{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-12-22-01", "volume": "bmtnabi_1866-12-22_01", "ocr_sha256": "8ce3d24e52965bc3909c15d1f554573e7dcc6818f4d2dbd00716215e3bc21e5a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/12/22_01/bmtnabi_1866-12-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-12-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "401", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 430, "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber als Schriftsteller. 111. Pariser Briefe. 11. (C. M. v. Weber's „Freischütz\" in Paris\nvon 1824 bis 18G6.) Fünftes Gresellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Erstes\nAbonnements-Concert der Singakademie. Minden, Concert des Musikvereins. Karlsruhe, Hofcapellmeister Joseph Strauss \"f. Johann\nWenzel Kalliwoda f. J. Rheinbergers Sinfonie „Wallenstein\". u. s. vv.j."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-22_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-12-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "404", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.2.2", "titre_corps": "Carl Maria von Weber als Schriftsteller.", "titre_sommaire": "Carl Maria von Weber als Schriftsteller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.1", "debut_caractere": 432, "fin_caractere_exclue": 4070, "texte": "Carl Maria von Weber als Schriftsteller.\nIII.\n(I. S. Nr. 47. 11. S. Nr. 48.)\nWenn wir von Weber als Schriftsteller Rückschlüsse\nauf ihn, den Menschen, machen wollen, so ist das Interes-\nsanteste, was sich uns auch naturgemäss zuerst aufdrängt,\nzu untersuchen, wie Weber über sich selbst schrieb. Um\ndem Leser nicht vorzugreifen, wollen wir die vorliegenden\nFälle der Reihe nach mit ihm durchgehen, wir hoffen in\nderen Auffassung und Auslegung nicht mit ihm aus einan-\nder zu gehen, denn die Sache liegt nirgends unklar da.\nUnter dem Namen Melos, der ihm als Mitglied des\nharmonischen Vereins angehörte, begegnet uns Seite 72\nein Bericht über ein Concert in der Margarethen - Kirche\nzu Gotha, 3, X, 1812, über welches die Leser von\nSpohr's Selbstbiographie auch von dorther unterrichtet\nsind, da dieser die Hauptrolle dabei übernommen hatte.\nWeber hatte mitgewirkt und berichtete selbst: „Weber\nspielte nur eine kurze Fantasie und Variationen über\ndie schöne Romanze aus der Oper Joseph. . . Einige\nverstimmte Töne in der Höhe des übrigens volltö-\nnenden, schönen Instrumentes schienen auch ihn für\neinen Augenblick zu verstimmen; aber alsobald verschwand\ndieses, und er spielte mit dem an ihm bekannten Vortrage\".\nEr verhehlte also nicht, dass er Anfangs verstimmt war;\ngab freilich aber den Grund dazu an, lobte übrigens das\nInstrument, wodurch der Erfolg des Spiels auch hierauf\ngeleitet, und nennt seinen Vortrag zwar „bekannt\", ge-\nstattet sich aber auch nicht das geringste Lob darüber.\nStreng und schadenfroh, was so viele Kritiker für ihre\nwürdevolle Pflicht halten, ist das allerdings nicht; allein\nauch nicht etwa wohlwollend oder gar fördernd, ganz\nabgesehen davon, dass Weber von sich hätte Reclame\nmachen können.\nBei einem Artikel der neu. entstandenen Musicalien-\nHandlung von Schlesinger in Berlin, der ersten, welche\ndort eine Bedeutung in Anspruch nehmen konnte nach\nder Art, wie siesich zu den Interessen der Kunstgeschichte\nstellte, führt er zur Charakterisirung des Unternehmers\neine Reihe in Verlag genommener Werke an und fügt\nzum Schluss auch seine Oper Sylvana, die damals Auf-\nsehen erregt hatte, und „einige Werke\" ein. Hier in der\nOeffentlichkeit, wo sein Name nicht genannt wurde, wo\ndiese Unterordnung also ihren persönlichen Ursprung\nnicht zu erkennen gibt, brachte nur seine Bescheidenheit\nihn um den ihm gebührenden Platz.\nSeite 104 steht: Die Ouvertüre der Oper: „Der Be-\nherrscher der Geister\", von C. M. v. Weber, eröffnete,\ngut gegeben, das Ganze.\nSeite 108 bespricht er zwei Concerte, die er selbst\ngegeben. Ueber ihn ist nichts in dem Referate enthalten,\nund bezüglich des Programms heisst es: „Weber's Streben\ngeht sichtlich immer dahin, das Publicum an ernste Rost\nzu gewöhnen.\" Das ist alles. Allein an Tadel fehlt es\nnicht, der sich auf „einige Flecken im Adagio\" bezieht.\nlm 2. aber spricht er sich über seine Ouvertüre zu\nTurandot (nach einer echt chinesischen National-Melodie)\nso eigen aus, dass wir die Worte folgen lassen müssen.\n„Trommeln und Pfeifen tragen die seltsame, bizarre Me-\nlodie vor, die dann, vom Orchester ergriffen, in verschie-\ndenen Formen, Figuren und Modulationen festgehalten\nund ausgeführt ist. Gefälligen Eindruck kann es, ohne\nsich ganz an die Tendenz der Sache zu halten, nicht her-\nvorbringen, aber ein ehrenwerth gedachtes Charakterstück\nmag es sein.\" Mehr patronisirend von oben herab hätte\nkaum ein Compositionslehrer über einen mittelmässigen\nSchülerschreiben können. Wenig besser ergeht es seinem:\n„Der erste Ton, Gedicht von Rochlitz mit Begleitung des\nOrchesters und Chors.\" Tadelnd heisst es, er hätte das\nGedicht etwas in Schatten gestellt. Das Lob, wozu er"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5278, "texte": "sich bei der tadellosen Ausführung und dem Beifalle des\nPublicums auch herbeilässt, das grosse, besteht darin,\ndass ihm „die Idee glücklich scheint\", den Chor, nach-\ndem der Redner die Schöpfung und die heilbringende\nWirkung des Tones ausgesprochen hat, in das Lob des-\nselben ausbrechen zu lassen.\nDieses sind die Belege, welche wir auffanden. Aus\nihnen geht hervor, dass Weber die Anonymität nicht etwa,\nweil er es ungestraft, ja, unbemerkt gekonnt hätte, für\nsich ausbeutete, sondern dass er nach der Natur hoher\nGeister, die um so strenger gegen sich sind, wenn kein\nGericht über ihnen schwebt, im Gegentheil sich für ver-\npflichtet hielt, seinen Egoismus zu unterdrücken, und nicht\nanders konnte, als missgünstig und ungerecht gegen sieb\naufzutreten.\nGewiss wird es äusserst selten geistige Organismen von so\nobjectiver Zwei-Theilbarkeit geben, dass sie als Künstler\nschaffen und als Kritiker das Geschaffene gerecht wägen kön-\nnen. Bei solchen hätten wir nichts dagegen, dass sie in der\nMaschine des Kunstlebens beide Rollen übernähmen. Dass\nReclamen nicht zu billigen sind, versteht sich von selbst.\nIm vorliegenden Falle möchten wir es beklagen, dass\nWeber keinen anderen Homer fand, als sich selbst; denn,\nwenn er in seiner für Wendt geschriebenen Lebensskizze\nzum Schluss als Leichenschrift für sich sagte: „Hier liegt\neiner, der es wahrhaft redlich und rein mit Menschen und\nKunst meinte\", so müsste ergänzt werden: „nur mit sich\nselbst nicht\".\nDiese Lebensskizze war übrigens nicht etwa in der\ndritten Person, etwa druckgerecht zur unmittelbaren Ver-\nöffentlichung geschrieben; sondern ist mehr eine grosse\nNotiz zu einer solchen, in der alle anderen, nur er selbst\nnicht gerade gut fortkommen. Der Einfluss seines\nVaters wird nur gelobt, sein Waldmädchen nennt er\nhöchst unreif. Vogler's geschieht natürlich wieder mit\nungemessener Ehrfurcht Erwähnung. „Möge es mir einst\ngelingen, diese seltene psychologische Kunst-Erscheinung\nder Welt klar vor die Augen zu stellen!\" ruft er dort aus.\nDas Uebrige ist so schlicht und einfach gehalten, dass\nman die Uneigennützigkeit des vortrefflichen Mannes nicht\ngenug bewundern kann.\nEs bedarf wohl nicht der Erwähnung, dass er in den\nvorbereitenden Artikeln, welche er in Dresden neuen\nWTerken vorausgehen liess, sich selbst stets umging.\nSicher zieht hieraus mit uns ein Jeder die erfreuliche\nUeberzeugung, dass Weber in dem gefährlichen Conflicte,\nder den über sich selbst Schreibenden ergreift, nicht nur\nfleckenrein, sondern sogar geschmückt mit den Verdien-\nsten der Selbstverläugnung und Selbsthintenansetzung\nhervorgegangen ist.\nPrüfen wir nun, wie er sich zu den Menschen stellte,\nwelche das Schicksal mit ihm in Berührung brachte, so\nkönnen wir ihm im Ganzen nicht die Anerkennung zollen,\ndass er mit unparteiischer Auswahl oder mit überlegter\nWürdigung daran ging, diese und ihre Leistungen zu be-\nsprechen. Dazu war er zu wenig Schriftsteller, war es\nihm zu wenig darum zu thun, ein Spiegel seiner Zeit in\ndiesem Sinne zu werden und deren Schwerpunkt aufzu-\nsuchen. Aus der Art und Weise, wie er über die Be-\ntreffenden schreibt, geht nur gar zu sehr hervor, wie er\nzu ihnen steht. Allein nicht in dem niedrigen Sinne, mit\ndem man eine solche Thatsache bei dem Durchschnitt der\negoistischen Menge auszulegen hätte, sondern in einer\ndavon weitab weichenden, so, dass man den warm em-\npfindenden, in begeisterter Liebe wie tiefer Kränkung über-\nströmenden, vortrefflichen Menschen, weil er des Mathe-\nmatikers gerade Linie schwer innezuhalten vermag, aus\nden Ueberschreitungen nur erst um so lieber gewinnt.\nDas Schlimmste, wozu ihn seine Natur brachte, war\nwohl die Analyse 12 Vogler'scher Choräle, welche\nlehren sollte, wie hoch Vogler's System über Bach's\nMuse stand. Hier nimmt man mit Betrübniss wahr, ein\nwie verderbliches Spiel die Natur zuweilen treibt, indem\nsie einzelne Individuen, die sie gleich Kometen ihre\nschwerer zu berechnenden Bahnen am Kunsthimmel ziehen\nlässt, wie Vogler u. a., mit einer Beeinflussungskraft aus-\nstatttet, welche zumal der aufrichtig strebenden Jugend\ngegenüber ihren Zauber am mächtigsten übt.\nDas Prädicat der höchsten Objectivität gebührt den\nBerichten über seine Freunde Meyerbeer, G. Weber,\nGänsbacher, Hoffmann u. a.; denn hier fühlte er deren\nInteresse mit dem seinigen identisch, und doch war er\nnicht gelähmt, wie bei sich selbst, wo die Furcht des Re-\nclamemachens ihm die Dinte austrocknete. Manchen mag\nes dabei Wunder nehmen, zumal eine Partei; die nur\nschwärmen und anbeten oder verdammen mag, dass We-\nber Meyerbeer nach seinen ersten Werken so hoch stellte.\nWer jedoch einen Blick in diese früheren Werke gethan,\nder wird sich dem Eindrucke nicht entziehen können, dass\ner es mit höchst originellen, das Beste versprechenden\nCompositionen zu thun hat. Und, sobald der jüngst ver-\nstorbene, lorbergekrönte Gott der grossen Oper sich in\ndie Geleise begab, denen er zu seinem Schaden, unseres\nErachtens seinen Glückswagen immer rückhaltloser\nanvertraute, da fühlte auch Weber sich gehalten, öffent-\nlich seine abweichende Meinung darüber auszusprechen.\nBei seinen Freunden, und deren hatte der heitere,\noffene und anspruchslose, im wahren Sinne des Wortes\nLiebenswürdige sehr viele, hätte er unseres Erachtens\nwohl zuweilen die Farben ein wenig lebhafter auftragen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5383, "texte": "dürfen; denn das Neue muss der Menge gegenüber nicht nur\nmit dem Maasse der eigenen, sondern auch der bei dieser\nfehlenden Liebe gehegt werden, dass es fortkomme. Mit\nwelchem Maasse er seinen Feinden vergalt, das lehrt sein\nArtikel: „ Ueber das Oratorium Isacco von Morlacchi\", aus\ndem Jahre 1817. Morlacchi war das böse Princip seines\nLebens. Morlacchi stand zwischen ihm und dem von ihm\ngeliebten Königshause. Morlacchi wusste seine Bestre-\nbungen verunglücken zu machen und das von ihm Er-\nstrebte sich zu erringen. Molacchi untergrub sein An-\nsehen, verbinderte sein Aufkommen, wusste ihn durch\nAufwälzung der eigenen Arbeit zu erdrücken. Das wusste\noder ahnte er schon, als er über Isacco schrieb, und doch\ngeben die Worte nichts davon zu erkennen, im Gegen-\ntheil zeugt der Aufsatz von dem aufrichtigen Streben,\nwohlwollend zu sein.\nEine Reihe von Veröffentlichungen nimmt eine beson-\ndere Berücksichtigung für sich in Anspruch. Es sind\nerstens seine Entgegnungen gegen Berichterstatter, welche\nden Werken, die er aufführte, und den ihm untergebenen\nKräften zu nahe traten oder fmitgetheilt hatten. Auf-\nrichtig gesagt, thut es uns weh, dieselben kennen gelernt\nzu haben, und müssen wir sie zu den Uebereilungen zäh-\nlen, deren eine sanguinische Musiker-Natur nur zu leicht\nfähig ist. Es ist ein eigen Ding um die öffentliche Kritik,\nund die Sache liegt durchaus nicht so klar, wie der Unbe-\nfangene meinen mag; denn nirgends ist es so schwer, den\nidealen Ansprüchen gerecht zu werden, wie hier. Eine\njede Zeitung muss ihren musicalischen Berichterstatter\nhaben; der kritischen Capacitäten gibt es aber nur wenige.\nDass des Mittelmässigen dabei sehr viel mit unterläuft, ist\nleicht erklärlich. Freilich erwächst hieraus den Redac-\ntionen der Vorwurf, denen es Pflicht wäre, ihren Mitar-\nbeitern keinen grössern Einfluss zu gestatten, als ihre\ngeistige Bedeutung mit Nutzen zum Frommen der Sache\nauszuüben wüsste. Allein wie viele Redactionen stehen\nauf so universeller Höhe, dass sie ein solches Richteramt\nausüben könnten! Kurz, die Kritik, welche so recht aus\nobjectiver Höhe herab Alles anschauen sollte, ist der Regel\nnach so recht von nichts weiter als Persönlichkeiten\nabhängig. Einer solchen gegenüber gibt es nur zwei Wege\ndes richtigen Handelns, entweder man kümmert sich gar\nnicht darum, oder man fasst sie rein praktisch, d. b. per-\nsönlich auf, indem man schlechte Subjecte durch bessere\nzu ersetzen sucht. Gelegentliche Erwiederungen können\nwie Blitze nur momentan blenden, nicht dauernde Helle\nbereiten, und ihnen folgt das Dunkel in verstärkter Un-\ndurchdringlichkeit. Jedenfalls hat Weber das Richtige ver-\nfehlt. Auch in diesem Fehler erscheint er aber geistreich,\nschlagend und witzig.\nFerner zählen wir hieher seine Warnung an das mu-\nsikliebende Publicum contra Hofmeister, der ohne Scheu\nein Werk Weber's in einem verstümmelten Arrangement\nedirte und Weber brieflich darüber (allerdings cynisch\ngenug) abgewiesen, und ein Rundschreiben an sämmtliche\nBühnen, in dem er sich gegen diebische Copisten und ge-\nwissenlose Musikhändler, wieZulehner in Mainz, verwahrt\nund seinen Oberon selbst zum Verkauf anbietet. Erwägt\nman, wie übel dem geistigen Besitze mitgespielt wird, wie\ngerade geistvolle Menschen zumeist mehr Ansprüche an\ndas Leben machen müssen, als der grobe Mittelschlag,\nwie im schneidenden Contraste die untergeordnete Thätig-\nkeit anderer Berufe mit Gold und Ehren gelohnt wird,\nso dürfte die Gereiztheit Weber's in dieser Hinsicht nicht\nunerklärlich erscheinen, 'und der widrige Eindruck, den\nsolche Schritte hinterlassen, darf uns nicht verleiten,\ndem Unschuldigen einen Vorwurf daraus zu machen.\nEndlich handelt es sich um eine Entgegnung auf eine\nVeröffentlichung Müllner's, der Weber vorrückte, das Lied\nder Brunhilde in seiner Yngurd unrichtig componirt zu\nhaben. Es handelte sich kurz darum, dass Müllner die\nmetrischen Accente als Melodiepointen mit richtigen\nTacttheilen bedacht zu sehen wünschte, während Weber\nan der betreffenden Stelle dazwischen liegende Worte, als\ndie nach seinem Gefühle wichtigen hervorgehoben hatte. Un-\nseres Erachtens sind die ästhetischen Gesichtspunkte,\nwelche Beide aufstellen, nicht zutreffend, Weber's Auffas-\nsung der Worte vom Gefühls-Standpunkte aus nicht un-\ngerechtfertigt, dessen rausicalische Beispiele ad aures je-\ndoch mit Absicht schlecht gewählt. Dass die prosodische\nGrundform dem Musiker zur Basis dienen müsse bei Er-\nfindung seiner Melodieen, hat Weber wiederholt ausge-\nsprochen. Tritt er hier Müllner hartnäckig gegenüber,\nder diesen Satz trocken und breitspurig verficht, so lässt\nsich auch hier die Gereiztheit des Schreibenden nicht\nwegläugnen. Uebrigens hat die Sache ein gewisses Inter-\nesse in so fern, als sie ein kleines Vorspiel abgibt zu\nBoeckh's Verhalten nach der Vorführung von Mendels-\nsohn's Antigone, indem die Frage wiederum ist, ob die\nRhythmik oder die Metrik in der Musik zum wahren Melos\ndas nothwendigere Element gewähre.\nDie hier angeführten Schriftstücke Weber's sind es,\nwelche bei dessen Würdigung als Menschen in Betracht\nkommen. Sie genügen, ihn in seinen Hauptzügen kennen\nzu lernen.\nFern davon, ihn als einen vollendeten Charakter,\nwelcher ohne die richtige Selbstbeherrschung im guten\nund schlechten Sinne nicht denkbar erscheint, wie seichte\nLobhudler und Recept-Schriftsteller lieben, hinstellen zu\nwollen, müssen wir es sogar aussprechen, dass er fast\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1722, "texte": "nirgends das richtige Maass zu halten verstand. Allein\nwer wollte das von einem Manne, der unter so ungünsti-\ngen Verhältnissen, wie die in seiner Familie, erwuchs,\ndessen Leben ihn eine Zeit in die lockersten Beziehungen\nverstrickte, der trotz dessen im Herzen die Stimme des\nlautersten Edelmuths nicht überhörte, dem die Muse ferner\ndie Schaale ihres Nektars so oft zum berauschenden\nTrünke bot, auch verlangen!\nBeklagen wir, dass die Sensibilität der Saiten seiner\nGefühls-Lyra auch die Misstöne, welche sie berührte,\nwiederhallte, so mögen wir auch bedenken, dass diese\nReizbarkeit der Nerven beim Künstler gleichzeitig Quelle\nseiner artistischen Leistungen ist. Erfreuen wir uns da-\ngegen bei den Fällen, wo seine überspannte Uneigen-\nnützigkeit, sein übergrosser „Nicht-Egoismus\", möchten\nwir sagen, ihn missleitete, der aussergewöbnlicben Subti-\nlität seines vorzüglichen Herzens.\nHat doch der Mangel an kalter, vernünftiger Abwä-\ngung aller Momente und das Ueberwuchern der üppig\nemporwachsenden Empfindungen ihm in seinem ganzen\nLeben der Schmerzen genug eingetragen, so dass man\nwohl sagen kann, er hat diese Schwäche redlich abge-\nbüsst. Als Kind, als Liebender, als Untergebener (des\nsächsischen Königshauses) hat seine rückhaltlose Hinge-\nbung reichlich gut gemacht, was er dort gefehlt haben\nmöchte. Dass ein Mann, der so hartnäckig seine Pflicht\nlieben konnte, so schnell damit fertig war, wo es galt,\nBöses mit Bösem zu vergelten, und so starkim Vergessen,\nverdient unsere vollste Hochachtung. Nach reiflicher Ue-\nberlegung konnten wir nicht anders, als diese liebenswür-\ndigen Zügeseines Charakters, mögen sie auch „Schwächen\"\nheissen, auch in seinen schriftlichen Auslassungen sich be-\nthätigen zu sehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-12-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "404", "page_fin": "406", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Er ver-\ntraute auf die einhellige Stimme des kaum je dagewesenen\nBeifalls, die aus Deutschland seit der ersten Aufführung\ndes Freischütz in Berlin (den 18. Juni 1821) herüber\nhallte. Das war ein Beweis von Muth, denn die Zeit, wo\nman in Paris deutsche Musik schätzte, war noch lange\nnicht gekommen, und so hielten denn auch die Uebersetzer\ndes Textes es für nothwendig, dem deutschen Drama ein\nso viel als möglich französisches Gewand umzuwerfen,\nwiesen ganze Personen, wie den Fürsten und den Eremi-\nten, heraus, verschoben und versetzten die Musikstücke\nund machten aus dem deutschen Freischütz eine wahre\nCaricatur.\nDie Oper fiel durch. Dazu trugen aber arge Zufällig-\nkeiten bei: Die Decorationen wurden erst am Tage der\nAufführung fertig, so dass die handelnden Personen sich\nnicht darin zu finden wussten, der Tenor (Max) war\nheiser und musste um Nachsicht bitten, bei Kilian's Schuss\nnach der Sternscheibe fiel ein plumper Vogel wie ein\nMeteorstein unter die Statisten. Man hatte dem Maschi-\nnisten gesagt, er solle den Vogel, der mehr einer Poularde\nals einem Raubvogel glich, sobald er den Schuss höre,\nherunter fallen lassen, hatte aber vergessen zuzusetzen:\nbeim zweiten Schuss! In dieser Weise ging es unter\ngrosser Heiterkeit des überfüllten Hauses fort, bis im\nletzten Finale der alte Förster auf einmal so fürchter-\nlich falsch sang, dass Alles aus dem Tact kam und der\nVorhang unter dem Gelächter des Publicums fiel. Trotz\nalledem waren Caspar's Bacchuslied und der Jägerchor\nda Capo gerufen worden und das phantastische Element\nvon Teufelsspuk und Aberglauben einschliesslich der\nWolfsschlucht (la gorge aux loups) hatte den Eindruck\nauf die Menge gemacht, den das Neue zumal bei den\nFranzosen erregt.\nDer Director verzweifelte nicht; mit den beiden sehr\nkleinmüthig gewordenen Librettisten fuhr er in der Nacht\nbei allen Journal-Redactionen herum und bewog sie, von\ndem Misserfolg am nächsten Tage gar nicht zu berichten\noder ihn zu beschönigen. Dann stellte er einen neuen\nTenoristen an, der ihn viel Geld kostete, besetzte auch\neinige andere Rollen besser, probirte tagtäglich und gab\nnach zehn Tagen die zweite Vorstellung., Und das leidige\nConterfei des Freischütz hatte ungeheuren Erfolg und er-\nlebte im Jahre 1825 140 Vorstellungen und im Ganzen\nfast an 300!\nSpäterhin gaben einige deutsche Opern-Gesellschaf-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5377, "texte": "ten den wirklieben Freischütz in Paris in den Jahren\n1829, 1831, 1838, und zwar mit Künstlerinnen wie\ndie Fischer-Achten und dieSchröder-Devrient in der Rolle\nder Agathe. Die Theater der komischen Oper und das\nspäter entstandene Theätre lyrique brachten die Oper,\nallein stets mit weniger oder mehr Zugrundelegung des\nRobin des Bois auf ihre Bühnen, und im Jahre 1841\nentschloss sich auch die grosse Oper dazu, liess das Buch\nvon Pacini übersetzen und statt des bisher stets beibehal-\ntenen Dialogs Recitative von Berlioz dazu schreiben, weil\ndie Statuten der grossen Oper keinen Dialog gestatten.\nBerlioz löste diese schwierige Aufgabe nicht ohne Ge-\nschick, ob er aber wohl daran thatj mehrere Motive und\nharmonische Wendungen aus den andern Gesangsnummern\nin der Begleitung der Recitative vorweg zu nehmen,\nmöchte zu bezweifeln sein. Ueberhaupt aber eignet sich\nwohl kein Dialog weniger zu Recitativen, als der im\nFreischütz. Das Beste, das man Berlioz verdankt, ist die\nInstrumentirung von Weber's „Aufforderung zum\nTanz\", die er bei dieser Gelegenheit, da man auch ein\nBallet haben wollte, einlegte; jetzt, wo dieses Stück häufig\nin Concerten gemacht wird, hat man die Veranlassung zu\nseiner Enstehung vergessen.\nGerade 42 Jahre nach der ersten Aufführung des\njßobin des Bois brachte jetzt am 8. December 1866\ndas Theätre lyrique den Freischütz mit der Ankündigung:\ntel que le maitre l'a ecrit also den ganzen Text in\nmöglichst genauer Wiedergabe und die ganze Partitur.\nMan hat dabei mit Recht den Dialog wieder hergestellt.\nDie Uebersetzung der Herren Trianon und Eugen Gauthier\nist ziemlich wörtlich, freilich hier und da etwas steif und\ndurch den Reim beengt. Was die Verkündigung: „so\nwie der Meister ihn geschrieben\" betrifft, so darf man sie\nleider nicht auf den Vortrag der Sänger beziehen, die sich\nDinge erlauben, über welche Weber in glühenden Zorn\ngerathen sein würde, so wie es iu der Aufführung jedem\ngewissenhaften Musiker und Bewunderer der Weber'-\nschen Musik ergangen ist. Diese französischen Sänger be-\nhandeln zum Beispiel die Fermaten und Schlusscadenzen\nbei Weber wie bei Bellini und Verdi. Caspar genirte\nsich nicht im geringsten, dem gehaltenen a am Schlüsse\nseiner grossen Arie einen italiänischen Schweif anzuhängen,\nund Madame Miolan-Carvalho, welche überhaupt keine\nIdee von Weber's Agathe hat, verzierte in der grossen\nScene das Gebet auf echt moderne Weise und hielt am\nEnde das hohe heine Weile fest und hing dann eine\nKette von Rouladen daran! Caspar gab uns das Bacchus-\nlied in zwei verschiedenen Tempo's, indem er bei der\nzweiten Hälfte das ma non troppo, das vor dem Worte\npresto steht, wegstrich und diese Hälfte noch einmal so\nschnell nahm, als die erste! Eben so lächerlich waren\ndie affectiven Nuancen von ff und pp im Jägerchor *).\nAuch der „schöne grüne Jungfernkranz\" wurde ganz\nund gar verunstaltet. Aber zum Ersatz für alles das,\nwelch' eine Wolfsschlucht! Malerei, Maschinerie, optische\nTäuschung, ja, damit nicht genug, die Elemente\nwurden herbeigezogen, um die prachtvolle Orchester-Sin-\nfonie zu illustriren oder zu verderben! Am Schlüsse\nein breiter Wasserfall von natürlichem Wasser, der mit\nelektrischem Licht beleuchtet drei Mal die Farbe in ben-\ngalischem Duft wechselt. Der ganze Giessbach ist mit\nseiner neu erfundenen Beleuchtung aus der Schweiz auf\ndie pariser Bühne verpflanzt; das Orchester musste seine\nletzten 20 Tacte mehrere Male wiederholen, und es fehlte\nnur noch, dass Samiel, Max und Caspar in den Fluthen\nertranken! Unter dem Jubel des Publicums fiel der Vor-\nhang, aber umsonst, denn er musste wieder nach oben,\nman rief den Wasserfall heraus, wie die Sänger nach dem\nersten Act: der Maschinist war darauf vorbereitet, die\ndrei Farben leuchteten noch einmal das Orchester\nmerkte aber wbhl, dass der Hervorruf nicht auf die\nMusik zu beziehen sei und schwieg.\nNun, chacun ä son goüt! Dankbar müssen die Ver-\nehrer aber der Direction dafür sein, dass sie zum ersten\nMale in Paris das Finale des letzten Actes vollständig ge-\ngeben bat. Allein, sollte man's denken, dieses wunder-\nvolle Musikstück wurde vom Publicum fast theilnahmlos\nangehört, der Eremit war für die Pariser eine sehr gleich-\ngültige Erscheinung, mochte er singen, was er wollte, und\ndie Menge wünschte gewiss lieber den verstümmelten\nSchluss vom Robin des Bois.E. Reyer sagt darüber\ntreffend indenDebats: „ich hoffe indess, dass die Direction\nsich nicht an die Langeweile oder die Gleichgültigkeit des\nPublicums ich wage nicht, mich deutlicher auszu-\ndrücken kehren und uns dieses prächtige Finale mit\nseinen süssen Melodieen und erhabenen Gedanken, das\nman gar nicht genug hören und preisen kann, nicht vor-\nenthalten wird.\"\nIch habe schon erwähnt, dass die Madame Miolan-\nCarvalho gar nicht für die Rolle der Agathe geeignet ist.\nWie oft habe ich nicht in meinen Briefen den reizenden\nGesang, die feine, liebliche Stimme, die anmuthige und\nvirtuose technische Fertigkeit dieser trefflichen Sängerin\ngerühmt, die in ihrem Genre des graziösen Coloratur-Ge-\n\n*) Ei, diesen Unsinn, der gegen den Text und den Charakter\nder Leute und der Musik eine wahre Ironie ist, haben wir leider\nauch auf deutschen Bühnen in den letzten Jahren gehört; wahr-\nscheinlich muss man den Ursprung dieser unausstehlichen Ziererei\nbei irgend einem Männergesang-Verein suchen, dessen Vortrag dann\nein unwissender Chor-Director hat copiren lassen!\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2402, "texte": "Sanges in Deutschland sicher keine Nebenbuhlerin hat!\nallein die deutsche Musik Weber's kann sie nicht singen:\nnamentlich wurde das prachtvolle Allegro der grossen\nScene in E-dur zu einem charakterlosen Rondo.\nSchliesslich muss ich noch ein musicalisches Ereigniss\noder auch ein grossartiges Curiosum erwähnen:\ndie erste Aufführung der Missa in von Beet-\nhoven in Paris! Pasdeloup war der Kühne, der sie zur\nFeier des Cäcilienfestes am 22. November in der Kirche\nSt. Eustache, welches der grosse Verein der Tonkünstler\nalljährlich veranstaltet, zu Gehör brachte. Ob er es mit\nso ungenügenden Mitteln, wie sie ihm nur zu Gebote\nstanden, überhaupt hätte tbun sollen, ist kaum eine Frage,\nda jeder deutsche Musiker und Verehrer Beethoven's sie\nverneinen wird. Aber Herr Pasdeloup gibt jetzt Alles\nund zuweilen mit unverzeihlichem Leichtsinne: essoli mich\ngar nicht wundern, wenn er nächstens Bach's Matthäus-\nPassion oder von den Neuern Schumann's Faust zur Auf-\nführung bringt. Das Wie scheint ihn bei solchen Gele-\ngenheiten wenig zu kümmern. Indess dürfte auch bei\nsorgfältig studirter und ganz gelungener Ausführung die\nMissa solemnis doch über den Horizont des pariser Pu-\nblicums gehen. Die Berichterstatter der Zeitungen glänz-\nten dieses Mal durch Abwesenheit; hie und da las man\nein Wort von „ungestümem und zügellosem Stil, rasender\nExaltation, die nichts mässigen kann\" u.s.w. und be-\nsonders von „gänzlichem Mangel an würdigem Kirchen-\nstil\". Würdiger Kirchenstil in den Kirchen von Frank-\nreich! Hier gleich ein Pröbchen davon und von dem\nRespect vor Beethoven, mit dem sich jetzt alles brüstet.\nErstens: anstatt des Beethoven'schen wurde ein\nCredo für Unisono von Männerstimmen von Dümont und\nnachher noch ein Domine von demselben, erst ebenfalls\nunisono, dann vierstimmig wiederholt, eingelegt. „Das\nwar wahrhaft religiöse Musik!\" heisst es in einem Blatt!\nZweitens mitten zwischen Beethoven ferner ein Offertorium\nfür Orgel, sogenannte Improvisation des Herrn Batiste,\num die verschiedenen sanften Register, Schweller und\nEchokasten seines Instrumentes hören zu lassen. Drittens:\nzur Entrßegab derselbe Organist Bach's Fuge in und\nzur Sortie Beethoven's grosses Allegro aus der fünften\nSinfonie zum Besten! Das Letzte nennt ein kurzer Be-\nricht „einen glücklichen Gedanken des Herrn Batiste\"!\nDaraus mag man ersehen, wie meilenweit Paris noch\nvon der Höhe wahrer Kunst entfernt ist.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1866-12-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "407", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.2.4", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 18. December 1866.", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 18. December 1866.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.6", "debut_caractere": 2404, "fin_caractere_exclue": 5414, "texte": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 18. December 1866.\nDas fünfte Gürzenich-Concert war eine schöne Feier des Ge-\nburtstages von Carl Maria von Weber, der nach der Ueberlie-\nferung in seiner Familie an diesem Monatstage des Jahres 1786 zu\nEutin das Licht der Welt erblickte. Das Programm brachte nur\nCompositionen von ihm, in der ersten Abtheilung in den Rahmen\nder Ouvertüren zum 0 beron (mit dem Elfenchor der Introduction)\nund zum Freischütz eingeschlossen für Gesang die Scene der\nAgathe, die Cavatine: „GlÖcklein im Thale\" aus derEuryanthe\nund die Lieder: „Das Mädchen an das Schneeglöckchen\" und „Un-\nbefangenheit\", für Pianoforte das Concertstück in F-moll und\nAdagio und Scherzo aus der As-dur-Sonate; in der zweiten Ab-\ntheilung die vollständige Musik zu „Preciosa\" mit verbindenden\nWorten von C. O. Sternau. Die schöne Aufgabe, durch ihre Vor-\nträge Kränze auf den Altar der Erinnerung und des dankbaren An-\ndenkens an den grossen deutschen Tondichter zu legen, war drei\nDamen zu Theil geworden: Frau Clara Schumann, Frl. Emilie\nWagner aus Karlsruhe und Frau Ernst vom hiesigen Stadt-\nTheater. Chor und Orchester bildeten den glänzenden Goldgrund,\nwelcher die einzelnen, dem Genius der Tonkunst huldigenden, Ge-\nstalten umgab, und so zog an den Zuhörern eine Reihe von Tonge-\nmälden vorüber, welche durch den Duft der unverwelklichen\nBlüthen ihres Colorits und durch die schöne Ausführung jedes ein-\nzelnen Bildes alle Anwesenden entzückten und begeisterten. Der\nSaal und die Galerieen waren so voll, wie wir sie lange nicht ge-\nsehen haben, so dass an zwei Tausend Menschen in gespanntester\nTheilnahme mit inniger Befriedigung die Wunderwerke des Genie's\naufnahmen, die bei jeder neuen Vorführung neuen Zauber auf die\nGemüther üben. Das ist aber eben die wahre Probe echten Ge-\npräges einer Kunstschöpfung, und das horazische Wort decies re~\npetita placebit heisst nicht: „Das wird erst, wenn man es zehn Mal\ngehört hat, gefallen\", wie es so oft heutzutage zur Beschönigung\nunechten Gehalts verdolmetscht wird, sondern es heisst: „und wenn\nman es zehn mal und noch so oft wieder hört, wird es immer ge-\nfallen.\" Wie könnte das aber auch bei Weber anders sein, aus\ndessen Geist und Gemüthe der ewig quellende Born echt deutscher\nMelodie zugleich mit ihrer harmonischen Fülle strömt! Auch\nMit der musicalischen Gedanken-Fabrik\nIst's wie mit einem Weber-Meisterstück,\nWo ein Tritt tausend Fäden regt,\nDie Schifflein herüber hinüber schiessen,\nDie Fäden ungesehen fliessen,\nEin Schlag tausend Verbindungen schlägt:\nDas preisen die Schüler aller Orten,\nSind aber keine Weber geworden.\nDie Sologesänge wurden von Frl. Emilie Wagner vorgetragen,\nin der wir bereits bei der letzten Aufführung der Matthäus-Passion\nim März d. J. eine sehr schätzenswerthe Concert-Sängerin kennen\nlernten. Ihre Hauptvorzüge sind eine in allen Tonregionen wohl-\nlautende Stimme von weicher Klangfarbe, deren Tonleiter zu gleich-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3437, "texte": "Mässiger Fülle ausgebildet ist, so dass weder die Höhe scharf\nund spitz wird, noch die Tiefe, die für einen Mezzosopran\nbedeutend ist, durch jenes Indiebreitezerren der Brusttöne verun-\nstaltet wird, welches die meisten dramatischen Sängerinnen jetzt\nzur Mode gemacht haben, obschon es den Chignons an dem natür-\nlichen Haarschmuck junger Damen gleicht. Dazukommt die Freiheit von\naller Affectation im Vortrag, dessen Ausdruck bei Frl. Wagner nie über\ndie natürliche Empfindung hinausgeht und doch nicht der Wärme\nentbehrt: in dieser Hinsicht war namentlich auch ihr Vortrag der\nRomanze der Preciosa ganz vortrefflich. Ueber das Spiel der be-\nrühmten Pianistin * noch etwas zu sagen, hiesse, um bei antiken\nSprüchen zu bleiben, in Bezug auf ihre eminenten Eigenschaften\nEulen nach Athen tragen uxld in Hinsicht ihrer dieses Mal wieder\nstark hervorgetretenen Uebertreibung der Tempi Wasser in das\nFass der Töchter des Danaus giessen. Das hohe Alter muss frei-\nlich oft den Vorwurf hören, dass es das rasche Blut der Jugend,\nbeziehungsweise der Neuzeit, nicht begreife; es hat aber wenigstens\nden Vorzug, dass es z. B. ein Weber'sches Ällegro ajopassionato\nnoch gerade so im Andenken hat, wie Weber selbst und auch\nMendelssohn, dem Niemand übermässige Langsamkeit vorwerfen\nwird, es spielten. Die meisten heutigen Pianisten scheinen bei\nöffentlichen Vorträgen zu vergessen, dass sie nicht bloss für die\nMusiker und solche, die jede Note des vorgetragenen Stückes\nkennen, spielen, sondern für ein grosses Publicum: diesem wird\naber durch übertriebenes Tempo die Composition geradezu unver-\nständlich und es bleibt nur die Bewunderung der Technik übrig.\nEinen sehr anziehenden Genuss bot die Aufführung der Musik\nzu „Preciosa\" dar, deren einzelne Nummern durch Sternau-Inker-\nmann's verbindende Verse ein Ganzes bildeten, zu dessen Verständ-\nniss und Eindruck der vortreffliche Vortrag der Frau Ernst soviel\nbeitrug, dass wir uns nicht erinnern, durch die Verbindung von\nMusik mit Declamation jemals einen so ungestörten Kunstgenuss\ngehabt zu haben. Vorzüglich verstand sie es, die Worte der Pre-\nciosa selbst und die Erzählung der Handlung durch Stimmklang\nund Gefühlsausdruck auseinander zu halten, und das Publicum ist\nder als dramatischen Darstellerin längst hochgeschätzten Künstlerin\nzu vollem Dank für ihre Leistung im Concertsaal verschuldet.\nDie Musik selbst gibt einen schlagenden Beweis für Weber's\nTalent in Auffassung des Charakters seines Stoffes, denn wiewohl\ndie Composition noch mitten in die Arbeiten zur Vollendung des\n„Freischütz\" hinein fiel, so ist doch die tonliche Versinnlicliung des\nDeutsch-Romantischen und des Spanisch-Romantischen in beiden\nWerken durchweg verschieden. Die Thatsache, dass Weber dieses\nMal die Ouvertüre zur Preciosa zuerst, d. h. vor der Composition\naller übrigen Nummern schrieb, beweisst, wie er das Ganze schon\nim Geiste nicht bloss aufgefasst, sondern grossen Theils auch in\nden Hauptmotiven schon festgestellt hatte. Zwischen der Vollen-\ndung der Ouvertüren zum Freischütz und zu Preciosa lagen nur\nvierzig Tage. Die Musik zu Preciosa überhaupt ist aber nicht die\nVorgängerin zum Freischütz gewesen, wie lange Zeit geglaubt\nwurde, sondern erst während der Vollendung des letztern coinponirt.*)\n*) Wegen Mangels an Raum müssen wir den Bericht über die\nAufführung der Musik zu Manfred von Schumann und über\ndie 11. Soiree für Kammermusik bis zur nächsten Nummer ver-\nschieben. Die Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-22_01#c005", "volume": "bmtnabi_1866-12-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "407", "page_fin": "408", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.7", "debut_caractere": 3439, "fin_caractere_exclue": 6689, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n** Merlin, 16. Dec. Das erste Abonnements-Concert der\nSingakademie, das gestern Statt fand, war sehr besucht. F\nHillei s Oratorium i „Die Zerstörung von Jerusalem\" wurde mit\njenem unverkennbaren und eines echten Kunstwerkes würdigen\nErfolg aufgeführt, der sich zumal in der Akademie, wo das Ap-\nplaudiien nicht Sitte ist in der gespanntesten Theilnahme eines\nPublicums, das den Saal bis auf den letzten Platz füllte, in der\nauf Aller Antlitz und Blick sich offenbarenden inneren Befriedigung,\nin dem Flüstern und Summen vom Nachbar zum Nachbar, fast nach\njeder Nummer deutlicher, sicherlich dem wahren Kunstfreund wohl-\nthuender aussprach, als der rauschende, nur allzuoft durch äussere\nMittel und Rücksichten hervorgerufene Theater-Applaus. Die Aus-\nführung, deren Leitung von Grell dem Musik-Dire'ctor Blumner\nüberlassen worden war, bekundete dessen bekanntes Directions-Ta-\nlent und war besonders in den Chören und im Orchester sehr gut.\nDer Choi der Akademie hat sich wieder merklich vermehrt. Die\nPartie des Jeremias hatte der treffliche Hofopernsänger Betz über-\nnommen, erkrankte aber Tags zuvor; ein Mitglied der Akademie\nHerr P., führte sie also fast wie vom Blatt! mit zwar nicht\ngrosser, aber sehr schöner Stimme lobenswerth aus. Der Alt, Frl.\nBaer, wetteiferte mit dem Sopran, Frl. Decker. Ein Versehen kam\nnirgends vor: das Publicum verliess den Saal unter dem Eindruck\ndes Meisterwerks befriedigt, ergriffen und gehoben.\n* Minden. Im Concert des Musikvereins am 4. Dec. hörten\nwir das liebliche Gesangstück von M. Bruch: „Die Birken und\ndie Erlen\" unter Leitung des Herrn Musik-Directors E. Drobisch,\nausserdem Chöre aus Judas Maccabäus und Ciaviervorträge (Herr\nDrobisch), u. A. Schumann's Quintett. Die Concert-Sängerin Frl.\nSophie Reck aus Clausthal, Schülerin des Herrn E. Koch in\nKöln, trug die grosse Sopran-Arie aus der „Schöpfung\", die Pagen-\nArie aus den Hugenotten und einige Lieder mit grossem Beifall vor.\nDie „Neue Berliner Musik-Zeitung\" meldet, dass R. Volkmann\nmit der Composition einer grossen Oper, „Saul\", beschäftigt ist.\nIn Karlsruhe starb am 1. December der pensionirte grossh.\nHofcapellmeister Joseph Strauss, geb. 1793 in Brünn. Der Ge-\nschiedene hatte 40 Jahre lang an der Spitze der Karlsruher Hof-\ncapelle gestanden und nahm erst im vorigen Jahre seine Pension.\nStrauss hat früher Opern, Sinfonieen, Ouvertüren etc. geschrieben.\nEbendaselbst verschied am 3. December plötzlich der pensionirte\nfürstlich Fürstenbergische Hofcapellmeister Johann Wenzel Kalli-\nwoda, geb. 1801 in Prag, nachdem er erst vor einigen Wochen\nvon Donaueschingen nach Karlsruhe übergesiedelt war. Seine Com-\npositionen, namentlich seine Männergesänge, sind in weitesten Krei-\nsen bekannt und beliebt geworden.\nWieder eine Programm Sinfonie ! Im zweiten Mün-\nchener Odeons-Concert am 26. November wurde eine Sinfonie\nvon J. Rheinberger, „Wallenstein\" betitelt, mit grossem Beifall\naufgeführt. Der erste Satz soll Wallenstein selbst in seinen\ngrossen Planen, Schwankungen u. s. w. vorstellen; der zweite Satz,\ndas Adagio, Thekla; das Scherzo, das Lagerleben und die Kapuziner-\npredigt; der Schlusssatz endet mit dem Begräbniss des Helden. So\nwenigstens theilt die A. A. Ztg. den „Inhalt\" der Sinfonie mit."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2984, "texte": "Otto Kraushaar, der bekannte Musiker und Musikiehrer in\nKassel, Verfasser eines Buches: „Der accordliche Gegensatz\", ist\nam 23. November gestorben.\nliefpzig» Herr Dr. Oscar Paul hat sich an der hiesigen\nUniversität habilitirt und in diesen Tagen seine Vorlesungen (über\nGeschichte der Musik, Harmonik und Metrik, Aesthetik u. s. w.)\neröffnet. Seine Habilitationsschrift: „Die absolute Harmonik der\nGriechen\" ist bei A. Dörffel in Leipzig erschienen.\nDie Leipziger Allgemeine Musik-Zeitung vom 5. d. M. schreibt:\nHerr Fr. Chrys and er weilte kürzlich einige Tage hier. Wir kön-\nnen unseren Lesern die angenehme Mittheilung machen, dass dem-\nnächst ein zweiter Band seiner „Jahrbücher\" erscheinen wird. Auch\nvom dritten Bande der Händel-Biographie soll zu Neujahr ein\nTheil ausgegeben werden. [Das wäre sehr wünschenswerth!]\nIn Dresden starb am 1. December der berühmte Akustiker\nFriedrich Kaufmann im 82. Lebensjahre.\nHerr J. Wasielewsky in Dresden hat daselbst einen „Ver-\nein für classische Kammermusik\" gegründet. Die ersten Soireen\nfanden unter lebhafter Theilnahme des Publicums statt.\nDer Violinist und Kammervirtuos des Grossherzogs von Hessen,\nHerr Gustav Friemann, hat in Dresden unter Mitwirkung der\nHH. Hess (Piano) und Kammervirtuos F. A. Kummer eine\nmusicalische Abendunterhaltung gegeben und sich durch den Vortrag\ndes D-moll-Trios von Mendelssohn, des 7. Concerts von Beriot und\neiner Fantasie von Leonard als ein sehr tüchtiger Geiger erwiesen.\nLebhafter Beifall folgte jedem seiner Vorträge.\nA. Langert's neue Oper „Die Fabier\" ging am 25. Novem-\nber in Coburg zum ersten Male und unter des Componisten persön-\nlicher Leitung über die Bühne und fand bei einem zahlreichen Pu-\nblicum sehr freundliche Aufnahme.\n** Paris* Bei Madame Szarvady ist neulich Abends das\nQuintett Op. 34, für Pianoforte u. s. w. von Johannes Brahms\ngespielt worden. Neben der liebenswürdigen Dame vom Hause\nwaren die Herren Joachim, Langhans, Mas und Valentin Müller betheiligt.\nDas sechste Populär-Concert brachte neben Mendelssohn ' s\nViolinconcert (Joachim) Schummann's Ouvertüre zur Genovefa,\nBeethoven's (7-dwr-Sinfonie undWallace's Ouvertüre de Lore-\nlei, bailade allemande (sie!). Verdi's „Don Carlos\", den er für\ndie französische Oper geschrieben, wird schon lange studirt und soll\nnun endlich am 15. Januar k. J. in Scene gehen.\nDie philharmonische Akademie zu Bologna, deren\nMitglied Mozart war, hat Anfangs dieses Monats ihr 200 jähriges\nStiftungsfest gefeiert.\nDie „Africanerin\" überschreitet nun auch den Ocean und wird\nIn New-York, Charlestown, Augusta und Savannah noch in diesem\nWinter zur Aufführung kommen.\nDer Londoner Concert-Unternehmer Hr. Ella, der sich gegen-\nwärtig in Wien befindet, hat dem dortigen Conservatorium 100 fl.\nübergeben, welche dem besten Violinschüler, welcher in diesem\nJahre aus der Hellmesb erger'sehen Classe hervorgeht, als Preis\nzuerkannt werden sollen. Das ist gewiss aller Anerkennung werth\nund verdient Nachahmung von Seiten unserer Landsleute."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber als Schriftsteller. 111. Pariser Briefe. 11. (C. M. v. Weber's „Freischütz\" in Paris\nvon 1824 bis 18G6.) Fünftes Gresellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Erstes\nAbonnements-Concert der Singakademie. Minden, Concert des Musikvereins. Karlsruhe, Hofcapellmeister Joseph Strauss \"f. Johann\nWenzel Kalliwoda f. J. Rheinbergers Sinfonie „Wallenstein\". u. s. vv.j.\n\nCarl Maria von Weber als Schriftsteller.\nIII.\n(I. S. Nr. 47. 11. S. Nr. 48.)\nWenn wir von Weber als Schriftsteller Rückschlüsse\nauf ihn, den Menschen, machen wollen, so ist das Interes-\nsanteste, was sich uns auch naturgemäss zuerst aufdrängt,\nzu untersuchen, wie Weber über sich selbst schrieb. Um\ndem Leser nicht vorzugreifen, wollen wir die vorliegenden\nFälle der Reihe nach mit ihm durchgehen, wir hoffen in\nderen Auffassung und Auslegung nicht mit ihm aus einan-\nder zu gehen, denn die Sache liegt nirgends unklar da.\nUnter dem Namen Melos, der ihm als Mitglied des\nharmonischen Vereins angehörte, begegnet uns Seite 72\nein Bericht über ein Concert in der Margarethen - Kirche\nzu Gotha, 3, X, 1812, über welches die Leser von\nSpohr's Selbstbiographie auch von dorther unterrichtet\nsind, da dieser die Hauptrolle dabei übernommen hatte.\nWeber hatte mitgewirkt und berichtete selbst: „Weber\nspielte nur eine kurze Fantasie und Variationen über\ndie schöne Romanze aus der Oper Joseph. . . Einige\nverstimmte Töne in der Höhe des übrigens volltö-\nnenden, schönen Instrumentes schienen auch ihn für\neinen Augenblick zu verstimmen; aber alsobald verschwand\ndieses, und er spielte mit dem an ihm bekannten Vortrage\".\nEr verhehlte also nicht, dass er Anfangs verstimmt war;\ngab freilich aber den Grund dazu an, lobte übrigens das\nInstrument, wodurch der Erfolg des Spiels auch hierauf\ngeleitet, und nennt seinen Vortrag zwar „bekannt\", ge-\nstattet sich aber auch nicht das geringste Lob darüber.\nStreng und schadenfroh, was so viele Kritiker für ihre\nwürdevolle Pflicht halten, ist das allerdings nicht; allein\nauch nicht etwa wohlwollend oder gar fördernd, ganz\nabgesehen davon, dass Weber von sich hätte Reclame\nmachen können.\nBei einem Artikel der neu. entstandenen Musicalien-\nHandlung von Schlesinger in Berlin, der ersten, welche\ndort eine Bedeutung in Anspruch nehmen konnte nach\nder Art, wie siesich zu den Interessen der Kunstgeschichte\nstellte, führt er zur Charakterisirung des Unternehmers\neine Reihe in Verlag genommener Werke an und fügt\nzum Schluss auch seine Oper Sylvana, die damals Auf-\nsehen erregt hatte, und „einige Werke\" ein. Hier in der\nOeffentlichkeit, wo sein Name nicht genannt wurde, wo\ndiese Unterordnung also ihren persönlichen Ursprung\nnicht zu erkennen gibt, brachte nur seine Bescheidenheit\nihn um den ihm gebührenden Platz.\nSeite 104 steht: Die Ouvertüre der Oper: „Der Be-\nherrscher der Geister\", von C. M. v. Weber, eröffnete,\ngut gegeben, das Ganze.\nSeite 108 bespricht er zwei Concerte, die er selbst\ngegeben. Ueber ihn ist nichts in dem Referate enthalten,\nund bezüglich des Programms heisst es: „Weber's Streben\ngeht sichtlich immer dahin, das Publicum an ernste Rost\nzu gewöhnen.\" Das ist alles. Allein an Tadel fehlt es\nnicht, der sich auf „einige Flecken im Adagio\" bezieht.\nlm 2. aber spricht er sich über seine Ouvertüre zu\nTurandot (nach einer echt chinesischen National-Melodie)\nso eigen aus, dass wir die Worte folgen lassen müssen.\n„Trommeln und Pfeifen tragen die seltsame, bizarre Me-\nlodie vor, die dann, vom Orchester ergriffen, in verschie-\ndenen Formen, Figuren und Modulationen festgehalten\nund ausgeführt ist. Gefälligen Eindruck kann es, ohne\nsich ganz an die Tendenz der Sache zu halten, nicht her-\nvorbringen, aber ein ehrenwerth gedachtes Charakterstück\nmag es sein.\" Mehr patronisirend von oben herab hätte\nkaum ein Compositionslehrer über einen mittelmässigen\nSchülerschreiben können. Wenig besser ergeht es seinem:\n„Der erste Ton, Gedicht von Rochlitz mit Begleitung des\nOrchesters und Chors.\" Tadelnd heisst es, er hätte das\nGedicht etwas in Schatten gestellt. Das Lob, wozu er"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.2", "texte": "sich bei der tadellosen Ausführung und dem Beifalle des\nPublicums auch herbeilässt, das grosse, besteht darin,\ndass ihm „die Idee glücklich scheint\", den Chor, nach-\ndem der Redner die Schöpfung und die heilbringende\nWirkung des Tones ausgesprochen hat, in das Lob des-\nselben ausbrechen zu lassen.\nDieses sind die Belege, welche wir auffanden. Aus\nihnen geht hervor, dass Weber die Anonymität nicht etwa,\nweil er es ungestraft, ja, unbemerkt gekonnt hätte, für\nsich ausbeutete, sondern dass er nach der Natur hoher\nGeister, die um so strenger gegen sich sind, wenn kein\nGericht über ihnen schwebt, im Gegentheil sich für ver-\npflichtet hielt, seinen Egoismus zu unterdrücken, und nicht\nanders konnte, als missgünstig und ungerecht gegen sieb\naufzutreten.\nGewiss wird es äusserst selten geistige Organismen von so\nobjectiver Zwei-Theilbarkeit geben, dass sie als Künstler\nschaffen und als Kritiker das Geschaffene gerecht wägen kön-\nnen. Bei solchen hätten wir nichts dagegen, dass sie in der\nMaschine des Kunstlebens beide Rollen übernähmen. Dass\nReclamen nicht zu billigen sind, versteht sich von selbst.\nIm vorliegenden Falle möchten wir es beklagen, dass\nWeber keinen anderen Homer fand, als sich selbst; denn,\nwenn er in seiner für Wendt geschriebenen Lebensskizze\nzum Schluss als Leichenschrift für sich sagte: „Hier liegt\neiner, der es wahrhaft redlich und rein mit Menschen und\nKunst meinte\", so müsste ergänzt werden: „nur mit sich\nselbst nicht\".\nDiese Lebensskizze war übrigens nicht etwa in der\ndritten Person, etwa druckgerecht zur unmittelbaren Ver-\nöffentlichung geschrieben; sondern ist mehr eine grosse\nNotiz zu einer solchen, in der alle anderen, nur er selbst\nnicht gerade gut fortkommen. Der Einfluss seines\nVaters wird nur gelobt, sein Waldmädchen nennt er\nhöchst unreif. Vogler's geschieht natürlich wieder mit\nungemessener Ehrfurcht Erwähnung. „Möge es mir einst\ngelingen, diese seltene psychologische Kunst-Erscheinung\nder Welt klar vor die Augen zu stellen!\" ruft er dort aus.\nDas Uebrige ist so schlicht und einfach gehalten, dass\nman die Uneigennützigkeit des vortrefflichen Mannes nicht\ngenug bewundern kann.\nEs bedarf wohl nicht der Erwähnung, dass er in den\nvorbereitenden Artikeln, welche er in Dresden neuen\nWTerken vorausgehen liess, sich selbst stets umging.\nSicher zieht hieraus mit uns ein Jeder die erfreuliche\nUeberzeugung, dass Weber in dem gefährlichen Conflicte,\nder den über sich selbst Schreibenden ergreift, nicht nur\nfleckenrein, sondern sogar geschmückt mit den Verdien-\nsten der Selbstverläugnung und Selbsthintenansetzung\nhervorgegangen ist.\nPrüfen wir nun, wie er sich zu den Menschen stellte,\nwelche das Schicksal mit ihm in Berührung brachte, so\nkönnen wir ihm im Ganzen nicht die Anerkennung zollen,\ndass er mit unparteiischer Auswahl oder mit überlegter\nWürdigung daran ging, diese und ihre Leistungen zu be-\nsprechen. Dazu war er zu wenig Schriftsteller, war es\nihm zu wenig darum zu thun, ein Spiegel seiner Zeit in\ndiesem Sinne zu werden und deren Schwerpunkt aufzu-\nsuchen. Aus der Art und Weise, wie er über die Be-\ntreffenden schreibt, geht nur gar zu sehr hervor, wie er\nzu ihnen steht. Allein nicht in dem niedrigen Sinne, mit\ndem man eine solche Thatsache bei dem Durchschnitt der\negoistischen Menge auszulegen hätte, sondern in einer\ndavon weitab weichenden, so, dass man den warm em-\npfindenden, in begeisterter Liebe wie tiefer Kränkung über-\nströmenden, vortrefflichen Menschen, weil er des Mathe-\nmatikers gerade Linie schwer innezuhalten vermag, aus\nden Ueberschreitungen nur erst um so lieber gewinnt.\nDas Schlimmste, wozu ihn seine Natur brachte, war\nwohl die Analyse 12 Vogler'scher Choräle, welche\nlehren sollte, wie hoch Vogler's System über Bach's\nMuse stand. Hier nimmt man mit Betrübniss wahr, ein\nwie verderbliches Spiel die Natur zuweilen treibt, indem\nsie einzelne Individuen, die sie gleich Kometen ihre\nschwerer zu berechnenden Bahnen am Kunsthimmel ziehen\nlässt, wie Vogler u. a., mit einer Beeinflussungskraft aus-\nstatttet, welche zumal der aufrichtig strebenden Jugend\ngegenüber ihren Zauber am mächtigsten übt.\nDas Prädicat der höchsten Objectivität gebührt den\nBerichten über seine Freunde Meyerbeer, G. Weber,\nGänsbacher, Hoffmann u. a.; denn hier fühlte er deren\nInteresse mit dem seinigen identisch, und doch war er\nnicht gelähmt, wie bei sich selbst, wo die Furcht des Re-\nclamemachens ihm die Dinte austrocknete. Manchen mag\nes dabei Wunder nehmen, zumal eine Partei; die nur\nschwärmen und anbeten oder verdammen mag, dass We-\nber Meyerbeer nach seinen ersten Werken so hoch stellte.\nWer jedoch einen Blick in diese früheren Werke gethan,\nder wird sich dem Eindrucke nicht entziehen können, dass\ner es mit höchst originellen, das Beste versprechenden\nCompositionen zu thun hat. Und, sobald der jüngst ver-\nstorbene, lorbergekrönte Gott der grossen Oper sich in\ndie Geleise begab, denen er zu seinem Schaden, unseres\nErachtens seinen Glückswagen immer rückhaltloser\nanvertraute, da fühlte auch Weber sich gehalten, öffent-\nlich seine abweichende Meinung darüber auszusprechen.\nBei seinen Freunden, und deren hatte der heitere,\noffene und anspruchslose, im wahren Sinne des Wortes\nLiebenswürdige sehr viele, hätte er unseres Erachtens\nwohl zuweilen die Farben ein wenig lebhafter auftragen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.3", "texte": "dürfen; denn das Neue muss der Menge gegenüber nicht nur\nmit dem Maasse der eigenen, sondern auch der bei dieser\nfehlenden Liebe gehegt werden, dass es fortkomme. Mit\nwelchem Maasse er seinen Feinden vergalt, das lehrt sein\nArtikel: „ Ueber das Oratorium Isacco von Morlacchi\", aus\ndem Jahre 1817. Morlacchi war das böse Princip seines\nLebens. Morlacchi stand zwischen ihm und dem von ihm\ngeliebten Königshause. Morlacchi wusste seine Bestre-\nbungen verunglücken zu machen und das von ihm Er-\nstrebte sich zu erringen. Molacchi untergrub sein An-\nsehen, verbinderte sein Aufkommen, wusste ihn durch\nAufwälzung der eigenen Arbeit zu erdrücken. Das wusste\noder ahnte er schon, als er über Isacco schrieb, und doch\ngeben die Worte nichts davon zu erkennen, im Gegen-\ntheil zeugt der Aufsatz von dem aufrichtigen Streben,\nwohlwollend zu sein.\nEine Reihe von Veröffentlichungen nimmt eine beson-\ndere Berücksichtigung für sich in Anspruch. Es sind\nerstens seine Entgegnungen gegen Berichterstatter, welche\nden Werken, die er aufführte, und den ihm untergebenen\nKräften zu nahe traten oder fmitgetheilt hatten. Auf-\nrichtig gesagt, thut es uns weh, dieselben kennen gelernt\nzu haben, und müssen wir sie zu den Uebereilungen zäh-\nlen, deren eine sanguinische Musiker-Natur nur zu leicht\nfähig ist. Es ist ein eigen Ding um die öffentliche Kritik,\nund die Sache liegt durchaus nicht so klar, wie der Unbe-\nfangene meinen mag; denn nirgends ist es so schwer, den\nidealen Ansprüchen gerecht zu werden, wie hier. Eine\njede Zeitung muss ihren musicalischen Berichterstatter\nhaben; der kritischen Capacitäten gibt es aber nur wenige.\nDass des Mittelmässigen dabei sehr viel mit unterläuft, ist\nleicht erklärlich. Freilich erwächst hieraus den Redac-\ntionen der Vorwurf, denen es Pflicht wäre, ihren Mitar-\nbeitern keinen grössern Einfluss zu gestatten, als ihre\ngeistige Bedeutung mit Nutzen zum Frommen der Sache\nauszuüben wüsste. Allein wie viele Redactionen stehen\nauf so universeller Höhe, dass sie ein solches Richteramt\nausüben könnten! Kurz, die Kritik, welche so recht aus\nobjectiver Höhe herab Alles anschauen sollte, ist der Regel\nnach so recht von nichts weiter als Persönlichkeiten\nabhängig. Einer solchen gegenüber gibt es nur zwei Wege\ndes richtigen Handelns, entweder man kümmert sich gar\nnicht darum, oder man fasst sie rein praktisch, d. b. per-\nsönlich auf, indem man schlechte Subjecte durch bessere\nzu ersetzen sucht. Gelegentliche Erwiederungen können\nwie Blitze nur momentan blenden, nicht dauernde Helle\nbereiten, und ihnen folgt das Dunkel in verstärkter Un-\ndurchdringlichkeit. Jedenfalls hat Weber das Richtige ver-\nfehlt. Auch in diesem Fehler erscheint er aber geistreich,\nschlagend und witzig.\nFerner zählen wir hieher seine Warnung an das mu-\nsikliebende Publicum contra Hofmeister, der ohne Scheu\nein Werk Weber's in einem verstümmelten Arrangement\nedirte und Weber brieflich darüber (allerdings cynisch\ngenug) abgewiesen, und ein Rundschreiben an sämmtliche\nBühnen, in dem er sich gegen diebische Copisten und ge-\nwissenlose Musikhändler, wieZulehner in Mainz, verwahrt\nund seinen Oberon selbst zum Verkauf anbietet. Erwägt\nman, wie übel dem geistigen Besitze mitgespielt wird, wie\ngerade geistvolle Menschen zumeist mehr Ansprüche an\ndas Leben machen müssen, als der grobe Mittelschlag,\nwie im schneidenden Contraste die untergeordnete Thätig-\nkeit anderer Berufe mit Gold und Ehren gelohnt wird,\nso dürfte die Gereiztheit Weber's in dieser Hinsicht nicht\nunerklärlich erscheinen, 'und der widrige Eindruck, den\nsolche Schritte hinterlassen, darf uns nicht verleiten,\ndem Unschuldigen einen Vorwurf daraus zu machen.\nEndlich handelt es sich um eine Entgegnung auf eine\nVeröffentlichung Müllner's, der Weber vorrückte, das Lied\nder Brunhilde in seiner Yngurd unrichtig componirt zu\nhaben. Es handelte sich kurz darum, dass Müllner die\nmetrischen Accente als Melodiepointen mit richtigen\nTacttheilen bedacht zu sehen wünschte, während Weber\nan der betreffenden Stelle dazwischen liegende Worte, als\ndie nach seinem Gefühle wichtigen hervorgehoben hatte. Un-\nseres Erachtens sind die ästhetischen Gesichtspunkte,\nwelche Beide aufstellen, nicht zutreffend, Weber's Auffas-\nsung der Worte vom Gefühls-Standpunkte aus nicht un-\ngerechtfertigt, dessen rausicalische Beispiele ad aures je-\ndoch mit Absicht schlecht gewählt. Dass die prosodische\nGrundform dem Musiker zur Basis dienen müsse bei Er-\nfindung seiner Melodieen, hat Weber wiederholt ausge-\nsprochen. Tritt er hier Müllner hartnäckig gegenüber,\nder diesen Satz trocken und breitspurig verficht, so lässt\nsich auch hier die Gereiztheit des Schreibenden nicht\nwegläugnen. Uebrigens hat die Sache ein gewisses Inter-\nesse in so fern, als sie ein kleines Vorspiel abgibt zu\nBoeckh's Verhalten nach der Vorführung von Mendels-\nsohn's Antigone, indem die Frage wiederum ist, ob die\nRhythmik oder die Metrik in der Musik zum wahren Melos\ndas nothwendigere Element gewähre.\nDie hier angeführten Schriftstücke Weber's sind es,\nwelche bei dessen Würdigung als Menschen in Betracht\nkommen. Sie genügen, ihn in seinen Hauptzügen kennen\nzu lernen.\nFern davon, ihn als einen vollendeten Charakter,\nwelcher ohne die richtige Selbstbeherrschung im guten\nund schlechten Sinne nicht denkbar erscheint, wie seichte\nLobhudler und Recept-Schriftsteller lieben, hinstellen zu\nwollen, müssen wir es sogar aussprechen, dass er fast\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.4", "texte": "nirgends das richtige Maass zu halten verstand. Allein\nwer wollte das von einem Manne, der unter so ungünsti-\ngen Verhältnissen, wie die in seiner Familie, erwuchs,\ndessen Leben ihn eine Zeit in die lockersten Beziehungen\nverstrickte, der trotz dessen im Herzen die Stimme des\nlautersten Edelmuths nicht überhörte, dem die Muse ferner\ndie Schaale ihres Nektars so oft zum berauschenden\nTrünke bot, auch verlangen!\nBeklagen wir, dass die Sensibilität der Saiten seiner\nGefühls-Lyra auch die Misstöne, welche sie berührte,\nwiederhallte, so mögen wir auch bedenken, dass diese\nReizbarkeit der Nerven beim Künstler gleichzeitig Quelle\nseiner artistischen Leistungen ist. Erfreuen wir uns da-\ngegen bei den Fällen, wo seine überspannte Uneigen-\nnützigkeit, sein übergrosser „Nicht-Egoismus\", möchten\nwir sagen, ihn missleitete, der aussergewöbnlicben Subti-\nlität seines vorzüglichen Herzens.\nHat doch der Mangel an kalter, vernünftiger Abwä-\ngung aller Momente und das Ueberwuchern der üppig\nemporwachsenden Empfindungen ihm in seinem ganzen\nLeben der Schmerzen genug eingetragen, so dass man\nwohl sagen kann, er hat diese Schwäche redlich abge-\nbüsst. Als Kind, als Liebender, als Untergebener (des\nsächsischen Königshauses) hat seine rückhaltlose Hinge-\nbung reichlich gut gemacht, was er dort gefehlt haben\nmöchte. Dass ein Mann, der so hartnäckig seine Pflicht\nlieben konnte, so schnell damit fertig war, wo es galt,\nBöses mit Bösem zu vergelten, und so starkim Vergessen,\nverdient unsere vollste Hochachtung. Nach reiflicher Ue-\nberlegung konnten wir nicht anders, als diese liebenswür-\ndigen Zügeseines Charakters, mögen sie auch „Schwächen\"\nheissen, auch in seinen schriftlichen Auslassungen sich be-\nthätigen zu sehen.\n\nPariser Briefe.\n\nII.\n(l. S. Nr. 50.)\n(C. M. von Weber's „Freischütz\" in Paris von\n1824 bis 1866.)\nArn 7. December 1824 bekamen die Pariser zum\nersten Male durch eine Vorstellung im Theater\nWeber'sche Musik zu hören, die aus der Partitur des\n„Freischütz\" zusammengestellt war. Das Stück war von\nThom. Sauvage und Castilblaze zurecht gemacht, der\nTitel nach langer Ueberlegung, ob le franc Archer, oder\nle chasseur noir,oder Samiel,nach dem englischen\nHood als Robin des Bois festgestellt und die Aufführung\ntrotz der Widerspänstigkeit des Orchesters durch die\nFestigkeit des Theater-Directors durchgesetzt. Er ver-\ntraute auf die einhellige Stimme des kaum je dagewesenen\nBeifalls, die aus Deutschland seit der ersten Aufführung\ndes Freischütz in Berlin (den 18. Juni 1821) herüber\nhallte. Das war ein Beweis von Muth, denn die Zeit, wo\nman in Paris deutsche Musik schätzte, war noch lange\nnicht gekommen, und so hielten denn auch die Uebersetzer\ndes Textes es für nothwendig, dem deutschen Drama ein\nso viel als möglich französisches Gewand umzuwerfen,\nwiesen ganze Personen, wie den Fürsten und den Eremi-\nten, heraus, verschoben und versetzten die Musikstücke\nund machten aus dem deutschen Freischütz eine wahre\nCaricatur.\nDie Oper fiel durch. Dazu trugen aber arge Zufällig-\nkeiten bei: Die Decorationen wurden erst am Tage der\nAufführung fertig, so dass die handelnden Personen sich\nnicht darin zu finden wussten, der Tenor (Max) war\nheiser und musste um Nachsicht bitten, bei Kilian's Schuss\nnach der Sternscheibe fiel ein plumper Vogel wie ein\nMeteorstein unter die Statisten. Man hatte dem Maschi-\nnisten gesagt, er solle den Vogel, der mehr einer Poularde\nals einem Raubvogel glich, sobald er den Schuss höre,\nherunter fallen lassen, hatte aber vergessen zuzusetzen:\nbeim zweiten Schuss! In dieser Weise ging es unter\ngrosser Heiterkeit des überfüllten Hauses fort, bis im\nletzten Finale der alte Förster auf einmal so fürchter-\nlich falsch sang, dass Alles aus dem Tact kam und der\nVorhang unter dem Gelächter des Publicums fiel. Trotz\nalledem waren Caspar's Bacchuslied und der Jägerchor\nda Capo gerufen worden und das phantastische Element\nvon Teufelsspuk und Aberglauben einschliesslich der\nWolfsschlucht (la gorge aux loups) hatte den Eindruck\nauf die Menge gemacht, den das Neue zumal bei den\nFranzosen erregt.\nDer Director verzweifelte nicht; mit den beiden sehr\nkleinmüthig gewordenen Librettisten fuhr er in der Nacht\nbei allen Journal-Redactionen herum und bewog sie, von\ndem Misserfolg am nächsten Tage gar nicht zu berichten\noder ihn zu beschönigen. Dann stellte er einen neuen\nTenoristen an, der ihn viel Geld kostete, besetzte auch\neinige andere Rollen besser, probirte tagtäglich und gab\nnach zehn Tagen die zweite Vorstellung., Und das leidige\nConterfei des Freischütz hatte ungeheuren Erfolg und er-\nlebte im Jahre 1825 140 Vorstellungen und im Ganzen\nfast an 300!\nSpäterhin gaben einige deutsche Opern-Gesellschaf-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.5", "texte": "ten den wirklieben Freischütz in Paris in den Jahren\n1829, 1831, 1838, und zwar mit Künstlerinnen wie\ndie Fischer-Achten und dieSchröder-Devrient in der Rolle\nder Agathe. Die Theater der komischen Oper und das\nspäter entstandene Theätre lyrique brachten die Oper,\nallein stets mit weniger oder mehr Zugrundelegung des\nRobin des Bois auf ihre Bühnen, und im Jahre 1841\nentschloss sich auch die grosse Oper dazu, liess das Buch\nvon Pacini übersetzen und statt des bisher stets beibehal-\ntenen Dialogs Recitative von Berlioz dazu schreiben, weil\ndie Statuten der grossen Oper keinen Dialog gestatten.\nBerlioz löste diese schwierige Aufgabe nicht ohne Ge-\nschick, ob er aber wohl daran thatj mehrere Motive und\nharmonische Wendungen aus den andern Gesangsnummern\nin der Begleitung der Recitative vorweg zu nehmen,\nmöchte zu bezweifeln sein. Ueberhaupt aber eignet sich\nwohl kein Dialog weniger zu Recitativen, als der im\nFreischütz. Das Beste, das man Berlioz verdankt, ist die\nInstrumentirung von Weber's „Aufforderung zum\nTanz\", die er bei dieser Gelegenheit, da man auch ein\nBallet haben wollte, einlegte; jetzt, wo dieses Stück häufig\nin Concerten gemacht wird, hat man die Veranlassung zu\nseiner Enstehung vergessen.\nGerade 42 Jahre nach der ersten Aufführung des\njßobin des Bois brachte jetzt am 8. December 1866\ndas Theätre lyrique den Freischütz mit der Ankündigung:\ntel que le maitre l'a ecrit also den ganzen Text in\nmöglichst genauer Wiedergabe und die ganze Partitur.\nMan hat dabei mit Recht den Dialog wieder hergestellt.\nDie Uebersetzung der Herren Trianon und Eugen Gauthier\nist ziemlich wörtlich, freilich hier und da etwas steif und\ndurch den Reim beengt. Was die Verkündigung: „so\nwie der Meister ihn geschrieben\" betrifft, so darf man sie\nleider nicht auf den Vortrag der Sänger beziehen, die sich\nDinge erlauben, über welche Weber in glühenden Zorn\ngerathen sein würde, so wie es iu der Aufführung jedem\ngewissenhaften Musiker und Bewunderer der Weber'-\nschen Musik ergangen ist. Diese französischen Sänger be-\nhandeln zum Beispiel die Fermaten und Schlusscadenzen\nbei Weber wie bei Bellini und Verdi. Caspar genirte\nsich nicht im geringsten, dem gehaltenen a am Schlüsse\nseiner grossen Arie einen italiänischen Schweif anzuhängen,\nund Madame Miolan-Carvalho, welche überhaupt keine\nIdee von Weber's Agathe hat, verzierte in der grossen\nScene das Gebet auf echt moderne Weise und hielt am\nEnde das hohe heine Weile fest und hing dann eine\nKette von Rouladen daran! Caspar gab uns das Bacchus-\nlied in zwei verschiedenen Tempo's, indem er bei der\nzweiten Hälfte das ma non troppo, das vor dem Worte\npresto steht, wegstrich und diese Hälfte noch einmal so\nschnell nahm, als die erste! Eben so lächerlich waren\ndie affectiven Nuancen von ff und pp im Jägerchor *).\nAuch der „schöne grüne Jungfernkranz\" wurde ganz\nund gar verunstaltet. Aber zum Ersatz für alles das,\nwelch' eine Wolfsschlucht! Malerei, Maschinerie, optische\nTäuschung, ja, damit nicht genug, die Elemente\nwurden herbeigezogen, um die prachtvolle Orchester-Sin-\nfonie zu illustriren oder zu verderben! Am Schlüsse\nein breiter Wasserfall von natürlichem Wasser, der mit\nelektrischem Licht beleuchtet drei Mal die Farbe in ben-\ngalischem Duft wechselt. Der ganze Giessbach ist mit\nseiner neu erfundenen Beleuchtung aus der Schweiz auf\ndie pariser Bühne verpflanzt; das Orchester musste seine\nletzten 20 Tacte mehrere Male wiederholen, und es fehlte\nnur noch, dass Samiel, Max und Caspar in den Fluthen\nertranken! Unter dem Jubel des Publicums fiel der Vor-\nhang, aber umsonst, denn er musste wieder nach oben,\nman rief den Wasserfall heraus, wie die Sänger nach dem\nersten Act: der Maschinist war darauf vorbereitet, die\ndrei Farben leuchteten noch einmal das Orchester\nmerkte aber wbhl, dass der Hervorruf nicht auf die\nMusik zu beziehen sei und schwieg.\nNun, chacun ä son goüt! Dankbar müssen die Ver-\nehrer aber der Direction dafür sein, dass sie zum ersten\nMale in Paris das Finale des letzten Actes vollständig ge-\ngeben bat. Allein, sollte man's denken, dieses wunder-\nvolle Musikstück wurde vom Publicum fast theilnahmlos\nangehört, der Eremit war für die Pariser eine sehr gleich-\ngültige Erscheinung, mochte er singen, was er wollte, und\ndie Menge wünschte gewiss lieber den verstümmelten\nSchluss vom Robin des Bois.E. Reyer sagt darüber\ntreffend indenDebats: „ich hoffe indess, dass die Direction\nsich nicht an die Langeweile oder die Gleichgültigkeit des\nPublicums ich wage nicht, mich deutlicher auszu-\ndrücken kehren und uns dieses prächtige Finale mit\nseinen süssen Melodieen und erhabenen Gedanken, das\nman gar nicht genug hören und preisen kann, nicht vor-\nenthalten wird.\"\nIch habe schon erwähnt, dass die Madame Miolan-\nCarvalho gar nicht für die Rolle der Agathe geeignet ist.\nWie oft habe ich nicht in meinen Briefen den reizenden\nGesang, die feine, liebliche Stimme, die anmuthige und\nvirtuose technische Fertigkeit dieser trefflichen Sängerin\ngerühmt, die in ihrem Genre des graziösen Coloratur-Ge-\n\n*) Ei, diesen Unsinn, der gegen den Text und den Charakter\nder Leute und der Musik eine wahre Ironie ist, haben wir leider\nauch auf deutschen Bühnen in den letzten Jahren gehört; wahr-\nscheinlich muss man den Ursprung dieser unausstehlichen Ziererei\nbei irgend einem Männergesang-Verein suchen, dessen Vortrag dann\nein unwissender Chor-Director hat copiren lassen!\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.6", "texte": "Sanges in Deutschland sicher keine Nebenbuhlerin hat!\nallein die deutsche Musik Weber's kann sie nicht singen:\nnamentlich wurde das prachtvolle Allegro der grossen\nScene in E-dur zu einem charakterlosen Rondo.\nSchliesslich muss ich noch ein musicalisches Ereigniss\noder auch ein grossartiges Curiosum erwähnen:\ndie erste Aufführung der Missa in von Beet-\nhoven in Paris! Pasdeloup war der Kühne, der sie zur\nFeier des Cäcilienfestes am 22. November in der Kirche\nSt. Eustache, welches der grosse Verein der Tonkünstler\nalljährlich veranstaltet, zu Gehör brachte. Ob er es mit\nso ungenügenden Mitteln, wie sie ihm nur zu Gebote\nstanden, überhaupt hätte tbun sollen, ist kaum eine Frage,\nda jeder deutsche Musiker und Verehrer Beethoven's sie\nverneinen wird. Aber Herr Pasdeloup gibt jetzt Alles\nund zuweilen mit unverzeihlichem Leichtsinne: essoli mich\ngar nicht wundern, wenn er nächstens Bach's Matthäus-\nPassion oder von den Neuern Schumann's Faust zur Auf-\nführung bringt. Das Wie scheint ihn bei solchen Gele-\ngenheiten wenig zu kümmern. Indess dürfte auch bei\nsorgfältig studirter und ganz gelungener Ausführung die\nMissa solemnis doch über den Horizont des pariser Pu-\nblicums gehen. Die Berichterstatter der Zeitungen glänz-\nten dieses Mal durch Abwesenheit; hie und da las man\nein Wort von „ungestümem und zügellosem Stil, rasender\nExaltation, die nichts mässigen kann\" u.s.w. und be-\nsonders von „gänzlichem Mangel an würdigem Kirchen-\nstil\". Würdiger Kirchenstil in den Kirchen von Frank-\nreich! Hier gleich ein Pröbchen davon und von dem\nRespect vor Beethoven, mit dem sich jetzt alles brüstet.\nErstens: anstatt des Beethoven'schen wurde ein\nCredo für Unisono von Männerstimmen von Dümont und\nnachher noch ein Domine von demselben, erst ebenfalls\nunisono, dann vierstimmig wiederholt, eingelegt. „Das\nwar wahrhaft religiöse Musik!\" heisst es in einem Blatt!\nZweitens mitten zwischen Beethoven ferner ein Offertorium\nfür Orgel, sogenannte Improvisation des Herrn Batiste,\num die verschiedenen sanften Register, Schweller und\nEchokasten seines Instrumentes hören zu lassen. Drittens:\nzur Entrßegab derselbe Organist Bach's Fuge in und\nzur Sortie Beethoven's grosses Allegro aus der fünften\nSinfonie zum Besten! Das Letzte nennt ein kurzer Be-\nricht „einen glücklichen Gedanken des Herrn Batiste\"!\nDaraus mag man ersehen, wie meilenweit Paris noch\nvon der Höhe wahrer Kunst entfernt ist.\n\nB. P.\n\nFünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 18. December 1866.\nDas fünfte Gürzenich-Concert war eine schöne Feier des Ge-\nburtstages von Carl Maria von Weber, der nach der Ueberlie-\nferung in seiner Familie an diesem Monatstage des Jahres 1786 zu\nEutin das Licht der Welt erblickte. Das Programm brachte nur\nCompositionen von ihm, in der ersten Abtheilung in den Rahmen\nder Ouvertüren zum 0 beron (mit dem Elfenchor der Introduction)\nund zum Freischütz eingeschlossen für Gesang die Scene der\nAgathe, die Cavatine: „GlÖcklein im Thale\" aus derEuryanthe\nund die Lieder: „Das Mädchen an das Schneeglöckchen\" und „Un-\nbefangenheit\", für Pianoforte das Concertstück in F-moll und\nAdagio und Scherzo aus der As-dur-Sonate; in der zweiten Ab-\ntheilung die vollständige Musik zu „Preciosa\" mit verbindenden\nWorten von C. O. Sternau. Die schöne Aufgabe, durch ihre Vor-\nträge Kränze auf den Altar der Erinnerung und des dankbaren An-\ndenkens an den grossen deutschen Tondichter zu legen, war drei\nDamen zu Theil geworden: Frau Clara Schumann, Frl. Emilie\nWagner aus Karlsruhe und Frau Ernst vom hiesigen Stadt-\nTheater. Chor und Orchester bildeten den glänzenden Goldgrund,\nwelcher die einzelnen, dem Genius der Tonkunst huldigenden, Ge-\nstalten umgab, und so zog an den Zuhörern eine Reihe von Tonge-\nmälden vorüber, welche durch den Duft der unverwelklichen\nBlüthen ihres Colorits und durch die schöne Ausführung jedes ein-\nzelnen Bildes alle Anwesenden entzückten und begeisterten. Der\nSaal und die Galerieen waren so voll, wie wir sie lange nicht ge-\nsehen haben, so dass an zwei Tausend Menschen in gespanntester\nTheilnahme mit inniger Befriedigung die Wunderwerke des Genie's\naufnahmen, die bei jeder neuen Vorführung neuen Zauber auf die\nGemüther üben. Das ist aber eben die wahre Probe echten Ge-\npräges einer Kunstschöpfung, und das horazische Wort decies re~\npetita placebit heisst nicht: „Das wird erst, wenn man es zehn Mal\ngehört hat, gefallen\", wie es so oft heutzutage zur Beschönigung\nunechten Gehalts verdolmetscht wird, sondern es heisst: „und wenn\nman es zehn mal und noch so oft wieder hört, wird es immer ge-\nfallen.\" Wie könnte das aber auch bei Weber anders sein, aus\ndessen Geist und Gemüthe der ewig quellende Born echt deutscher\nMelodie zugleich mit ihrer harmonischen Fülle strömt! Auch\nMit der musicalischen Gedanken-Fabrik\nIst's wie mit einem Weber-Meisterstück,\nWo ein Tritt tausend Fäden regt,\nDie Schifflein herüber hinüber schiessen,\nDie Fäden ungesehen fliessen,\nEin Schlag tausend Verbindungen schlägt:\nDas preisen die Schüler aller Orten,\nSind aber keine Weber geworden.\nDie Sologesänge wurden von Frl. Emilie Wagner vorgetragen,\nin der wir bereits bei der letzten Aufführung der Matthäus-Passion\nim März d. J. eine sehr schätzenswerthe Concert-Sängerin kennen\nlernten. Ihre Hauptvorzüge sind eine in allen Tonregionen wohl-\nlautende Stimme von weicher Klangfarbe, deren Tonleiter zu gleich-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.7", "texte": "Mässiger Fülle ausgebildet ist, so dass weder die Höhe scharf\nund spitz wird, noch die Tiefe, die für einen Mezzosopran\nbedeutend ist, durch jenes Indiebreitezerren der Brusttöne verun-\nstaltet wird, welches die meisten dramatischen Sängerinnen jetzt\nzur Mode gemacht haben, obschon es den Chignons an dem natür-\nlichen Haarschmuck junger Damen gleicht. Dazukommt die Freiheit von\naller Affectation im Vortrag, dessen Ausdruck bei Frl. Wagner nie über\ndie natürliche Empfindung hinausgeht und doch nicht der Wärme\nentbehrt: in dieser Hinsicht war namentlich auch ihr Vortrag der\nRomanze der Preciosa ganz vortrefflich. Ueber das Spiel der be-\nrühmten Pianistin * noch etwas zu sagen, hiesse, um bei antiken\nSprüchen zu bleiben, in Bezug auf ihre eminenten Eigenschaften\nEulen nach Athen tragen uxld in Hinsicht ihrer dieses Mal wieder\nstark hervorgetretenen Uebertreibung der Tempi Wasser in das\nFass der Töchter des Danaus giessen. Das hohe Alter muss frei-\nlich oft den Vorwurf hören, dass es das rasche Blut der Jugend,\nbeziehungsweise der Neuzeit, nicht begreife; es hat aber wenigstens\nden Vorzug, dass es z. B. ein Weber'sches Ällegro ajopassionato\nnoch gerade so im Andenken hat, wie Weber selbst und auch\nMendelssohn, dem Niemand übermässige Langsamkeit vorwerfen\nwird, es spielten. Die meisten heutigen Pianisten scheinen bei\nöffentlichen Vorträgen zu vergessen, dass sie nicht bloss für die\nMusiker und solche, die jede Note des vorgetragenen Stückes\nkennen, spielen, sondern für ein grosses Publicum: diesem wird\naber durch übertriebenes Tempo die Composition geradezu unver-\nständlich und es bleibt nur die Bewunderung der Technik übrig.\nEinen sehr anziehenden Genuss bot die Aufführung der Musik\nzu „Preciosa\" dar, deren einzelne Nummern durch Sternau-Inker-\nmann's verbindende Verse ein Ganzes bildeten, zu dessen Verständ-\nniss und Eindruck der vortreffliche Vortrag der Frau Ernst soviel\nbeitrug, dass wir uns nicht erinnern, durch die Verbindung von\nMusik mit Declamation jemals einen so ungestörten Kunstgenuss\ngehabt zu haben. Vorzüglich verstand sie es, die Worte der Pre-\nciosa selbst und die Erzählung der Handlung durch Stimmklang\nund Gefühlsausdruck auseinander zu halten, und das Publicum ist\nder als dramatischen Darstellerin längst hochgeschätzten Künstlerin\nzu vollem Dank für ihre Leistung im Concertsaal verschuldet.\nDie Musik selbst gibt einen schlagenden Beweis für Weber's\nTalent in Auffassung des Charakters seines Stoffes, denn wiewohl\ndie Composition noch mitten in die Arbeiten zur Vollendung des\n„Freischütz\" hinein fiel, so ist doch die tonliche Versinnlicliung des\nDeutsch-Romantischen und des Spanisch-Romantischen in beiden\nWerken durchweg verschieden. Die Thatsache, dass Weber dieses\nMal die Ouvertüre zur Preciosa zuerst, d. h. vor der Composition\naller übrigen Nummern schrieb, beweisst, wie er das Ganze schon\nim Geiste nicht bloss aufgefasst, sondern grossen Theils auch in\nden Hauptmotiven schon festgestellt hatte. Zwischen der Vollen-\ndung der Ouvertüren zum Freischütz und zu Preciosa lagen nur\nvierzig Tage. Die Musik zu Preciosa überhaupt ist aber nicht die\nVorgängerin zum Freischütz gewesen, wie lange Zeit geglaubt\nwurde, sondern erst während der Vollendung des letztern coinponirt.*)\n*) Wegen Mangels an Raum müssen wir den Bericht über die\nAufführung der Musik zu Manfred von Schumann und über\ndie 11. Soiree für Kammermusik bis zur nächsten Nummer ver-\nschieben. Die Redaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n** Merlin, 16. Dec. Das erste Abonnements-Concert der\nSingakademie, das gestern Statt fand, war sehr besucht. F\nHillei s Oratorium i „Die Zerstörung von Jerusalem\" wurde mit\njenem unverkennbaren und eines echten Kunstwerkes würdigen\nErfolg aufgeführt, der sich zumal in der Akademie, wo das Ap-\nplaudiien nicht Sitte ist in der gespanntesten Theilnahme eines\nPublicums, das den Saal bis auf den letzten Platz füllte, in der\nauf Aller Antlitz und Blick sich offenbarenden inneren Befriedigung,\nin dem Flüstern und Summen vom Nachbar zum Nachbar, fast nach\njeder Nummer deutlicher, sicherlich dem wahren Kunstfreund wohl-\nthuender aussprach, als der rauschende, nur allzuoft durch äussere\nMittel und Rücksichten hervorgerufene Theater-Applaus. Die Aus-\nführung, deren Leitung von Grell dem Musik-Dire'ctor Blumner\nüberlassen worden war, bekundete dessen bekanntes Directions-Ta-\nlent und war besonders in den Chören und im Orchester sehr gut.\nDer Choi der Akademie hat sich wieder merklich vermehrt. Die\nPartie des Jeremias hatte der treffliche Hofopernsänger Betz über-\nnommen, erkrankte aber Tags zuvor; ein Mitglied der Akademie\nHerr P., führte sie also fast wie vom Blatt! mit zwar nicht\ngrosser, aber sehr schöner Stimme lobenswerth aus. Der Alt, Frl.\nBaer, wetteiferte mit dem Sopran, Frl. Decker. Ein Versehen kam\nnirgends vor: das Publicum verliess den Saal unter dem Eindruck\ndes Meisterwerks befriedigt, ergriffen und gehoben.\n* Minden. Im Concert des Musikvereins am 4. Dec. hörten\nwir das liebliche Gesangstück von M. Bruch: „Die Birken und\ndie Erlen\" unter Leitung des Herrn Musik-Directors E. Drobisch,\nausserdem Chöre aus Judas Maccabäus und Ciaviervorträge (Herr\nDrobisch), u. A. Schumann's Quintett. Die Concert-Sängerin Frl.\nSophie Reck aus Clausthal, Schülerin des Herrn E. Koch in\nKöln, trug die grosse Sopran-Arie aus der „Schöpfung\", die Pagen-\nArie aus den Hugenotten und einige Lieder mit grossem Beifall vor.\nDie „Neue Berliner Musik-Zeitung\" meldet, dass R. Volkmann\nmit der Composition einer grossen Oper, „Saul\", beschäftigt ist.\nIn Karlsruhe starb am 1. December der pensionirte grossh.\nHofcapellmeister Joseph Strauss, geb. 1793 in Brünn. Der Ge-\nschiedene hatte 40 Jahre lang an der Spitze der Karlsruher Hof-\ncapelle gestanden und nahm erst im vorigen Jahre seine Pension.\nStrauss hat früher Opern, Sinfonieen, Ouvertüren etc. geschrieben.\nEbendaselbst verschied am 3. December plötzlich der pensionirte\nfürstlich Fürstenbergische Hofcapellmeister Johann Wenzel Kalli-\nwoda, geb. 1801 in Prag, nachdem er erst vor einigen Wochen\nvon Donaueschingen nach Karlsruhe übergesiedelt war. Seine Com-\npositionen, namentlich seine Männergesänge, sind in weitesten Krei-\nsen bekannt und beliebt geworden.\nWieder eine Programm Sinfonie ! Im zweiten Mün-\nchener Odeons-Concert am 26. November wurde eine Sinfonie\nvon J. Rheinberger, „Wallenstein\" betitelt, mit grossem Beifall\naufgeführt. Der erste Satz soll Wallenstein selbst in seinen\ngrossen Planen, Schwankungen u. s. w. vorstellen; der zweite Satz,\ndas Adagio, Thekla; das Scherzo, das Lagerleben und die Kapuziner-\npredigt; der Schlusssatz endet mit dem Begräbniss des Helden. So\nwenigstens theilt die A. A. Ztg. den „Inhalt\" der Sinfonie mit."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661222-01.1.8", "texte": "Otto Kraushaar, der bekannte Musiker und Musikiehrer in\nKassel, Verfasser eines Buches: „Der accordliche Gegensatz\", ist\nam 23. November gestorben.\nliefpzig» Herr Dr. Oscar Paul hat sich an der hiesigen\nUniversität habilitirt und in diesen Tagen seine Vorlesungen (über\nGeschichte der Musik, Harmonik und Metrik, Aesthetik u. s. w.)\neröffnet. Seine Habilitationsschrift: „Die absolute Harmonik der\nGriechen\" ist bei A. Dörffel in Leipzig erschienen.\nDie Leipziger Allgemeine Musik-Zeitung vom 5. d. M. schreibt:\nHerr Fr. Chrys and er weilte kürzlich einige Tage hier. Wir kön-\nnen unseren Lesern die angenehme Mittheilung machen, dass dem-\nnächst ein zweiter Band seiner „Jahrbücher\" erscheinen wird. Auch\nvom dritten Bande der Händel-Biographie soll zu Neujahr ein\nTheil ausgegeben werden. [Das wäre sehr wünschenswerth!]\nIn Dresden starb am 1. December der berühmte Akustiker\nFriedrich Kaufmann im 82. Lebensjahre.\nHerr J. Wasielewsky in Dresden hat daselbst einen „Ver-\nein für classische Kammermusik\" gegründet. Die ersten Soireen\nfanden unter lebhafter Theilnahme des Publicums statt.\nDer Violinist und Kammervirtuos des Grossherzogs von Hessen,\nHerr Gustav Friemann, hat in Dresden unter Mitwirkung der\nHH. Hess (Piano) und Kammervirtuos F. A. Kummer eine\nmusicalische Abendunterhaltung gegeben und sich durch den Vortrag\ndes D-moll-Trios von Mendelssohn, des 7. Concerts von Beriot und\neiner Fantasie von Leonard als ein sehr tüchtiger Geiger erwiesen.\nLebhafter Beifall folgte jedem seiner Vorträge.\nA. Langert's neue Oper „Die Fabier\" ging am 25. Novem-\nber in Coburg zum ersten Male und unter des Componisten persön-\nlicher Leitung über die Bühne und fand bei einem zahlreichen Pu-\nblicum sehr freundliche Aufnahme.\n** Paris* Bei Madame Szarvady ist neulich Abends das\nQuintett Op. 34, für Pianoforte u. s. w. von Johannes Brahms\ngespielt worden. Neben der liebenswürdigen Dame vom Hause\nwaren die Herren Joachim, Langhans, Mas und Valentin Müller betheiligt.\nDas sechste Populär-Concert brachte neben Mendelssohn ' s\nViolinconcert (Joachim) Schummann's Ouvertüre zur Genovefa,\nBeethoven's (7-dwr-Sinfonie undWallace's Ouvertüre de Lore-\nlei, bailade allemande (sie!). Verdi's „Don Carlos\", den er für\ndie französische Oper geschrieben, wird schon lange studirt und soll\nnun endlich am 15. Januar k. J. in Scene gehen.\nDie philharmonische Akademie zu Bologna, deren\nMitglied Mozart war, hat Anfangs dieses Monats ihr 200 jähriges\nStiftungsfest gefeiert.\nDie „Africanerin\" überschreitet nun auch den Ocean und wird\nIn New-York, Charlestown, Augusta und Savannah noch in diesem\nWinter zur Aufführung kommen.\nDer Londoner Concert-Unternehmer Hr. Ella, der sich gegen-\nwärtig in Wien befindet, hat dem dortigen Conservatorium 100 fl.\nübergeben, welche dem besten Violinschüler, welcher in diesem\nJahre aus der Hellmesb erger'sehen Classe hervorgeht, als Preis\nzuerkannt werden sollen. Das ist gewiss aller Anerkennung werth\nund verdient Nachahmung von Seiten unserer Landsleute."}]}