorbehalten, zur alten\nüberlebten Form der Suite zurück zu greifen, und wir\nsehen von jetzt lebenden Componisten, wie Raff, Esser,\nBargiel und Lachner, dergleichen Werke wieder edirt.\nDie Suiten der genannten Componisten sind freilich in so\nfern von der älteren verschieden, dass sie die erste Haupt-\nbedingung, die gleiche Tonart für sämmtliche Sätze,\nnicht befolgen, und dass sie statt der Tänze, wenn auch\nmit Beibehaltung der Tanztitel, sinfonische Sätze in\nthematischer und contrapunktischer Bearbeitung enthal-\nten; dadurch ist, wenn auch zuweilen der Charakter der\nalten Tänze im Auge behalten wird, doch das Wesen\nderselben ein anderes geworden, aber, was eben die\nHauptsache bleibt, der innere Zusammenhang, die\neinheitliche Idee, welche durch die Sinfonie so schön\nzu erreichen steht, gebt ihnen vollständig ab, dadurch\nbleiben es wiederum nur Suiten und können auf den Na-\nmen Sinfonie keinen Anspruch machen. Wesshalb greifen\nnun aber die neuen Componisten nach der alten Form?\nDiese Frage möchte für den, welcher die Entwicklung\nder Musik in unseren Tagen mit offenen und unparteii-\nschen Augen verfolgt hat, nicht schwer zu beantworten\nsein. Seit Mendelssohn und Schumann, den letzten der\nhervorragendsten Sinfonie-Componisten, bat sich kein eben-\nbürtiges Talent wieder gezeigt, für Talente zweiten und\ndritten Ranges ist es aber eine schwere, wenn nicht un-\nmögliche Aufgabe, auf dem Gebiete der Sinfonie wirk-\nlich Neues, oder auch nur einiger Massen Bedeutsames\nzu schaffen. Ob das Nichtzuerreichende zum Bewusstsein\nkommt, ob es eingestanden wird oder nicht, ist gleichgül-\ntig, wir bemerken nur eine gewisse Eitelkeit oder, als ein\nZug unserer Zeit, eine Sucht, durchaus etwas Anderes zu\nbringen, als die Vorgänger, oder sich über dieselben zu\nerheben. Daher auf der einen Seite das Zurückgreifen\nnach früheren Formen, oder, wo die Zügellosigkeit zum\nPrincip geworden ist, Sätze in grösster Ungebundenheit\n„sinfonische Dichtungen\" zu nennen, wie Liszt es ge-\nthan. Dass nun von einem Componisten wie Franz Lach-\nner in dem Genre der Suite auch Hervorragendes geleistet\nwerden kann, wollen wir durchaus nicht bestreiten, aber\nwir möchten an das Urtheil der Zuhörer appelliren, und\ndieselben fragen: ob sie nach dem Anhören der zu Gehör\ngebrachten Suite denselben befriedigenden Eindruck ge-\nhabt haben, wienach der Aufführung einer guten Sinfonie?\nDie Einheit in der Stimmung, die vollendete Abrundung,\ndas vollständigste Erschöpfen der zum Grunde liegenden\nIdee, wie solches in einer Sinfonie mit ihren vier Sätzen\nmöglich ist, kann nimmermehr in einer Suite erreicht\nwerden, und wenn dieselbe auch so interessant ist, wie die\nLachner'sche. Ist nun nach dem, was wir bis jetzt voraus-\ngeschickt haben, unsere Stellung zur Suite nicht zweifel-\nhaft, vermögen wir in der Wiederaufnahme dieser Form\nauch keinen Fortschritt zu erkennen, so kann dies eine\ngerechte Würdigung oder Anerkennung durchaus nicht\nausschliessen. Wir haben die Lachner'sche Suite schon\nals eine interessante Composition bezeichnet, und von dieser\nSeite betrachtet, ist sie der Beachtung werth, denn sie\nenthält in ihren 6 Nummern grösstentheils ein schwung-\nvolles Tonleben, namentlich waren es die vier letzten der-\nselben, die sich mit Recht eines ziemlich grossen Beifalls\nvon den ausserordentlich aufmerksam folgenden Zuhörern\nzu erfreuen hatten. Der erste Satz, ein Präludium aus\nF-moll, erinnert in seinem Hauptthema sowohl, wie in\nder Art und Weise der thematischen Durcharbeitung an\nden alten Stil, in Beziehung auf die Totalwirkung wird\ndieselbe durch die grosse Ausdehnung beeinträchtigt.\nVon dem folgenden Intermezzo, welches auch noch kein\nbedeutendes Thema aufzuweisen hat, erhielten wir den\nEindruck eines niedlich klingenden Musikstückes, welches\nweiter keinen Anspruch macht. Charakter ist eigentlich\nnicht viel darin, das hat der Componist jedenfalls auch ge-\nfühlt und desshalb diese Nummer mit Intermezzo be-\nzeichnet; da kann sich ein Jeder nun vorstellen, was er\nwill. Etwas ganz Anderes ist es mit den folgenden Sätzen,\nwelche den Titel von einigen der oben erwähnten Tänze\ntragen, deren Charakter auch wohl im grossen Ganzen\ngetroffen ist. Die Ciaconne (Nr 3, ein Andante\nmit einfachem, aber streng innegehaltenem Rhythmus,\nlässt in den Zwischensätzen mancherlei Veränderungen\nzu, welche Eigentümlichkeit vom Componisten zu wirk-\nsamen und brillanten Variationen für Flöte, Clarinette,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.4", "texte": "Violine, Horn und schliesslich noch für zwei Violinen ausge-\nnutzt ist, nachdem die Celli das Thema eingeführt haben.\nNr. 4 ist eine Sarabande aus F-moll. Als spanischer Na-\ntionaltanz im 3/4-Tact soll sie vorzugsweise die feine\nGrazie repräsentiren, desshalb nennt sie auch Shakespeare\nin „Viel Lärm um nichts\" (Act 2, Scene 1) „manierlich,\nsittsam, voll von altfränkischer Feierlichkeit\". Wir ge-\nstehen, dass wir einen solchen Eindruck vollständig von\ndieser Sarabande erhalten haben, und zwar nicht bloss\nin dem graziösen Thema, welches mit den Flöten, Clari-\nnetten und Fagotten in Terzen unter pisz. Begleitung\ndes Streichquartetts eingeführt wird, sondern auch in\nder späteren Durchführung, zu welcher noch ein zweites\nThema, das in kräftiger Gestalt in dem Quartette auftritt,\nwirkungsvoll benutzt wird. Die Gavotte (Nr. 5,\nhat ein lebhaftes und gefälliges Thema mit einem Gegen-\nthema aus Gis-molltwelches zuerst in den Bässen im\nerscheint und dann sogar canonisch behandelt wird. Das\nStück ist nicht sehr lang, macht aber hinsichtlich der\nKlangwirkung einen ähnlichen befriedigenden Eindruck\nwie Nr. 2. Von grösserer Ausdehnung und schöner\nDurchführung ist die letzte Nummer, die Courante in\nmott mit dem schnell dahineilenden Thema, welches nach\nkräftigen, einleitenden Accorden zuerst von den Violinen\naufgenommen wird. Einen eigentümlichen, aber doch sehr\nschönen Eindruck macht das zweite Thema, welches in\nden Holz-Blasinstrumenten, unter obligater Begleitung\nder Celli in abgestossenen Achtelnoten, zuerst in der ver-\nwandten Tonart As-dur einsetzt; die schöne Wirkung\ndesselben bleibt auch in der späteren Verwendung in an-\nderen Tonarten, wo es sogar zu verschiedenen Steigerun-\ngen benutzt wird. Eine kurze Coda, allerdings in Figur\nund Instrumentirung nicht gerade neu zu nennen; schliesst\ndas Stück kräftig in F-dur ab, nachdem der Verlauf der\nCourante sich nach dieser Tonart hingewendet hat. Den\nTotaieindruck des Werkes können wir nicht anders als\neinen günstigen nennen, ein gut Theil davon kommt aller-\ndings auf die in allen Einzelheiten vorzügliche Vorführung\ndurch die hannover'sche Capelle, welche das Werk unter\nder Direction des Capellmeisters Fischer gründlich studirt\nhat, und da musste es sich von selbst verstehen, dass alle\norchestralen Feinheiten ihr volles Recht erhielten. Beson-\nders hervorzuheben sind noch die Solovorträge in der\nCiaconne, deren wir schon oben gedacht haben. Dieselben\nwurden mit grosser Virtuosität und mit ausserordentlich\nschönem Tone von jedem der genannten Instrumente aus-\ngeführt begeisterter Beifall erfolgte nach dieser Nummer.\nMit demselben Fleisse, und fügen wir noch hinzu, mit\nderselben Pietät, waren auch die Vorträge der beiden\nOuvertüren von Weber und Beethoven studirt, sie wur-\nden in vollkommen gleichem Maasse vortrefflich gespielt,\nsowohl die glanzvolle Euryanthen-Ouverture wie auch die\ntief ernste zu Coriolan. Frl. Marstrand aus Hannover\nspielte das selten zu Gehör kommende Allegro giojoso aus\nH-moll von Mendelssohn mit Orchester. Auffassung und\nVortrag standen im besten Einklänge, und unter der unge-\nmein discreten Orchesterbegleitung konnte die Pianistin\nihre Vorzüge, welche ihr durch einen leichten und schö-\nnen Anschlag zu Gebote stehen, geltend machen. So\nkonnte es auch nicht fehlen, dass das „Impromptu\"\n(As-dur) von Chopin und der „Walzer\" von Schubert\n(A-moll aus den Soirees de Vienne von in höchst\ngelungener Weise ausgeführt wurden. Der Beifall steigerte\nsich bis zum Hervorruf.\n\nAus Aachen.\nDen 5. December 1866.\nDer Männer-Gesangverein „Concordia\" unter Lei-\ntung des Herrn F. C. Ackens hat seit einigen Jahren\nbegonnen, sein Stiftungsfest alljährlich durch ein grosses\nConcert mit Zuziehung des Orchesters und fremder\nKünstler zu feiern, und nach der Art, wie dies bisher ge-\nschehen, haben die zuhörenden Mitglieder des Vereins\nund das Publicum überhaupt alle Ursache, dem Vor-\nstande für die Veranstaltung dieser Concerte dankbar\nzu sein*).\nSo beging denn auch in diesem Jahre die „Concordia\"\nam 29. November die Feier ihres siebenundzwanzigsten\nStiftungsfestes wieder durch ein grosses Concert. Ein\ngrossartiges Auditorium wohl über 1000 Personen\nzählend hatte sich im grossen Kurhaussaale eingefun-\nden, um den musicalischen Genüssen zu lauschen. Die\nschwungvolle Ouvertüre zu Rosamunde von F. Schubert\neröffnete den Abend, und nach derselben traten die bei-\n\n*) Ueber die Concerte zur 25jährigen Jubelfeier des Vereins\nvergl. Niederrheinische Musik-Zeitung, 1864, Nr. 48. Die\n„Concordia\" macht sich auch in der Beziehung, dass sie die Auf-\nführung grösserer Werke für Männergesang mit Orchester veran-\nstaltet, um die Kunst verdient, welche von vielen ähnlichen Ver-\neinen keineswegs als Hauptsache und Hauptzweck betrachtet wird.\nEs ist auffallend, dass jetzt, wo gute und effectvolle Compositionen\nfür Männerchor mit Orchester erschienen sind und fortwährend er-\nscheinen mit Namen wie F. Hiller, Wüllner, Max Bruch,\nJ. Brambach, Tschirch u. s. w. —, so manche Gesangvereine\ndavon nur geringen oder gar keinen Gebrauch machen. Da dem\nnun also ist, so sehen wir nicht ein, warum solchen Compositionen\nnicht auch in den Programmen der regelmässigen Abonnements-Con-\ncerte der Winterzeit dann und wann eine Stelle einzuräumen sein\ndürfte. Dießedaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.5", "texte": "den kunstbegabten Schwestern Friese auf, welche\nSeitens der festgebenden Gesellschaft für das Concert\ngewonnen waren.\nFräulein Francisca spielte auf ihrem herrlichen,\nvor Kurzem aus der berühmten Sammlung unseres sei.\nHerrn van Houtem erworbenen Guarnerius das Violin-\nConcert in A-moll von Viotti mit seltener Fertigkeit und\nfeinstem Geschmack, und erwarb sich namentlich durch\nden seelenvollen Vortrag des Adagio die lebhaftesten\nSympathieen, wohingegen es uns schien, dass die im 1.\nund 2. Satze eingelegten, von David in Leipzig compo-\nnirten und sehr complicirten Gadenzen etwas zu lang aus-\ngesponnen waren. Fräulein Ottilie, die Pianistin, er-\nfreute die Zuhörer durch das prächtige, hier lange nicht\ngehörte Concertstück in F-moll von C. M. von Weber und\nlöste ihre Aufgabe mit eben so grosser Bravour. Nach-\nher spielten die beiden jugendlichen Künstlerinnen noch\nzusammen: eine Gavatine von Raff, Pensee fugitive von\nSt. Heller und Ernst, und die Reverie von Ernst,\nund zwar alles unter dem rauschendsten Beifall des Pu-\nblicums, welches die jungen Damen förmlich liebgewonnen\nhatte und sich an ihren, vom Hauche weiblicher Poesie\ndurchwehten Leistungen wahrhaft entzückte.\nZwischen jenen Instrumental-Solovorträgen hörten\nwir: „Gesang der heiligen drei Könige\", für 3 Solostimmen\nund Orchester von Max Bruch, die Solostimmen vorge-\ntragen von 2 Mitgliedern der Concordia: Herren Goeb\nund Hermans, und Herrn Krolop vom Stadt-Theater\nin Köln. Es ist dies ein edel gehaltenes und namentlich\nin der Orchester-Figuration reich ausgearbeitetes Stück,\nwelches den anwesenden Musikern vieles Interesse bot, je-\ndoch vom grossen Publicum öfter gehört werden muss,\num völlig aufgefasst und goutirt zu werden. Es wurde\ntrefflich und mit vielem Ausdruck zu Gehör gebracht.\nFerner „Salamis, Siegesgesang der Griechen\", Text\nvon H. Lingg, für Männerchor und Orchester compo-\nnirt von Friedr. Gernsheim, Manuscript, unter Lei-\ntung des Componisten. Dieses ist ein frisches charakte-\nristisches und schwungreiches Werk, das seinen Autor\nlobt, und wie deren der Männergesang noch viele gebrau-\nchen kann, statt der Menge faden Zeuges, womit er heut-\nzutage überschwemmt wird. Es wurde aber auch von dem\ncirca lOOstimmigen Chor der Concordia, dem ein gewal-\ntiges Orchester gegenüber stand, aufs prächtigste ausge-\nführt, so dass das Auditorium wahrhaft hingerissen war,\nund der Componist der mit reichem Beifall empfan-\ngen und entlassen wurde —, wie es schien, nicht minder.\nDas Werk kann man den Vereinen empfehlen; es ist ein\nwürdiges Gegenstück zu Bruch's Römischem Triumph-\nGesang.\nDas Haupt-Vocalwerk des Abends war Wilhelm\nTschirch's vor vielen Jahren schon einmal durch die\nConcordia aufgeführte Preis-Composition „Eine Nacht\nauf dem Meere\", welche jetzt wie damals das Publicum\nim höchsten Grade ansprach und eine Reihe Bilder oder\nScenen aus dem Seeleben in reichem Wechsel und hüb-\nscher musicalischer Form an dem Ohr des Hörers vor-\nüberführt. Die Chöre, namentlich „der Sturm auf der\nSee\" und der Schlusschor mit fugirtem Satze sind von\npompöser Wirkung, das Orchester ist überall sehr ge-\nschickt behandelt, und die Soli bieten den betreffenden\nSängern Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Herr Goeb\nsang das Lied von Heimath und Liebe sehr schön und er-\nwarb sich allgemeinen Beifall; ebenso Herr Krolop, der\nuns die Meeresstille in ihrer ersten Schauerlichkeit und\nnachher das lustige Matrosenleben mit dramatischer Fär-\nbung vortrug. Herr Krolop verdient um so mehr den\nDank und. die Anerkennung, die ihm geworden, als er\nunvorbereitet für einen anderen Sänger, der im letzten\nAugenblick verhindert wurde, einsprang, seine Partie ohne\nProbe mit dem Orchester dennoch schön und sicher\nvortrug.\nDas Concert war also ein wahrhaft genussreiches\nund hielt das Auditorium bis zur letzten Note in freudiger\nSpannung. Nachher verfügte sich die jüngere Welt in die\noberen Säle des Kurhauses und beschloss hier das Fest\nmit einem glänzenden Balle. (E. d. G.)\n\nAus Bremen.\nDen 2. December 1866.\nMit Ausnahme der Aufführung von Reintbaler's Ora-\ntorium „Jephtha und seine Tochter\" in der Domkirche ist\nüber Musik wenig zu berichten. Hr. Musik-Director Rein-\nthaler hat zwischen der ersten Vorführung seines Werkes\nund der jetzigen Wiederaufnahme bierselbst eine fast zu\nbescheiden lange Pause eintreten lassen. Indess ist sie der\nWürdigung desselben förderlich gewesen; man hörte in-\nzwischen eine Anzahl einzelner Nummern und konnte so-\nmit, über das Einzelne orientirt, nun das Ganze auf sich\nwirken lassen. Der Prüfstein jeder grösseren Composition\nist nicht die erste, sondern die zweite oder dritte Auffüh-\nrung. Der „Jephtha\" hat diese Probe bestanden. Schon\ndas erste Mal unbedingt gut aufgenommen, dürfte er dies-\nmal in der Gunst unseres Publicums noch bedeutend ge-\nstiegen sein. Wir hörten darüber wenigstens nur Eine\nMeinung. Schade, dass diese nicht ihren unmittelbaren\nAusdruck erhalten konnte. Während in den Concertsälen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.6", "texte": "des Applauses manchmal eher zu viel als zu wenig ist,\nversagt uns eine löbliche Sitte in der Kirche jede laute\nAnerkennung. Auch abgesehen davon, ist aber für den\n„Jephtha\" der Concertsaal wohl der geeignetere Raum.\nNicht dass in dem Oratorium auch nur eine Stelle den\nreligiösen Sinn verletzte; der Geschmack und Tact des\nComponisten geben dagegen die unbedingteste Bürgschaft;\naber das religiöse Element tritt im Laufe der Handlung\nimmer mehr zurück; die letzte Hälfte spitzt sich zu einer\nArt von bürgerlichem Trauerspiel zu, und da es für unser\nmenschliches und ästhetisches Gefühl absolut unmöglich\nist, das Opfer der Mirjam sich wirklich vollziehen zu sehen,\nso musste nothwendig dem biblischen Text Gewalt ange-\nthan werden. Auf die musicalische Seite des Werkes\ndürfen wir wohl nicht mehr zurückkommen. Die bedeu-\ntendsten Nummern sind, wie gesagt, von früher her be-\nkannt, und dass sie Bestandtheile eines wirklichen\nGanzen, dass das Werk in einem Geist geschaffen ist,\nwerden die Hörer nun wohl herausgehört haben. Es ist\nim besten Sinne des Wortes eine moderne Composition,\nohne hervorstechende Genialität, gegen welche sich auch\nschon das Sujet etwas spröde zeigt; deutlich an einige\ngrosse Vorbilder erinnernd, darunter Händel und Men-\ndelssohn, ist es doch in Wahrheit eine selbstständige Con-\nception; auch dies tritt bei einem wiederholten Hören\nimmer mehr hervor. Die letzte Hälfte des Oratoriums ist\ndie wirksamste, fesselndste, und so folgt man denn dieser\nMusik mit ihren tlüssigen, edlen Melodieen, ihren gewähl-\nten aber niemals verkünstelten harmonischen Modulationen\nund ihrer Seelenmalerei bis zum Schluss mit unge-\nschwächtem, ja, steigendem Interesse.\nDie beiden Haupt-Solopartieen des Oratoriums sind\nselbstverständlich die des Jephtha und der Mirjam. Jene\nist in gewisser Hinsicht die dankbarste, diese die schwie-\nrigste. Der Sänger des Jephtha verfügt über einen reichen\nStimmungswechsel. Er hat den Zorn des verbannten Hel-\nden, die Trauer des Patrioten, die Gewalt des Rufers im\nStreite und die Verzweiflung des Vaters zum Ausdruck zu\nbringen, dabei aber freilich, namentlich was die weichen\nStimmungen betrifft, das Grundbild des eisenfesten Mannes\nnicht verloren gehen zu lassen. In letzterer Beziehung\nhat der Sänger wohl des Rechten etwas zu wenig gethan;\neinzelne Stellen erhielten ein zu sentimentales Gepräge.\nIm Uebrigen haben wir in Hrn Hill, seinem bedeuten-\nden Ruf entsprechend, einen gebildeten, mit dem Orato-\nriengesang vertrauten Sänger von schöner, wenn auch\nnicht sehr grosser Stimme kennen gelernt. Die Schwie-\nrigkeiten der Partie der Mirjam, einer der schönsten\nSchöpfungen Reinthaler's, liegen in der entgegengesetzten\nRichtung. Die Aufgabe der Sängerin ist also, den Vortrag\nin der Weise leicht und mannigfaltig zu nuanciren, dass\ndie Grazie und Anmuth der Musik zu ihrem Rechte kom-\nmen und hinwiederum auch nicht der einfache Grund-\ntypus verwischt wird. Dass Fraußübs a men-Veitb sich\ndieser Aufgabe bewusst war, zeigte sie in jedem ihrer\nVorträge, und durch die glückliche Lösung derselben hat\nsie uns einen neuen Beweis von ihrer künstlerischen In-\ntelligenz gegeben. Für die Mitwirkung der Mitglieder der\nAkademie zu den Damenpartieen haben wir wie immer\nnur Dank zu sagen. Das Terzett erhielt durch den seeli-\nschen Klang des zweiten Soprans das schönste Relief.\nWas Chor und Orchester betrifft, haben wir nur\nden ihnen unzweifelhaft gewordenen Dank des Componis-\nten zu wiederholen.\n\nDie Mozart-Stiftung in Frankfurt a. M.\nAusdem achtundzwanzigsten Jahres-Bericht des Verwaltungs-Aus-\nschusses der Mozart-Stiftung theilen wir folgende Nachrichten mit: Der\nVermögensstand unserer Stiftung war am Schlüsse des vergangenen\nGeschäftsjahres auf 48,260 Fl. 26 Kr. angewachsen. Hierzu kam\nzunächst der Ertrag eines vom Liederkranz gegebenen Concertes\nmit 148 Fl. 14 Kr., sodann mehrere Geschenke von Gönnern der\nStiftung, namentlich von Herrn Ernst Pauer aus London. Er hat\nbei seiner Reise nach dem Continent im Beginn dieses Jahres ein\ngrosses historisches Concert veranstaltet, welches durch sein Pro-\ngramm sowohl, wie durch die ausgezeichnete, musicalische Ausfüh-\nrung, wofür wir auch den übrigen Mitwirkenden, den geehrten Da-\nmen des Cäcilien-Vereins, den Herren üirector Geliert und Carl\nHill, so wie dem Liederkranz unseren Dank aussprechen, ungetheilte\nAnerkennung fand. Der pecuniäre Erfolg dieses Concertes entsprach\nder künstlerischen Leistung und gab einen Reinertrag von 800 Fl.\nDurch die oben verzeichneten Geschenke mit dem Zuwachs an\nZinsen ist das Vermögen der Stiftung auf die Summe von 50,376\nFl. 25 Kr. herangewachsen.\nBei dem Heranwachsen des Vermögens unserer Stiftung bis zu\ndem Betrage von 50,000 Fl. waren wir uns wohl bewusst, dass\nunsere Statuten mit der Erreichung eines jährlichen Zinsenertrages\nvon 2000 Fl. zugleich die Gründung eines Conservatoriums ver-\nlangen. Schon geraume Zeit vor diesem Moment haben wir diese\nEventualität scharf ins Auge gefasst. und nach reiflicher Ueberle-\ngung uns die Unausführbarkeit dieser Bestimmung gestehen müssen.\nDa aber die Statuten unserer Stiftung von unserem Senat sanctio-\nnirt sind, so war es nicht in unsere Macht gegeben, einseitig diese\nBestimmung abzuändern. Wir haben darüber einen Bericht einge-\ngeben, über dessen Erfolg wir, bei der veränderten politischen\nLage, erst später eine befriedigende Mittheilung machen zu können hoffen.\nUnser jüngster Stipendiat Leonhard Wolff von Crefeld setzt\nunter der Leitung seines Meisters Ferdinand Hiller in Köln seine\nStudien mit Eifer und mit sichtlichem Erfolge fort. Hiller selber\nspricht sich darüber mit rückhaltloser Anerkennung aus. Da Wolff\neine besondere Begabung für die Violine hat, so wird er den Win-\nter auch noch in Brüssel den Unterricht Leonard's benutzen, wäh-\nrend Herr Hiller es freundlichst zugesagt hat, dessen Compositions-Stu-\ndien auch ferner zu überwachen.\nGez. Dr. Ponfick, Präsident,\nDr. Eckhard, Secretär."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.7", "texte": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 4. December 1866.\nDas vierte Coneert brachte eine jener grossartigen Aufführun-\ngen, die zwar nicht immer die Menge anziehen, aber für jeden Con-\ncertbesucher, der die Musik nicht bloss als ein Erholungs- oder gar\nZerstreuungsmittel ansieht, sondern als eine erhebende und ver-\nedelnde Kunst, immer ein hoher, festlicher Genuss sind. Desshalb\nist es denn auch für Concert-Anstalten, welche auf den Namen eines\nKunst-Institutes Anspruch machen, eine unabweisbare Pflicht, von\nZeit zu Zeit solche Aufführungen zu bewerkstelligen, unbekümmert\num das Geschwätz jenes nobeln und ignobeln Theiles des Publicums,\nwelches den Ruf des weiland kaiserlich römischen Volkes: „Panem\net Circensesin „gute Diners und Polkamusik\" übersetzt und zum\nWahlspruch genommen hat. Glücklicher Weise ist jedoch die Zahl\nderjenigen Kunstfreunde am Rhein und in ganz Norddeutschlandi\nwelche an Oratorien und an oratorienartigen Werken noch wahre\nFreude und Erhebung finden, so gross, dass bei Aufführungen der-\nselben den Anordnern keineswegs der Vorwurf einer ausschliesslichen\nBerücksichtigung der musicalischen Aristokratie gemacht werden\nkann, sondern vielmehr das Lob dafür zuerkannt werden muss, dass\nsie die Würde der Kunst durch Concessionen an den populären\nGeschmack nicht compromittiren. Noch zeigt sich z. B. bei unseren\nMusikfesten stets eine hohe Empfänglichkeit, die sich oft bis zur\nBegeisterung steigert, für die Aufführung von Oratorien, und eben\nso füllen sie in den Schwesterstädten Aachen, Düsseldorf, Bonn,\nElberfeld, Bremen, Coblenz die Concertsäle, wie denn auch hier der\nGürzenichsaal am Dinstag, wenn auch nicht überfüllt, doch gut be-\nsetzt und namentlich auch die Galerie von Nicht-Abonnenten zahl-\nreich benutzt war.\nHiller's Oratorium „Saul\" war hier seit acht Jahren nicht auf-\ngeführt worden: wir müssen es daher dem Concertvorstand Dank\nwissen, dass er dieses grossartige und geniale Werk des vaterländi-\nschen Meisters auch wieder einmal auf das Programm brachte.\nUeber Charakter, Form und Bau des ganzen Werkes haben wir\nuns früher ausführlich (vgL Niederrheiniscte Musik-Zeitung, Jahrg.\n1858. Nr. 2, 3, 6, ferner 23 und 24) und noch kürzlich in Nr. 336\nder Kölnischen Zeitung ausgesprochen. Wir tragen hier nur nach,\ndass die Zuhörerschaft dem Werke von Anfang bis Ende mit ge-\nspannter Theilnahme folgte und das will etwas sagen, denn es\nist für die heutige Welt freilich zu lang und dass eine grosse\nZahl von Chören und Sologesängen mit lebhaftem Applaus aufge-\nnommen und der Componist am Schlüsse gerufen wurde.\nSollten wir die Verdienste des mitwirkenden Personals um die Aus-\nführung classificiren, so müssten wir dem Orchester, von welchem\ngewaltig viel verlangt wird, den ersten Preis zuerkennen. Der Chor\nhat sich auch wacker gehalten, die Einsätze waren präcis bis auf\neine Stelle im Bass, welche wir übrigens nur desswegen erwähnen,\nweil die einzelne Stimme, welche einsetzte, in ihrem Rechte war.\nDie originelle Idee Hiller's, ein Schlachtgemälde im Orchester durch\neinen Chor der zuschauenden Frauen anschaulich zu machen, kann\nfreilich nur durch einen doppelt so starken Frauenchor, als hier zur\nVerfügung stand, zur vollen Geltung kommen: beim Musikfeste im\nJahre 1858 war die Wirkung eine wahrhaft imposante.\nBei Besetzung der Soli war eine von jenen unvorhergesehenen\nVerlegenheiten eingetreten, welche Coneert- und Theater-Directionen\noft zur Verzweiflung bringen können. Frl. Bodinus, deren schöne,\nvolle Stimme wir bereits durch einige Vorträge in engeren Kreisen\nschätzen lernten, würde bei ihrem ersten öffentlichen Auftreten in\nder hgrrlichen Partie der „Michal\", welche ihr zugetheilt worden\nwar, gewiss den besten Erwartungen, die man von einem jugend-\nlichen Talente hegen kann, entsprochen haben, wurde aber\ndurch plötzliches Unwohlsein daran verhindert. Frl. Ehmans,\nebenfalls Schülerin des hiesigen Conservatoriums, hatte die grosse\nGefälligkeit, für ihre Kunstgenossin einzutreten, studirte die* Partie\nin wenigen Tagen und gab durch die den Verhältnissen nach be-\nfriedigende Lösung schwierigen Aufgabe einen höchst ehren-\nvollen Beweis ihrer musicalischen Bildung. Die kleine Altpartie\nder „Zauberin von Endor\" wurde von Frl. Kneip, ebenfalls vom\nConservatorium, mit wohltönender Stimme gesungen. Die Männer-\nsoli waren bei den Herren Hill (Saul) von Frankfurt a. M., Schild\n(David) vom Theater zusLeipzig, undKrolop (Samuel) vom hiesigen\nStadt-Theater sehr guten Händen oder vielmehr vortrefflichen\nStimmen anvertraut; sie trugen gar sehr zum Erfolg des Ganzen\nbei und wurde ihnen mit Recht auszeichnender Applaus zu Theil.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÜLSIII. Die Soireen für Kammermusik im Saale des\nHotel Disch, unter Mitwirkung des Herrn Capellmeisters F. Hill er\nvon den Professoren des Conservatoriums, den Concertmeistern von\nKönigslöw und Japha, F. Derckum, A. Schnait, J. Seiss,\nGernsheim, Eudorf veranstaltet, haben am Dinstag den 27.\nNovember Abends 7 Uhr wieder begonnen und wie immer ein ge-\nwähltes Publicum versammelt. Es ist keine Frage, dass diese treff-\nlichen Ausführungen trefflicher Musik, wobei die Virtuosität nur\nMittel zum künstlerisch vollendeten Vortrag ist, am meisten zur\nBildung des Geschmacks wahrer Kunstfreunde beitragen, zumal da\ndie Grundsätze des Vereins uns vor jeder excentrischen Abweichung\nvon der Kreislinie des Classisch-Schönen bewahren. Das Programm\nder ersten Soiree brachte das Violin-Quartett in F-dur von Mo-\nzart, Clavier-Trio in Es Op. 1. von Beethoven (Herr J. Seiss)\nund Violin-Quartett in Es-dur Nr. 10 von Beethoven.\nDas C onser vatorium wird sechs Musik-Abende veran-\nstalten, zu denen die Schüler der Anstalt, ihre Eltern und Angehö-\nrigen und sonstige Freunde der Musik und Gönner der Anstalt Ein-\ntrittskarten erhalten. Der erste Abend fand am 26. November im\nIsabellen-Saale des Gürzenich Statt. Das Programm brachte fünf-\nzehn Nummern, darunter zehn für Gesang! Das ist offenbar des\nGuten zu viel: erstens sieht es zu anspruchsvoll aus, zweitens\nschwächt es die Aufmerksamkeit und Theilnahme der Zuhörer, drit-\ntens bringt es die Gefahr mit sich, dass in den sechs Winter-Mo-\nnaten für die sechs Musik-Abende mehr zum Zweck öffentlicher\nProduction, als wirklicher Kunst-Fortschritte studirt werde. Dass\ndie Zöglinge einer Musikschule an öffentliches Auftreten gewöhnt\nwerden, ist ganz in der Ordnung, aber\nEst modus in rebus, sunt certi denique fines\nQuos ultra citraque nequit consistere rectum!\nNun noch ein Wort Latein: Fiat applicatio! Wovon viel-\nleicht die Folge ist, dass wir am nächsten Musik »Abend zwanzig\nNummern zu hören bekommen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661208-01.1.8", "texte": "Frau Madeleine Johnson-Gräver, Hof-Pianistin der Kö-\nnigin von Holland, gab am 30. November eine Soiree im Hotel\nDisch. Allerlei für die Künstlerin in hohem Grade, für uns aber\nnach Erfahrung weniger unerwartete Zufälle verhinderten dieselbe,\ngrössere Werke, so wie sie es beabsichtigte, vorzutragen, z. B.\nMendelssohn's Quartett in H-moll. Mit der zuvorkommenden Unter-\nstützung des Herrn Concertmeisters von Königslöw konnte sie\nuns jedoch den Genuss bereiten, eine so gut wie unbekannte, recht\nartige Sonate für Piano und Violine von Dussek und die herrliche\nvon Beethoven hören zu lassen, deren Ausführun-\ngen allen Anforderungen des classischen Vortrags, wie man ihn von\nsolchen zwei Künstlern nicht anders erwarten kann, entsprachen»\nIn ihren Solovorträgen der grossen Polonaise mit dem vorhergehen-\nden Andante spianato von Chopin, zweier kleinerer Stücke von\nJ. Se B'ach und eines Concert-Capriccio's von eigener Composition\n(brillant und anmuthig und über den gewöhnlichen Ton von Virtuo-\nsenstücken weit hervorragend) zeigte Frau Gräver in noch erhöhtem\nGrade als in ihrer Leistung im Gürzenich-Concert die vollendete\nBeherrschung ihres Instrumentes sowohl in dem, was eine, bei einer\nDame namentlich, staunenswerthe Kraft des Tones besonders in den\nBasspassagen und Octavengängen betrifft, als in der Behandlung der\nMelodie und des perlenden Tonspiels in den mittleren und höchsten\nOctaven durch zarten, wie versagenden und fein nuancirten Anschlag.\nIhr Erfolg war bei Musikern und Dilettanten ein glänzender.\nFrankfurt a. den 26. November. In der dritten\nvon den Soireen für Kammermusik, welche die Herren Heer-\nmann, Lübeck und Genossen diesen Winter geben, spielte Frau\nSchumann das Quartett in Op. 26, von Job. Brahms, für\nPianoforte, Violine, Bratsche und Violoncell, worüber der Referent\nder „Didaskalia\" u. A. schreibt: „Ganz der neueren Richtung hin-\ngegeben besitzt Brahms eine reiche Fantasie und es steht ihm eine\nkünstlerische Gewandtheit im Satz zu Gebote, die er in sehr aner-\nkennenswerther Weise in diesem Quartett bethätigt. Allegro und\nAdagio möchten wir trotz der hierin sehr geschickt angewendeten\nInstrumentalefFecte hinsichtlich des musicalischen Werthes hinter das\nScherzo und Finale verweisen. Das Scherzo ist unstreitig eine\nsehr geniale Arbeit, die in jeder Beziehung Beachtung verdient.\nDas erste Thema im Finale, ein recht origineller, etwa einer unga-\nrischen Weise sich nähernder Gedanke, birgt ein charakteristisches\nKennzeichen der Weimar-Leipziger Schule die Ueberkleidung der\nmusicalischen Cäsur sehr hervortretend in sich; beim erstmali-\ngen Anhören frappirt es durch das nicht entschiedene Auftreten\ndes Rhythmus; ein sforzando im Piano, das im Gegensatze zu den\nmarkirten Noten der Streich-Instrumente auf die leichte Zeit fällt,\nlässt uns erst nach einigen Tacten den zweitheiligen Tact heraus-\nfinden. Die Ausarbeitung dieses Satzes ist in ihrer Weise recht ge-\nlungen, nur hätten wir Alles etwas weniger breit gewünscht. An\nderselben nur zu gründlichen Ausdehnung laborirten auch die übri-\ngen Hauptsätze, so dass die Ausführung dieses Quartetts nahezu\neine Stunde in Anspruch nahm. Und das ist denn des Guten doch\nein wenig zu viel. Die Herren He ermann, Welker und Lübeck\ntrugen im Verein mit Frau Clara Schumann das Werk in selte-\nner Vollendung vor, was denselben auch durch den gerechten Bei-\nfall hinlänglich kund gegeben wurde.\nDass das darauf folgende, in sehr meisterhafter Weise vorge-\nführte F-dur-Quartett (Nr. 8) von Mozart einen eigentümlichen\nContrast auf das Publicum ausübte, unterliegt keinem Zweifel.\nMusste man sich vorher durch die labyrinthischen Gänge, allerdings\nhier und da erhellt von lachenden Sonnenblicken, durchwinden, um\nzu dem lange gesuchten Ausgange zu kommen, so sah man sich\n„etzt in einen Garten versetzt, worin man nicht nur an der Regel-\nMässigkeit kunstvoll angelegter Beete voll prangender Blumen sich\nweiden, sondern sich auch der gänzlichen Befriedigung seines Schön-\nheitssinnes ununterbrochen und ungestört überlassen durfte.\nDl*es<leil« Am 29. November ist hier Julius Rietz, k.\nsächsischer Hof-Capellmeister, gestorben. Er war 1812 zu Berlin\ngeboren.\nDie Sängerin Frau Dr. Leisinger hat die königliche Bühne\nin Stuttgart verlassen und sich ins Privatleben zurückgezogen."}]}