{"numero_id": "bm-bmtnabi-1866-12-29-01", "volume": "bmtnabi_1866-12-29_01", "ocr_sha256": "9085441a8f92f049aeb652024ac20f0c80ee1659a504b8581b78c43fd868b195", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1866/12/29_01/bmtnabi_1866-12-29_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-29-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-29_01#c001", "volume": "bmtnabi_1866-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 466, "texte": "Inhalt.\nZu den Briefen von Beethoven an die Gräfin Erdödy. Von L. B. Aus Trier (Te Deum von Bf. Oberhoffer). Von L.\nHector Berlioz in Wien. Joseph d'Ortigue f. Robert Schumanu's Musik zu Byron's „Manfred\". Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, zweite Soiree für Kammermusik, Sinfonie von Capellmeister Lassen Coburg, Langert's Oper „Die Fabier\"\ngtuttgart, Verein für Kirchenmusik - „Die Liebesprobe\" von Otto Bach Prag, „Astorga\" von Abert Salzburg, Musikzustände)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-29-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-29_01#c002", "volume": "bmtnabi_1866-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "411", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.2.2", "titre_corps": "Zu den Briefen von Beethoven an die Gräfin Erdödy.", "titre_sommaire": "Zu den Briefen von Beethoven an die Gräfin Erdödy.", "signature_source": "L. 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Gr. 8.).\nDer Name der Gräfin ist der musicaliscL J Welt aus\nden Titeln der zwei grossen Trio's Op. 70 und der zwei\nSonaten für Pianoforte und Violoncell Op. 102, der\nWerke, welche Beethoven ihr gewidmet hat, bekannt.\n„Gräfin Marie Erdödy, geborene Gräfin Niszky, sehr\nschön, war in ihrem fünfzehnten oder sechszehnten Jahre\nverheirathet und seit ihrem neunzehnten Jahre beständig\nkrank. Sie spielte ganz ausgezeichnet Ciavier und fand in\nder Musik ihre einzige Unterhaltung. Sie lebte theils in\nWien, theils auf ihrem Gute Paukowitz, später ein Jahr\nin Padua, dann in München, wo sie am 17. März 1837,\n57 Jahre alt, starb. Sie sorgte für Beethoven, brachte\nbesonders seine Akademie-Billets unter, schenkte ihm\nWäsche u. s. w. Ihr Sohn starb plötzlich bei ihr im Zim-\nmer (im Mai 1816).\" So berichtet Dr. Schöne „aus einer\nQuelle, deren Zuverlässigkeit ausser Zweifel ist und durch\ndie Briefe selbst gewährleistet wird\". „Ich verdanke\"\nfährt er S. 7 fort „ihre Mittheilung dem Herrn Pro-\nfessor Otto Jahn, der mir dieselben aus seinen Sammlun-\ngen u. s. w. überlassen hat.\" Ferner gibt er einige Nach-\nrichten über die hochbegabte Dame aus Reichardt's „Ver-\ntrauten Briefen aus Wien\"; auch finden sich in Nohl's\nSammlung der Beethoven'schen Briefe einige auf das Ver-\nhältniss des Meisters zur Gräfin, in deren Hause er eine\nZeit lang wohnte, bezügliche Stellen.\nAuffallend ist aber, was Dr. Schöne über dieses Ver-\nhältniss aus Schindlers Biographie Beethoven's aus de-\nren erster Ausgabe beibringt, ohne die dritte Ausgabe\ndesselben Buches (vom Jahre 1860) nachgesehen zu ha-\nben. Schindler bleibt immer, trotz allem, was man an sei-\nnem Buche aussetzen kann, eine Hauptquelle für Beetho-\nven's Leben, und wer über Beethoven schreibt und sie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5177, "texte": "nicht beachtet, macht sich jedenfalls eines literarischen\nVergehens schuldig. Dr. Schöne führt aus Schindler Bd. I,\nS. 68 an: „Auch weiss man von einem zarten Verhält-\nnisse mit einer Gräfin Maria Erdödy, welcher Beethoven\ndie beiden Trio's Op. 70 gewidmet hat. Doch scheint\ndieses nur ein inniges Freundschafts-Verhältniss gewesen\nzu sein. Ich weiss darüber nichts Genaueres, als dass jene\nkunstsinnige Dame ihrem Lehrer und Freunde in dem\nPark eines ihrer Schlösser in Ungarn einen schönen Tem-\npel erbaute, dessen Eingang mit einer bezeichnenden In-\nschrift geziert ist, die in sinniger Weise ihre Huldigung\ndem grossen Künstler ausspricht.\" Der dort erwähnte\nTempel mag wohl „der Isis-Tempel\" sein, von dem Beet-\nhoven in dem ersten Briefe an die Gräfin vom 19. Wein-\nmonat 1815 (S. 14) spricht. Die ganze Stelle findet sich\njedoch in der dritten Ausgabe bei Schindler nicht mehr,\ndagegen aber folgende, welche dem Dr. Schöne entgan-\ngen ist.\n1. Band I, S. 94. „In der Verzweiflung (über den\nBruch des Verhältnisses zwischen ihm und Giulietta Guic-\nciardi, die sieb fast plötzlich mit dem Grafen von Gallen-\nberg vermählte) suchte er Trost bei seiner bewährten und\nvorzugsweise verehrten Freundin, Gräfin Marie Erdödy\n(man findet diesen Namen auf den beiden Trio's Op. 70\nund den beiden Sonaten für Pianoforte und Violoncell\nOp. 102), auf ihrem Gute Jedlersee im Marchfelde, um\neinige Tage in ihrer Nähe zu verbringen. Dort verschwand\ner aber, und die Gräfin glaubte ihn nach W7ien zurück-\ngekehrt, als am dritten Tage darauf ihr Musiklehrer\nBrauchle ihn in einem entlegenen Theile des Schlossgar-\ntens gewahrte. Dieser Zwischenfall blieb lange ein fest\nbewahrtes Gebeimniss und ward erst nach Jahren durch\ndie beiden Mitwissenden näheren Freunden Beethoven's\nanvertraut, nachdem diese Liebes-Angelegenheit längst in\nVergessenheit geratben. Man knüpfte die Vermuthung\ndaran, es sei des Unglücklichen Absicht gewesen, sich\ndurch Erhungern den Tod zu geben. Im Stillen beobach-\ntende Freunde wollen bemerkt haben, dass Beethoven die-\nsem Musiklehrer mit ausserordentlicher Aufmerksamkeit\nseitdem begegnet ist. (Die Leser der Revue des deux\nTnondes werden diesen Vorgang zu Jedlersee bereits 1850\nin dem Aufsatze von Scudo: „Une Sonate\", gefunden\nhaben. Auf Ersuchen des Herrn Scudo, ihm etwas noch\nUnbekanntes mitzutheilen, was in irgend einem Zusam-\nmenhange mit der Sonate in steht, über welche\ner eben schreibe, ward ihm dieser Vorfall von mir zuge-\nschickt. Er hat jedoch für gut befunden, ihn etwas um-\nzugestalten, weil er ihm wahrscheinlich zu wenig roman-\ntisch geklungen.)\"\n2. Band I, S. 244. „An die e reiht sich\nunmittelbar die Entstehung der beiden Sonaten in C- und\nD-dur, Op. 102. Der Meister hat diese Dichtung seiner\nhochverehrten Freundin, Gräfin Marie Erdödy, gebo-\nrenen Gräfin Niszky, gewidmet, die er bereits durch\nWidmung der beiden grossen Trio's Op. 70 ausgezeich-\nnet hatte. Was diese Dame lange Jahre hindurch für\nBeethoven gewesen, bezeichnet ein Wort: er nannte sie\nseinen „ „ Beichtvater\" *. Mit dem Adel der Geburt ver-\neinigte sieb bei ihr Adel der Gesinnung, welcher bei den\nanderen Ebenbürtigen nicht immer in gleichem Maasse\nzu finden war. Gräfin Erdödy hatte in ihren wahrhaft\nfreundschaftlichen Gesinnungen, nicht minder aber auch\nin der offen bekundeten Pietät für den Meister niemals\ngewankt, wie dies fast alle ihres Gleichen gethan, und ihn\nverlassen, nachdem ein neues Gestirn am italiänischen\nHimmel aufgegangen war. Um 1820 nahm sie ihren be-\nständigen Wohnsitz in München; das Jahr ihres Ablebens\nwar nicht zu ermitteln*).\"\nWir geben diese beiden Stellen, weil sie auf das\nFreundschafts-Verhältniss zwischen der Gräfin und Beet-\nhoven ein schönes Licht werfen und zur Ergänzung dessen\ndienen, was Reichardt mittheilt, mithin die von Schöne\nherausgegebenen Briefe noch anziehender machen. Ferner\ngeht aus der ausdrücklichen Nennung von „Jedlersee\nim Marchfelde\" hervor, dass dort, und nicht auf Pau-\nkowitz, wie die Mittheilung bei Schöne (S. 7 und S. 9)\nangibt (was vielleicht mit Schindlers unbestimmter An-\ngabe: „auf einem Schlosse in Ungarn\", in der ersten\nAusgabe der Biographie zusammenhängt), der Aufenthalt\nder Gräfin, wenn sie nicht in Wien war, zu suchen sei.\nHätte Dr. Schöne sich die Mühe genommen, Schindlers\ndritte Ausgabe anzusehen, so würde er gefunden haben,\ndass die von ihm herausgegebenen Briefe selbst die An-\ngabe Schindlers bestätigen. Denn auf S. 21 schreibt Beet-\nhoven an die Gräfin: „Dem Violonzello ist aufzutragen,\nsich aufs linke Donauufer zu begeben und so lange zu\nspielen, bis Alles vom rechten Donauufer herübergezo-\ngen wird; auf diese Weise würde Ihre Bevölkerung bald\nzunehmen. Ich setze übrigens getrost den Weg wie vor-\nhin über die Donau . Schicken Sie also keinen Wa-\ngen.\" Ferner an Brauchle (S. 27): „Nehmen Sie auf\nmeine Kosten Pferde in Jedlersee\" u. s. w. Dazu\nkommt die Zuschrift des Oberamtmanns Sperl (vom 20.\nJuli 1815), der zu dem musicalischen Kreise der Gräfin\ngehörte, an Beethoven:\n„Ich kam von Jedlersee als Both\nZum ersten Compositeur nach Gott:\nDer Gräfin von Erdödy Gnaden\nLässt Sie zum Punsche laden\" u. s. w.\n\n*) Nach den obigen Mittheilungen starb sie am 17. März 1837."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 410, "texte": "Endlich schliesst die Gräfin selbst (S. 28) ihre humo-\nristische Einladung an Beethoven mit den Worten:\n„An die lorbeerbekrönte Majestät der erhabenen\nTonkunst Ludwig v. Beethoven sehnlichste Bitte der Jed-\nlerseer Musen dass ihr geliebter Apollo noch den heuti-\ngen Tag in ihrer Mitte zubringen möge.\nJedlersee war also zu Wagen und selbst zu Fuss jen-\nseits der Donau von Wien aus leicht zu erreichen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-29-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-29_01#c003", "volume": "bmtnabi_1866-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "411", "page_fin": "412", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.2.3", "titre_corps": "Aus Trier.", "titre_sommaire": "Aus Trier.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.3", "debut_caractere": 412, "fin_caractere_exclue": 4981, "texte": "Aus Trier.\n\n(Te Deum von H. Oberhoffer.)\nAm 28. November fand das erste Winter-Concert\ndes hiesigen Musik-Vereins Statt. Das Programm war fol-\ngendes: 1) Sinfonie von J. Haydn mit dem Paukenschlag;\n2) T eum für gemischten Chor mit Orchester-\nund obligater Orgelbegleitung von Heinrich\nOberhoffer, Professor der Musik in Luxemburg (Ma-\nnuscript); 3) Ouvertüre zur Oper „Faust\" von Spohr;\n4) zwei Lieder für eine Bassstimme; 5) Ouvertüre und\nZwischenact-Musik u. s. w. zu „Egmont\" von L. van Beet-\nhoven mit verbindender Declamation.\nDer Zweck dieses Berichtes ist nicht der, von den\ntüchtigen Leistungen unserer städtischen Capelle und von\ndem hohen Genüsse zu sprechen, welchen uns die beiden\nWerke Haydn's und Beethoven's insbesondere verschaff-\nten, sondern der, die geehrten Leser dieser Zeitschrift, so\nwie die Gesangvereine auf die neue Composition unseres\ngeschätzten Landsmannes, des in Pfalzel bei Trier gebo-\nrenen, jetzt aber in Luxemburg am Sehullehrer-Seminare\nals Professor der Musik wirkenden Organisten Herrn\nHeinrich Oberhoffer aufmerksam zu machen.\nSein im Oratorienstile gehaltenes Te Deum, in wel-\nches einzelne Sätze des alten Choral-Te-Deum mit Ge-\nschick und Geschmack eingeflochten sind, errang sich\neinen vollständigen Erfolg und legt Zeugniss von der Be-\ngabung des Componisten für Kirchenmusik ab. Die Wir-\nkung der Composition wäre um ein Bedeutendes erhöht\nworden, hätte man nicht die dem Concertsaale fehlende\nOrgel durch ein Harmonium ersetzen müssen.\nEhe ich auf die nähere Besprechung des Werkes ein-\ngehe, halte ich es für nöthig, Einiges über die Entste-\nhung und die ersten Schicksale der Composition voraus-\nzuschicken.\nVor zwei Jahren wurde von der Akademie der Künste\nin Berlin der bekannte Preis der Michael-Beer-Stiftung,\nbestehend in einer Geldsumme von 800 Thlrn. zu einer\nReise nach Italien, ausgeschrieben. Das Object des Con-\ncurses war ein Te Deum mit dem Originaltexte für ge-\nmischten Chor und Orchester-Begleitung. Die weiteren\neinschränkenden Bedingungen der Stiftung, dass nämlich\nder Concurrent nicht älter als dreissig Jahre sein dürfe,\nund dass er ein deutsches Conservatorium der Musik be-\nsucht haben müsse, waren Oberhoffer nicht bekannt; und\nso kam es, dass er zu dem Concurse nicht zugelassen\nwurde. Als Mitglied des allgemeinen deutschen Musik-\nVereins (Centraipunkt Leipzig) sandte er darauf sein Ma-\nnuscript dem Vorstande dieses Vereins mit der Bitte ein,\ndie Composition bei dessen nächster General-Versammlung\nzur Aufführung zu bringen, falls dieselbe als „dazu ge-\neignet\" befunden würde. Darauf hin erhielt er im October\nd. J. aus Leipzig vom Secretär des Vereins folgende Zu-\nschrift: „Im Auftrage des Dr. Brendel habe ich die Ehre,\nIhnen nachstehende Mittheilungen zu machen. So eben\nist Ihr Te Deum vom letzten Beurtheiler*) zurückgekom-\nmen, und das Resultat ist folgendes: Allgemein ist\ndie Meisterschaft im Technischen anerkannt\nworden; es sei ein Muster von Form, rein im\nSatze, natürlich in der Melodie und Stimmfüh-\nrung und zeige richtige Auffassung des Textes.\nDoch eignet sich das Werk seiner Gestalt nach wenig zur\nAufführung an einer Künstler-Versammlung, dafür ist es\nzu umfangreich. Mit der Aufführung von Chorwerken\nhat es überhaupt bei diesen Versammlungen seine Schwie-\nrigkeiten, weil die Gesangkräfte meist aus Dilettanten be-\nstehen. Desshalb können bloss kleinere Werke ins Auge\ngefasst werden, oder solche grössere, aus welchen Bruch-\nstücke aufgeführt werden können. So dachte der Vorstand\ndes hiesigen Zweigvereins des Musik-Vereins daran, aus\nIhrem Te Deum wenigstens einen Theil vorzuführen,\nmusste jedoch darauf verzichten, da sich nichts heraus-\nreissen Hess u. s. w.\nDas Te Deum beginnt mit einem Allegro maestoso in\nbreiten, wuchtigen Accorden, welche überleiten zu der\nIntonation im Oantus Brmus, ausgeführt vom Männerchor\nim Unisono, Anfangs vom Streich-Quartett, dann von der\neintretenden Orgel begleitet; dann folgt zu den Worten\n„Te aeternum\" ein schwungvoller Chor in D-dur Allegro,\nder sich bis zu dem Sanetus erstreckt. Mit dem Sanctus\ntritt wieder der Cantus firmus ein, und zwar wird das\nerste Sanctus vom vierstimmigen Frauenchor und das\nzweite Sanctus vom vierstimmigen Männerchor mit Orgel-\nbegleitung ausgeführt. Mit „Pleni sunt coeli\" beginnt eine\nherrliche Fughette im 3/4-Tacte, deren Wirkung durch\n\n*) Das Beurtheilungs-Comite besteht aus folgenden Herren: 1)\nDr. Fr. Liszt in Rom, Referent; 2) C. F. Weitzmann in Berlin,\nstellvertretender Referent; 3) Frhr. Dr. Hans von Bülow in Mün-\nchen; 4) Karl Riedel in Leipzig und 5) Max Seifriz in Löwenberg.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3638, "texte": "ein etwas rascheres Tempo noch erhöht werden dürfte.\nAn dieselbe schliesst sich mit wieder eintretender Orgel\nein dreistimmiger Solosatz im langsameren 3/4-Tacte. Mit\ndem Schluss-Accorde desselben setzt der Chor auf die\nWorte „Patrem immensae majestatis\" ein, und macht\ndiese Stelle mit gut ausgeführtem Crescendo und Decres-\ncendo einen überwältigenden Eindruck, welcher durch\nden Gegensatz des folgenden kleinen Solo's von vier Tacten\nnoch mehr gehoben wird, worauf dann mit „ Venerandum\nder Chor wieder einfällt und der Satz mit abwech-\nselndem Solo und Chor in ruhiger Weise bald zu Ende\ngeführt wird. Einzelne kräftige Trompetenstösse mit ab-\nwechselnden einzelnen Accorden in ff zeigen uns nun an,\ndass wir zum zweiten Haupt-Abschnitte des Textes, der\nmit den Worten: „Tu rex gbriae Christe\", beginnt, ge-\nkommen sind. Mit „Tu ad liberandum* beginnt ein hüb-\nscher Fugensatz mit einfacher Durchführung, dessgleichen\nbei „ Judex crederis\" in H-moll. Von erschütternder Wir-\nkung ist der Mittelsatz dieser kleinen Fuge. Nach Statt\ngefundener erster Durchführung wird ein Halbschluss in\nD-dur gemacht, dann treten die Posaunen zu folgender\nModulation ein:\n46-\nworauf sich die Engführung anschliesst. Das nun folgende\nGebet: „Te ergo quaesumus\",ein herrliches Bass-Solo im\nAndante moderato,ist wohl einer der gelungensten Sätze\nder ganzen Composition. Daran schliesst sich unmittelbar\n(wobei es kaum bemerkbar wird, dass die streng rhyth-\nmische Tactbewegung in den recitativischen Choral über-\ngegangen) der mit Orgelbegleitung im Unisono vorgetra-\ngene Cantus firmus'. „Salvumfacu, mit höchst überra-\nschender Wirkung. „Et reg wird in derselben\nWeise vom Frauenchor gesungen. Mit\nergreift der Männerchor als Thema wieder den Cantus\nfirmus,aber in folgender Weise rhythmisirt:\nIn Allegro moderato fortissin jubelnden Accor-\nden besingt der nun folgende Chor das Lob des Namens\ndes Herrn: „Et laudamus n Diesem folgt\nein Solosatz für Alt auf die Worte: „Dignare*, kurz,\naber sehr ansprechend, dem sich auf die Worte: „Mise-\nrere nostri\", der Solo-Tenor und darauf der Chor in\nflehentlicher Bitte anschliesst.\nNach einem kräftigen Halbschlusse auf dem Dominant-\nAccord in D-dur kehrt der erste Allegrosatz auf den\nWorten: „In te Domine\",zurück, der dann in eine\nprächtige und gut gearbeitete Fuge über folgendes Thema\nübergeht:\nMit eintretender Engführung gebt der Componist in\nden AUa-breve-Tact über, wodurch der Schluss allerdings\nsehr glänzend, aber gleichzeitig etwas opernhaft wird.\nNach unserer Meinung dürfte das Tempo an dieser Stelle\nnur etwa piü mosso genommen werden, ohne sich bis in\nden Alla-breve-Tact zu steigern; dadurch würde der\nSchluss immerhin noch glanzvoll bleiben, dabei aber den\nnothwendigen Ernst bewahren. Auch will es uns bedün-\nken, dass der mit einer Fermate gekrönte Halbschluss auf\nder Dominante, der im Laufe der Composition drei Mal\nerscheint, mindestens ein Mal zu oft wiederkehrt, zumal\nda er sich an einer Stelle leicht ändern lässt.\nDie Instrumentation des Werkes ist im Allgemeinen\neine gelungene; nur an einigen fugirten Stellen erscheint\nsie etwas mager, weil sie nur eine Verdoppelung der\nSingstimmen ist; doch dergleichen kommt bekanntlich\nauch in anerkannt classischen Werken dieser Art vor.\nImmerhin aber wünschen wir, dass dieses grössere Ton-\nwerk unseres Landsmannes in weiteren Kreisen Verbrei-\ntung finde, zumal da unsere jetzige Zeit nicht eben reich\nan derartigen Compositionen ist. Wäre das Werk, welches\nbesonders auch grösseren Gesangvereinen zu empfehlen\nist, vor der Feier des Friedensfestes in Druck erschienen,\nso hätte es dabei eine recht würdige Anwendung fin-\nden können.\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-29-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-29_01#c007", "volume": "bmtnabi_1866-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "414", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.2.4", "titre_corps": "Hector Berlioz in Wien.", "titre_sommaire": "Hector Berlioz in Wien.", "signature_source": "Z", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5267, "texte": "Hector Berlioz in Wien.\n\nDie Gesellschaft der Musikfreunde setzte auf das Pro-\ngramm ihres ersten ausserordentlichen Concertes (am 16.\nDecember) die „Verdammung Faust's\", eine für Soli,\nQhor und Orchester gesetzte Legende in vier Abtheilun-\ngen von Berlioz, und lud den Componisten ein, sein\nWerk persönlich zu dirigiren. Eine Kritik dieser eine\n2f/2Stündige Auffübrungszeit in Anspruch nehmenden\nComposition würde den Rahmen eines Concertberichtes\nüberschreiten: wir Werden uns daher möglichst objectiv\nan das Resultat der Aufführung halten. Der berühmte\nKünstler wurde mit anhaltenden und rauschenden Beifalls-\nsalven empfangen; Alles erhob sich, um den von schneeigem\nHaar umwallten, einst so fein charakteristischen, edlen,\njetzt allerdings schon zu scharfen Contouren zusammen-\ngezogenen intelligenten Kopf zu betrachten. Im Laufe der\nProduction wurde viel und stark applaudirt, auch häufig\nan Stellen, die unter gewöhnlichen Umständen vielleicht\ngerade zum Beifalle kaum aufgefordert haben würden. So\nweit sich das eigentliche Publicum diesen Ehrenbezeigun-\ngen anschloss, bezogen sich dieselben theils auf Momente\nder Composition, die geeignet waren, durch die Origina-\nlität der Mache und Klangwirkung einen besonderen Ein-\ndruck hervorzubringen; theils galten sie dem Manne, des-\nsen geistreiche Feder und sonstiger künstlerisch thätiger\nEinfluss es sich zur Lebensaufgabe gestellt hatte, deutsche\nMusik in Frankreich zu propagiren. Da nun aber die\nKoryphäen der deutschen Tonkunst mehr oder weniger\nOesterreicher sind (Gluck, Beethoven, Haydn, Mo-\nzart, Schubert), so war es nur Schuldigkeit und Pflicht\ndes Publicums der Residenz Oesterreichs, die gebotene\nGelegenheit zu ergreifen, um dem Manne, der diesen He-\nroen die Wege zur Popularität unter seinen Landsleuten\nmit Schrift und That bahnte, den verdienten und wärm-\nsten Tribut dankbarer Anerkennung zu zollen. So weit\ndas grosse Publicum. Die Künstlerwelt selbst aber hatte\nnebst diesen Gesichtspunkten auch speciel das Verdienst\nzu würdigen, das sich Berlioz um die Erweiterung eines\nwichtigen Gebietes der Tonsatzkunst, der Orchestration\nnämlich, sowohl durch seine unmittelbaren Schöpfungen,\nwie durch seine diesfälligen didaktischen Arbeiten unstrei-\ntig erworben hat.\nUnter diesem letzteren Gesichtspunkte betrachtet, bie-\ntet auch die „Verdammung Faust's\", gleich den übrigen\nWerken Berlioz', eine reiche Fundgrube neuer Behand-\nlungsarten des Orchesters; er ist in Combinationen eigen-\nthümlicher Klangwirkungen unerschöpflich. Da specifisch\nmusicalisches Erfinden und symmetrische Gliederung der\nForm nie seine starke Seite war, so hätte Berlioz seiner\nIndividualität nur untreu werden müssen, um in diesem\nWerke eine andere Richtung einzuschlagen. Das war denn\nauch nicht zu erwarten, und so ist über diese Punkte wei-\nter nichts zu sagen, es wäre denn nur, um sich zu ver-\nwundern, dass nach ungefähr zweistündiger Dauer der\nMusik, in der dreizehnten Scene (dem Duette zwischen\nFaust und Gretchen), unerwartet—Melodie an unser Ohr\nschlug, die sich freilich, gleich allen übrigen Gebilden die-\nses Tonsetzers, in Malerei verliert. Ueberhaupt gehört\ndie Art und Weise, wie Berlioz mit der Menschenstimme\numgeht, nicht zu jener, die Compositionsjüngern als Mu-\nster anzuempfehlen wäre, denn wahrlich, es erfreut sich\ndas zweite Fagott oder das Tamtam einer rücksichtsvolle-\nren Behandlung, als hier dem Menschen-Organe oft zu\nTheil wird; den Sängern, zumal den Solisten, fallen daher\nauch von Schwierigkeiten strotzende, eben so exorbitante\nals undankbare Aufgaben zu, und es war, gering gesagt,\ndas Gefühl staunender Bewunderung, das uns erfüllte\nüber die Art, wie Fräulein Bettelheim, die Herren\nWalter, Meyerhofer und Hrabanek mit diesen ganz\nunglaublichen Zumuthungen sich abfanden.\nDie eigentliche Domaine Berlioz' ist die Orchester-\nPalette ; hier weiss er die überraschendsten Farben zu\nmischen, vom zartesten Elfengeflüster und Harfenklang\nbis zum betäubenden Höllenspuk. Würfe von wahrhaft\npackendem Effecte sind nach dieser Richtung die Instru-\nmentation des Rakoczy-Marsches, der Walzer (Sylphen-\ntanz), welche beide zur Wiederholung begehrt wurden,\nund der aus Menuett und Galop bestehende Tanz der\nIrrlichter in der zwölften Scene. Der kitzlichen Unter-\nsuchung, wie denn der ungarische Marsch in die Faust-\nLegende kommt, gehen wir klüglich aus dem Wege.\nUeberhaupt ist der oft geradezu entsetzliche Realismus\nwir gebrauchen den mildesten Ausdruck —, mit wel-\nchem das Goethe'sche Poem zur textlichen Grundlage die-\nser Legende gemacht erscheint, ein Verbrechen, von des-\nsen Schwere der betreffende Verarbeiter wahrscheinlich\nnicht die entfernteste Ahnung hat. Hat er ja sogar die bei-\nden Höllenpferde mit Namen versehen.\nWie die Solosänger, so haben auch die Chöre und\ndas Orchester die an sie gestellten riesigen Aufgaben um\nso bewundernswerther gelöst, als die Führung, die ihnen\nder selbst leitende Gomponist angedeihen liess, nicht der\nArt war, um Unsicherheiten, wenn eine Disposition dazu\nvorhanden gewesen wäre, vorzubeugen. Den durchgreifen-\nden Vorbereitungen der Chöre durch Herb eck und den\nvon ihm überwachten Proben (er leitete auch bei der Auf-\nführung die Chöre) ist es zu danken, dass sich solche Dis-\npositionen nicht ergaben und die Aufführung glatt verlief."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3819, "texte": "Des Berlioz'schen Verdienstes um die Propaganda\nfür die deutsche Musik in seinem Vaterlande haben wir\ngedacht. Das that er als Literat und Musiker für unsere\nverstorbenen grossen Meister. In ähnlicher Weise wirkt\ner auch, ihre Anerkennung fördernd, für Componisten\nder Gegenwart als Componist. Denn es unterliegt kei-\nnem Zweifel, dass seine „Verdammung Faust's\", Proselyten\nzu machen, entschieden geeignet sei, beispielsweise für\nLiszt und Wagner, welchen gegenüber, wie man sich\nüberzeugt haben dürfte, die in manchen Kreisen herr-\nschende Meinung, sie wären keine Melodisten, unmöglich\nlänger aufrecht erhalten werden kann.\nAm folgenden Abende versammelte sich eine Anzahl\nvon Verehrern des gefeierten Tonmeisters, welchen Wien\ngegenwärtig in seinen Mauern beherbergt, im Hotel\nMunsch zu einem gemeinschaftlichen Abendessen. Wenn\nauch die Zahl der Erschienenen vielleicht nicht so gross\nwar, wie sie erwartet worden sein mochte, so fand doch\ndie von der Direction der Gesellschaft der Musikfreunde\ngegebene Anregung in allen Classen unserer Kunstwelt\nlebhaften Anklang, und es waren demnach auch aus allen\nSphären der schönen Künste Jünger und Jüngerinnen\nerschienen, die dem grossen Meister ihre Verehrung aus-\nzudrücken bestrebt waren. Der Gefeierte erschien kurz\nnach zehn Uhr und nahm am oberen Ende der Tafel\nPlatz, zur Linken den Fürsten Konstantin Czartoryski, zur\nRechten Fräulein Bettelheim, die liebenswürdige Sängerin\n„seiner\" Margarethe. Daran schloss sich zu beiden Seiten\neine grössere Anzahl von Künstlern und Musikfreunden.\nDie Journalistik war gleichfalls vertreten, während wir\nvom Burgtheater ausser Fräulein Rockel Niemanden und\nvon der bildenden Kunst eben so wenig Jemanden erblick-\nten. Ueberhaupt glänzten recht Viele, denen die Theil-\nnahme an einem eben so seltenen als schönen Feste ganz\nwohl angestanden hätte, durch ihre Abwesenheit. Die\nMehrzahl der Toaste und sie klangen in allen Zungen!\ngalt natürlich dem gefeierten Gaste, der mit seinem\nernsten, stillen Wesen und halb gesenkten Augen in den\nWogen der Lust und der heiteren Gespräche den Mittel-\npunkt des allgemeinen Interesses bildete. Den Reigen er-\nöffnete Fürst Czartoryski, indem er in französischer Sprache\nmit eben so schönen als treffenden Worten Berlioz nicht\nnur im Namen der Gesellschaft der Musikfreunde, sondern\ndes Publicums von Wien, das gestern der Aufführung\nseines „Faust\" gelauscht, begrüsste, „den Künstler in\nder schönsten und reinsten Bedeutung des Wortes, der\nsich seiner Kunst, seinem geheiligten Altare mit Begeiste-\nrung widmet, den edlen Charakter, der ungeachtet vie-\nler Versuchungen nie zweifelte und zögerte, seine vorge-\nzeichnete Bahn zu verfolgen, und immer seiner Ueberzeu-\ngung folgte, den Reformator der Instrumentirung, den\nSchöpfer der modernen Orchestrirung, den eben so tie-\nfen als glänzenden Kritiker, der, enthusiasmirt für das\nwahrhaft Schöne, unbarmherzig gegen das Mittelmässige\nund Triviale vorging, den Dichter der Harmonie, der\nnach zwanzigjähriger Abwesenheit wieder nach Wien kam,\num den Lorber, den er bereits früher gepflückt, aufzu-\nfrischen.\" Rauschender Beifall folgte seinen Worten, der\nsich erst legte, als Berlioz das Wort ergriff und für die\nherzliche Aufnahme in der Stadt, der er stets eine warme\nSympathie bewahrt, dankte.\nDinstag Nachmittag hatte das Conservatorium zu Eh-\nren des noch anwesenden Berlioz eine musicalische Feier\nveranstaltet. Der berühmte Tondichter wurde bei seinem\nEintritte mit einer Ovation empfangen und war ersicht-\nlich tief gerührt, als die Zöglinge unter Anderem auch\nden Pilgermarsch aus der Harald-Sinfonie vortrugen. Er\nzeigte sich sehr befriedigt von der Vortragsweise der jun-\ngen angehenden Künstlerschar und hat sich überhaupt\nsehr lobend über deren Leistungsfähigkeit gegen ihren\nDirigenten, Herrn Hellmesberger, ausgesprochen.\n\nZ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-29-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-29_01#c008", "volume": "bmtnabi_1866-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "415", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.2.5", "titre_corps": "Joseph d’Ortigue †.", "titre_sommaire": "Joseph d’Ortigue †.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.6", "debut_caractere": 3821, "fin_caractere_exclue": 5154, "texte": "Joseph d’Ortigue †.\nFrankreich hat Ende vorigen Monats einen seiner be-\ndeutendsten musicalischen Schriftsteller und Beförderer\nder Kirchenmusik verloren, Joseph d'Ortigue, welcher am\n20. November plötzlich starb.\nd'Ortigue war zu Cavaillon im Departement Vaucluse,\ndem Geburtsorte Castil Blaze's, am 22. Mai 1802 gebo-\nren, genoss eine gute Erziehung und wissenschaftliche\nSchulbildung und widmete sich dem Advocatenstande.\nDabei trieb er aber eifrig Musik, lernte Ciavier und Orgel\nspielen, späterhin auf der Rechts-Akademie zu Aix auch\nVioline. Dort wurde er Mitglied des musicalischen Vereins\nder „Beethovenisten\", die bloss Beethoven spielten\nund namentlich die Rossinisten befeindeten. Der Verkehr\nin diesem Vereine trug viel zu der Richtung d'Ortigue's\nauf classiscbe Musik bei.\nNachdem er ein Jahr in Paris zugebracht, wurde er\nzum Richter in Apt ernannt, hielt aber in diesem Amte\nnur ein Jahr aus und kehrte nach Paris zurück, um sich\nganz der Musik, namentlich der kirchlichen Tonkunst und\nLiteratur zu widmen. Seine Bekanntschaft mit Lamennais\nund Montalembert, an deren berühmter Zeitschrift VAve-\nnir er Mitarbeiter wurde, befestigte ihn in der streng ka-\ntholischen Richtung, zu welcher er ausserdem hinneigte.\nEr wurde Chor-Director am College Henri IV. und Mit-\nglied der königlichen Bibliothek-Commission, verfasste"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1857, "texte": "eine Menge von historischen, liturgischen, theoretischen\nund praktischen Unterrichtsschriften für Kirchengesang\nund betheiligte sich fast an allen Journalen in Paris durch\nmusicalische Aufsätze, zu deren Lieferung der enorme\nFleiss gehörte, der ihm eigen war. Unter seinen Werken\ndürfte das Dictionnaire liturgique, historique et theorique\ndu Plain-Chant et de la Musique religieuse (Paris, 1854)\ndas bedeutendste sein.\nIm Jahre 1857 gründete er mit Niedermeyer ein\nJournal: „La MaUrise\", für Kirchenmusik, welches\naber nicht recht aufkommen konnte und nach wiederhol-\nten Versuchen zur Wiederbelebung im Jahre 1863 ganz\neinging. Der Titel war von den Schulen für Kirchengesang\nhergenommen, welche, mit den Kathedralen verbunden,\ndie musicalische Ausbildung der Chorknaben bezwecken.\nD'Ortigue verfocht darin die Ansichten der Rückschritts-\nPartei, welche jedwede Instrumentalmusik in der Kirche\nfür unwürdig erklärt und sich nur an die ausschliessliche\nBerechtigung des gregorianischen Cantus planus hält.\nTrotz dieser Richtung wusste er sich jedoch in anderen\nJournalen vor Einseitigkeit des musicalischen Urtheils zu\nhüten, wie seine zahlreichen Aufsätze im Menestrel, des-\nsen Redaction er, wenigstens nominel, übernommen halte,\nund besonders im Journal des beweisen. Früher\nMitarbeiter an dem Feuilleton dieser Zeitung, übernahm\ner nach Delecluse's Tode und Berlioz' Rücktritt die Re-\ndaction des musicalischen Theiles desselben und sprach\nsich darin nicht bloss über Kirchen- und Concertmusik,\nsondern auch über die Operntheater, ihre Neuigkeiten\nund deren Darsteller aus. Seine letzten Aufsätze über\nMeyerbeer, die ihm mancherlei Anfeindungen zuzogen,\nwie das Jedem begegnet, der eine grosse Renommee\netwas genauer beleuchtet, haben wir in diesen Blättern\nauszugsweise mitgetheilt\nEr war seit 1835 verheirathet und hinterlässt eine\ntrauernde Familie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-29-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-29_01#c009", "volume": "bmtnabi_1866-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "415", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.2.6", "titre_corps": "Robert Schumann’s Musik zu Byron’s „Manfred“.", "titre_sommaire": "Robert Schumann’s Musik zu Byron’s „Manfred“.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.7", "debut_caractere": 1859, "fin_caractere_exclue": 4629, "texte": "Robert Schumann’s Musik zu Byron’s „Manfred“.\nKöln, den 19. December 1866.\nAm Tage nach dem Giirzenich-Concerte zu Ehren C. M. von\nWeber's am 18. d. Mts. hatten wir einen zweiten Kunstgenuss, der\nuns in eine ganz andere Sphäre versetzte, als der vorige Abend,\ndurch die Vorlesung von Byron's dramatischem Gedichte „Man-\nfred\" mit Robert Schumann's Musik. Die Aufführung fand\ndurch das Concert-Orcliester und einen kleinen gewählten Dilettan-\ntenchor im Isabellensaale des Gürzenich unter der geschickten Lei-\ntung des Herrn Rudorff, Professors am Conservatorium, Statt,\ndem wir für den höchst interessanten Abend zu grossem Danke\nverpflichtet sind, so wie besonders auch dem Herrn Dr. Bernays,\nwelcher die furchtbare Tragödie mit schönem Organ und ergreifen-\ndem Ausdruck las. Dem Vernehmen nach hat ein hiesiger Kunst-\nfreund mit bekannter Liberalität das Unternehmen unterstützt und\ndadurch einen Beweis wahrer Kunstliebe gegeben, dem wir für ähn-\nliche Gelegenheiten Nachfolge wünschen. Unter den eingeladenen\nZuhörern bemerkten wir Frau Schumann, deren Anwesenheit in\nKöln die Leitenden und Mitwirkenden hauptsächlich bestimmt hatte,\ndie Aufführung als eine Huldigung dem Andenken des dahingeschie-\ndenen Tondichters darzubringen.\nDies geschah denn auch auf eine durchaus würdige Weise, und\nda diese Musik zwar ein vollständiges Orchester, aber nur einen\nkleinen Chor ohne musicalisch bedeutende Solostimmen verlangt,\nso war die Ausführung nicht bloss durch das Gedicht und die Com-\nposition, die hier noch niemals gehört war, an und für sich anzie-\nhend und erhebend, sondern auch durch die Ausführung künstlerisch\nschön und befriedigend in allen Theilen, wozu, wie schon erwähnt,\ndas Verständniss und die Wärme, mit welcher der Poesie ihr Recht\nwurde, sehr viel beitrug.\nDas Ganze machte das schien uns die allgemeine ernste\nStimmung der Zuhörerschaft zu bekunden besonders von der\nzweiten Abtheilung an einen tiefen, oft wahrhaft ergreifenden Ein-\ndruck, welcher über Manches hinweghob, woran eine kritische Ana-\nlyse des Werkes Anstoss nehmen könnte In dieser Beziehung\nkönnten wir nur die Ansichten über Schümanns künstlerische Rich-\ntung überhaupt, die an vielen Stellen dieser Zeitschrift niedergelegt\nsind, wiederholen, und müssen hauptsächlich auf die trefflichen\nAufsätze von Professor Ed. Krüger: „Bemerkungen zu Schü-\nFaust und Manfred\", im Jahrgange 1862, Nr. 48—50,\nund im Jahrgange 1865: „Robert Schumann\" (mit Bezug\nauf Reissmanii's Buch), Nr. 37, verweisen, dessgleichen auf un-\nseren Concertbericht über die erste Aufführung von Schumann's\nFaust in Köln im Jahrgange 1862, Nr. 3 und 4.\n*) Vergl. Jahrg. 1865, Nr. 29 und 30, „Die Wahrheit\nüber Meyerbeer und die African erin.\" Von Jos. d'Örti-\ngue und unsere Anmerkung dazu in Nr. 29.\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1866-12-29-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1866-12-29_01#c010", "volume": "bmtnabi_1866-12-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "416", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.7", "debut_caractere": 4631, "fin_caractere_exclue": 5706, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliolll« In der zweiten Soiree für Kammermusik im\nHotel Disch hörten wir durch die Herren Japha, Derckum,\nvon Königslöw und Schmit die Violin-Quartette in D-moll von\nHaydn und Op. 59 Nr. 3 von Beethoven in trefflicher Ausfüh-\nrung, welche besonders auch den ergötzlichen Humor des Menuetts\nim erfiteren und die reizende Anmuth des Andante im letzteren zu\nvoller Geltung brachte. Zwischen beiden Quartetten spielten die\nHerren Gernsheim, Japha und Schmit das Trio Nr. I in D-\nmoll für Pianoforte, Violine und Violoncell, unstreitig eine der be-\nsten Compositionen von Schumann; sowohl das Zusammenspiel\nder drei Ausführenden, als der technisch und geistig vollendete Vor-\ntrag der Clavier-Partie erwarben rauschenden Beifall.\nAm vergangenen Samstag wurde in der musicalischen Gesell-\nschaft eine neue Sinfonie von Lassen (Capellmeister in Weimar)\naufgeführt. Lassen ist Belgier und hat dieses Werk kürzlich zuerst\nin den Concerts populaires in seiner Vaterstadt Brüssel geben las-\nsen, wo es grossen Beifall fand. Sehr anmuthige Melodieen, feine"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5177, "texte": "Züge in der Instrumentation und in der Harmonie zeichnen diese\nComposition aus, welche gewiss auch in Deutschland sich die ver-\ndiente Anerkennung erringen wird.\nUeber die Aufnahme von Langert's Oper: „Die Fabier\", in\nCoburg bieten die dortigen Blätter zwei bedeutend verschiedene\nLesarten, indem das eine (Genee) das Urtheil des Publicums über\ndie erste Aufführung „ein hartes\" nennt, das andere hingegen\n(Dr. C. Beyer) nach der zweiten Vorstellung sagt: „Wie vorauszu-\nsehen, war auch diesmal die Aufnahme der Oper Seitens des\nPublicums eine durchaus freundliche.\" Wenn also die Lo-\ncalkritik selbst über Thatsachen so entgegengesetzt berichtet, was\nist dann von ihren Aussprüchen über den Kunstwerth eines Werkes\nzu halten?!\nStuttgart* Der Verein für Kirchenmusik unter Di-\nrection des Herrn Professors Im. Faisst brachte am 14. December\nAbends in der Stii u ausser zwei Orgelstücken von Joh. Seb.\nBach und Mendels* ha e angstücke von C. H. Graun (Motette:\n„Fürwahr\" u. s. w ära (Duo für Alt und Tenor), Händel\n(Psalm: „Lobsinge\" - Imman. Faisst (Motette für Chor und\nSoli: „Herr, ich h lie Stätte\"), und das Requiem für Chor\nund Soli von Koltann.\nEine nene zwei e r Oper: „Die Liebesprobe\", von Otto\nBach, wird nächstens m .Augsburg zur ersten Aufführung gelangen.\nPrag, 17. i Die interessanteste neue Erscheinung\nin unserem Thea während der letzten Zeit ist die Oper\n„Astorga\" von AI t gesehen von dem Werthe der Musik hat\ndieses Werk für I ' » dadurch eine besondere Bedeutung, dass\nder Componist un r L iv mann ist und unter unseren Augen sich\nzu jener Stufe em p. Schwüngen, auf der er jetzt steht. Ein zwei-\ntes Moment, die jn oernfreunde an die Oper „Astorga\" beson-\nders zu fesseln, gibt der Umstand, dass der Titelheld eine Zeit in\nPrag lebte, nach welcher, der Sage nach, jede Spur von ihm ver-\nloren ging; wenigstens wird nicht mit Bestimmtheit angegeben, ob\ner in Prag gestorben, oder wo er von da hingekommen. Um eine\neigentliche Richtung anzugeben, die Abert in „Astorga\" eingeschla-\ngen, wird man wirklich verlegen; während man hier deutsche Musik\nvernimmt, die sich besonders in den effectvoll zugespitzten Finalen\nan Wagner anlehnt, hält sich Abert an diese nicht durchgehends\nfest und flicht je nach Bedürfniss italiänische und französische An-\nklänge mit ein, ohne jedoch den Charakter des Ganzen zu beein-\nträchtigen. Was hauptsächlich für die Oper spricht, ist, dass sich\nder Componist von Banalem selbst in der Balletmusik ferngehalten.\nDie wenigen, darum doch nicht in den Vordergrund tretenden Män-\ngel, hauptsächlich manche Längen, können von geschickter Hand\nzum Vortheile der Oper beseitigt werden. Die Aufführung war\nim Ganzen eine höchst sorgfältige. Von den Mitwirkenden sind\nHerr Vecko (Astorga) und Fräulein Huttary (Angioletta) am\nstärksten bedacht, und hat Ersterer durch richtige Erfassung und\nDarstellung seiner Rolle, so wie durch bis zum Schlüsse anhaltende\nAusdauer dieser in Spiel wie Gesang so äusserst schwierigen Partie\nsich verdienten rauschenden Beifall erworben, so wie Fräulein Hut-\ntary mit vielem Liebreiz die Angioletta umgab.\nSalzburg, 17. December. Ein Urtheil über die hiesigen\nMusikzustände nach der sehr mittelmässigen Oper zu fällen, wäre\neinseitig und ungerecht. Die Musik findet ihre Pflege in mehreren\nCorporationen, und zwar im Mozarteum in einer Reihe von Con-\ncerten und durch Unterricht, ferner in der Sing-Akademie, in der\nLiedertafel und durch das Streich-Quartett. Die Mozarteum-Concerte\nbringen die Werke älterer und neuerer anerkannter Meister, wobei\ndie Sing-Akademie im gemischten Chorgesange in namhafter Zahl\nmitwirkt. Die Liedertafel brachte alljährlich ein grösseres Tonwerk\nfür Männerstimmen. Mendelssohn's „Oedipus\", „Die Wüste\" von\nFei. David und die „Frithjofsage\" von Max Bruch folgten auf\neinander. In den Quartett-Soireen der Herren Blau, Walter,\nSchnaubelt und La Croix werden zumeist die Altmeister des\nQuartetts gepflegt. Gilt es eine grössere Production, so einigen sich\ndie erstgenannten drei Gesellschaften zu gemeinsamem Wirken. In\ndem Programme eines der letzten Concerte kam eine Scene und\nFinale aus Schläger's Oper „Heinrich und Ilse\" und Bruch's\n„Frithjof\" vor. Gräfin Hedwig v. Gatter bürg trug Lieder und\nden Part der Ilse in Schläger's Finale mit ihrer grossen, metallrei-\nchen Stimme ausdrucksvoll vor, welche Anerkennung dieser sehr\nbegabten Dilettantin auch als Ingeborg in der Frithjofsage zu Theil\nwurde. Der Mendelssohn'sche Psalm und Schläger's Finale fanden\nverdienten reichen Beifall. Die „Scenen aus der Frithjofsage\" von\nMax Bruch, das bedeutendste Werk, welches die Neuzeit für\nMännergesang brachte, fanden im Allgemeinen beifällige Aufnahme,\nzumeist wurde es jedoch von den Musikern und jenen gewürdigt,\ndie auch die Proben anhörten. Man veranstaltet hiervon eine zweite\nAufführung. (Z. 81. f. M.)\nPariser Blätter veröffentlichen einen Brief Rossini7s an einen\nMönch vom Kloster Monte Cassino, worin er unter Anderem be-\nmerkt, dass der heilige Vater auf seine demselben gemachte Vor-\nstellung, in den Kirchen Roms dem weiblichen Gesänge Eingang\nzu verschaffen, nicht eingegangen sei, dass aber Rossini nicht ab-\nlassen werde, diesen Gegenstand von Neuem anzuregen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nZu den Briefen von Beethoven an die Gräfin Erdödy. Von L. B. Aus Trier (Te Deum von Bf. Oberhoffer). Von L.\nHector Berlioz in Wien. Joseph d'Ortigue f. Robert Schumanu's Musik zu Byron's „Manfred\". Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, zweite Soiree für Kammermusik, Sinfonie von Capellmeister Lassen Coburg, Langert's Oper „Die Fabier\"\ngtuttgart, Verein für Kirchenmusik - „Die Liebesprobe\" von Otto Bach Prag, „Astorga\" von Abert Salzburg, Musikzustände).\n\nZu den Briefen von Beethoven an die Gräfin\nErdödy.\n\nAls eine Ergänzung zu den von Nobl gesammelten\nund herausgegebenen Briefen Beethoven's hat Dr. Alfred\nSchöne zehn Briefe Beethoven's an die Gräfin Erdödy\nund sechs an Branchle, den Beamten und Vertrauens-\nmann der Gräfin, zur Feier der silbernen Hochzeit des\nDr. Moriz Hauptmann drucken lassen (Leipzig, Breitkopf\nund Härtel, 1867, 28 S. Gr. 8.).\nDer Name der Gräfin ist der musicaliscL J Welt aus\nden Titeln der zwei grossen Trio's Op. 70 und der zwei\nSonaten für Pianoforte und Violoncell Op. 102, der\nWerke, welche Beethoven ihr gewidmet hat, bekannt.\n„Gräfin Marie Erdödy, geborene Gräfin Niszky, sehr\nschön, war in ihrem fünfzehnten oder sechszehnten Jahre\nverheirathet und seit ihrem neunzehnten Jahre beständig\nkrank. Sie spielte ganz ausgezeichnet Ciavier und fand in\nder Musik ihre einzige Unterhaltung. Sie lebte theils in\nWien, theils auf ihrem Gute Paukowitz, später ein Jahr\nin Padua, dann in München, wo sie am 17. März 1837,\n57 Jahre alt, starb. Sie sorgte für Beethoven, brachte\nbesonders seine Akademie-Billets unter, schenkte ihm\nWäsche u. s. w. Ihr Sohn starb plötzlich bei ihr im Zim-\nmer (im Mai 1816).\" So berichtet Dr. Schöne „aus einer\nQuelle, deren Zuverlässigkeit ausser Zweifel ist und durch\ndie Briefe selbst gewährleistet wird\". „Ich verdanke\"\nfährt er S. 7 fort „ihre Mittheilung dem Herrn Pro-\nfessor Otto Jahn, der mir dieselben aus seinen Sammlun-\ngen u. s. w. überlassen hat.\" Ferner gibt er einige Nach-\nrichten über die hochbegabte Dame aus Reichardt's „Ver-\ntrauten Briefen aus Wien\"; auch finden sich in Nohl's\nSammlung der Beethoven'schen Briefe einige auf das Ver-\nhältniss des Meisters zur Gräfin, in deren Hause er eine\nZeit lang wohnte, bezügliche Stellen.\nAuffallend ist aber, was Dr. Schöne über dieses Ver-\nhältniss aus Schindlers Biographie Beethoven's aus de-\nren erster Ausgabe beibringt, ohne die dritte Ausgabe\ndesselben Buches (vom Jahre 1860) nachgesehen zu ha-\nben. Schindler bleibt immer, trotz allem, was man an sei-\nnem Buche aussetzen kann, eine Hauptquelle für Beetho-\nven's Leben, und wer über Beethoven schreibt und sie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.2", "texte": "nicht beachtet, macht sich jedenfalls eines literarischen\nVergehens schuldig. Dr. Schöne führt aus Schindler Bd. I,\nS. 68 an: „Auch weiss man von einem zarten Verhält-\nnisse mit einer Gräfin Maria Erdödy, welcher Beethoven\ndie beiden Trio's Op. 70 gewidmet hat. Doch scheint\ndieses nur ein inniges Freundschafts-Verhältniss gewesen\nzu sein. Ich weiss darüber nichts Genaueres, als dass jene\nkunstsinnige Dame ihrem Lehrer und Freunde in dem\nPark eines ihrer Schlösser in Ungarn einen schönen Tem-\npel erbaute, dessen Eingang mit einer bezeichnenden In-\nschrift geziert ist, die in sinniger Weise ihre Huldigung\ndem grossen Künstler ausspricht.\" Der dort erwähnte\nTempel mag wohl „der Isis-Tempel\" sein, von dem Beet-\nhoven in dem ersten Briefe an die Gräfin vom 19. Wein-\nmonat 1815 (S. 14) spricht. Die ganze Stelle findet sich\njedoch in der dritten Ausgabe bei Schindler nicht mehr,\ndagegen aber folgende, welche dem Dr. Schöne entgan-\ngen ist.\n1. Band I, S. 94. „In der Verzweiflung (über den\nBruch des Verhältnisses zwischen ihm und Giulietta Guic-\nciardi, die sieb fast plötzlich mit dem Grafen von Gallen-\nberg vermählte) suchte er Trost bei seiner bewährten und\nvorzugsweise verehrten Freundin, Gräfin Marie Erdödy\n(man findet diesen Namen auf den beiden Trio's Op. 70\nund den beiden Sonaten für Pianoforte und Violoncell\nOp. 102), auf ihrem Gute Jedlersee im Marchfelde, um\neinige Tage in ihrer Nähe zu verbringen. Dort verschwand\ner aber, und die Gräfin glaubte ihn nach W7ien zurück-\ngekehrt, als am dritten Tage darauf ihr Musiklehrer\nBrauchle ihn in einem entlegenen Theile des Schlossgar-\ntens gewahrte. Dieser Zwischenfall blieb lange ein fest\nbewahrtes Gebeimniss und ward erst nach Jahren durch\ndie beiden Mitwissenden näheren Freunden Beethoven's\nanvertraut, nachdem diese Liebes-Angelegenheit längst in\nVergessenheit geratben. Man knüpfte die Vermuthung\ndaran, es sei des Unglücklichen Absicht gewesen, sich\ndurch Erhungern den Tod zu geben. Im Stillen beobach-\ntende Freunde wollen bemerkt haben, dass Beethoven die-\nsem Musiklehrer mit ausserordentlicher Aufmerksamkeit\nseitdem begegnet ist. (Die Leser der Revue des deux\nTnondes werden diesen Vorgang zu Jedlersee bereits 1850\nin dem Aufsatze von Scudo: „Une Sonate\", gefunden\nhaben. Auf Ersuchen des Herrn Scudo, ihm etwas noch\nUnbekanntes mitzutheilen, was in irgend einem Zusam-\nmenhange mit der Sonate in steht, über welche\ner eben schreibe, ward ihm dieser Vorfall von mir zuge-\nschickt. Er hat jedoch für gut befunden, ihn etwas um-\nzugestalten, weil er ihm wahrscheinlich zu wenig roman-\ntisch geklungen.)\"\n2. Band I, S. 244. „An die e reiht sich\nunmittelbar die Entstehung der beiden Sonaten in C- und\nD-dur, Op. 102. Der Meister hat diese Dichtung seiner\nhochverehrten Freundin, Gräfin Marie Erdödy, gebo-\nrenen Gräfin Niszky, gewidmet, die er bereits durch\nWidmung der beiden grossen Trio's Op. 70 ausgezeich-\nnet hatte. Was diese Dame lange Jahre hindurch für\nBeethoven gewesen, bezeichnet ein Wort: er nannte sie\nseinen „ „ Beichtvater\" *. Mit dem Adel der Geburt ver-\neinigte sieb bei ihr Adel der Gesinnung, welcher bei den\nanderen Ebenbürtigen nicht immer in gleichem Maasse\nzu finden war. Gräfin Erdödy hatte in ihren wahrhaft\nfreundschaftlichen Gesinnungen, nicht minder aber auch\nin der offen bekundeten Pietät für den Meister niemals\ngewankt, wie dies fast alle ihres Gleichen gethan, und ihn\nverlassen, nachdem ein neues Gestirn am italiänischen\nHimmel aufgegangen war. Um 1820 nahm sie ihren be-\nständigen Wohnsitz in München; das Jahr ihres Ablebens\nwar nicht zu ermitteln*).\"\nWir geben diese beiden Stellen, weil sie auf das\nFreundschafts-Verhältniss zwischen der Gräfin und Beet-\nhoven ein schönes Licht werfen und zur Ergänzung dessen\ndienen, was Reichardt mittheilt, mithin die von Schöne\nherausgegebenen Briefe noch anziehender machen. Ferner\ngeht aus der ausdrücklichen Nennung von „Jedlersee\nim Marchfelde\" hervor, dass dort, und nicht auf Pau-\nkowitz, wie die Mittheilung bei Schöne (S. 7 und S. 9)\nangibt (was vielleicht mit Schindlers unbestimmter An-\ngabe: „auf einem Schlosse in Ungarn\", in der ersten\nAusgabe der Biographie zusammenhängt), der Aufenthalt\nder Gräfin, wenn sie nicht in Wien war, zu suchen sei.\nHätte Dr. Schöne sich die Mühe genommen, Schindlers\ndritte Ausgabe anzusehen, so würde er gefunden haben,\ndass die von ihm herausgegebenen Briefe selbst die An-\ngabe Schindlers bestätigen. Denn auf S. 21 schreibt Beet-\nhoven an die Gräfin: „Dem Violonzello ist aufzutragen,\nsich aufs linke Donauufer zu begeben und so lange zu\nspielen, bis Alles vom rechten Donauufer herübergezo-\ngen wird; auf diese Weise würde Ihre Bevölkerung bald\nzunehmen. Ich setze übrigens getrost den Weg wie vor-\nhin über die Donau . Schicken Sie also keinen Wa-\ngen.\" Ferner an Brauchle (S. 27): „Nehmen Sie auf\nmeine Kosten Pferde in Jedlersee\" u. s. w. Dazu\nkommt die Zuschrift des Oberamtmanns Sperl (vom 20.\nJuli 1815), der zu dem musicalischen Kreise der Gräfin\ngehörte, an Beethoven:\n„Ich kam von Jedlersee als Both\nZum ersten Compositeur nach Gott:\nDer Gräfin von Erdödy Gnaden\nLässt Sie zum Punsche laden\" u. s. w.\n\n*) Nach den obigen Mittheilungen starb sie am 17. März 1837."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.3", "texte": "Endlich schliesst die Gräfin selbst (S. 28) ihre humo-\nristische Einladung an Beethoven mit den Worten:\n„An die lorbeerbekrönte Majestät der erhabenen\nTonkunst Ludwig v. Beethoven sehnlichste Bitte der Jed-\nlerseer Musen dass ihr geliebter Apollo noch den heuti-\ngen Tag in ihrer Mitte zubringen möge.\nJedlersee war also zu Wagen und selbst zu Fuss jen-\nseits der Donau von Wien aus leicht zu erreichen.\n\nL. B.\n\nAus Trier.\n\n(Te Deum von H. Oberhoffer.)\nAm 28. November fand das erste Winter-Concert\ndes hiesigen Musik-Vereins Statt. Das Programm war fol-\ngendes: 1) Sinfonie von J. Haydn mit dem Paukenschlag;\n2) T eum für gemischten Chor mit Orchester-\nund obligater Orgelbegleitung von Heinrich\nOberhoffer, Professor der Musik in Luxemburg (Ma-\nnuscript); 3) Ouvertüre zur Oper „Faust\" von Spohr;\n4) zwei Lieder für eine Bassstimme; 5) Ouvertüre und\nZwischenact-Musik u. s. w. zu „Egmont\" von L. van Beet-\nhoven mit verbindender Declamation.\nDer Zweck dieses Berichtes ist nicht der, von den\ntüchtigen Leistungen unserer städtischen Capelle und von\ndem hohen Genüsse zu sprechen, welchen uns die beiden\nWerke Haydn's und Beethoven's insbesondere verschaff-\nten, sondern der, die geehrten Leser dieser Zeitschrift, so\nwie die Gesangvereine auf die neue Composition unseres\ngeschätzten Landsmannes, des in Pfalzel bei Trier gebo-\nrenen, jetzt aber in Luxemburg am Sehullehrer-Seminare\nals Professor der Musik wirkenden Organisten Herrn\nHeinrich Oberhoffer aufmerksam zu machen.\nSein im Oratorienstile gehaltenes Te Deum, in wel-\nches einzelne Sätze des alten Choral-Te-Deum mit Ge-\nschick und Geschmack eingeflochten sind, errang sich\neinen vollständigen Erfolg und legt Zeugniss von der Be-\ngabung des Componisten für Kirchenmusik ab. Die Wir-\nkung der Composition wäre um ein Bedeutendes erhöht\nworden, hätte man nicht die dem Concertsaale fehlende\nOrgel durch ein Harmonium ersetzen müssen.\nEhe ich auf die nähere Besprechung des Werkes ein-\ngehe, halte ich es für nöthig, Einiges über die Entste-\nhung und die ersten Schicksale der Composition voraus-\nzuschicken.\nVor zwei Jahren wurde von der Akademie der Künste\nin Berlin der bekannte Preis der Michael-Beer-Stiftung,\nbestehend in einer Geldsumme von 800 Thlrn. zu einer\nReise nach Italien, ausgeschrieben. Das Object des Con-\ncurses war ein Te Deum mit dem Originaltexte für ge-\nmischten Chor und Orchester-Begleitung. Die weiteren\neinschränkenden Bedingungen der Stiftung, dass nämlich\nder Concurrent nicht älter als dreissig Jahre sein dürfe,\nund dass er ein deutsches Conservatorium der Musik be-\nsucht haben müsse, waren Oberhoffer nicht bekannt; und\nso kam es, dass er zu dem Concurse nicht zugelassen\nwurde. Als Mitglied des allgemeinen deutschen Musik-\nVereins (Centraipunkt Leipzig) sandte er darauf sein Ma-\nnuscript dem Vorstande dieses Vereins mit der Bitte ein,\ndie Composition bei dessen nächster General-Versammlung\nzur Aufführung zu bringen, falls dieselbe als „dazu ge-\neignet\" befunden würde. Darauf hin erhielt er im October\nd. J. aus Leipzig vom Secretär des Vereins folgende Zu-\nschrift: „Im Auftrage des Dr. Brendel habe ich die Ehre,\nIhnen nachstehende Mittheilungen zu machen. So eben\nist Ihr Te Deum vom letzten Beurtheiler*) zurückgekom-\nmen, und das Resultat ist folgendes: Allgemein ist\ndie Meisterschaft im Technischen anerkannt\nworden; es sei ein Muster von Form, rein im\nSatze, natürlich in der Melodie und Stimmfüh-\nrung und zeige richtige Auffassung des Textes.\nDoch eignet sich das Werk seiner Gestalt nach wenig zur\nAufführung an einer Künstler-Versammlung, dafür ist es\nzu umfangreich. Mit der Aufführung von Chorwerken\nhat es überhaupt bei diesen Versammlungen seine Schwie-\nrigkeiten, weil die Gesangkräfte meist aus Dilettanten be-\nstehen. Desshalb können bloss kleinere Werke ins Auge\ngefasst werden, oder solche grössere, aus welchen Bruch-\nstücke aufgeführt werden können. So dachte der Vorstand\ndes hiesigen Zweigvereins des Musik-Vereins daran, aus\nIhrem Te Deum wenigstens einen Theil vorzuführen,\nmusste jedoch darauf verzichten, da sich nichts heraus-\nreissen Hess u. s. w.\nDas Te Deum beginnt mit einem Allegro maestoso in\nbreiten, wuchtigen Accorden, welche überleiten zu der\nIntonation im Oantus Brmus, ausgeführt vom Männerchor\nim Unisono, Anfangs vom Streich-Quartett, dann von der\neintretenden Orgel begleitet; dann folgt zu den Worten\n„Te aeternum\" ein schwungvoller Chor in D-dur Allegro,\nder sich bis zu dem Sanetus erstreckt. Mit dem Sanctus\ntritt wieder der Cantus firmus ein, und zwar wird das\nerste Sanctus vom vierstimmigen Frauenchor und das\nzweite Sanctus vom vierstimmigen Männerchor mit Orgel-\nbegleitung ausgeführt. Mit „Pleni sunt coeli\" beginnt eine\nherrliche Fughette im 3/4-Tacte, deren Wirkung durch\n\n*) Das Beurtheilungs-Comite besteht aus folgenden Herren: 1)\nDr. Fr. Liszt in Rom, Referent; 2) C. F. Weitzmann in Berlin,\nstellvertretender Referent; 3) Frhr. Dr. Hans von Bülow in Mün-\nchen; 4) Karl Riedel in Leipzig und 5) Max Seifriz in Löwenberg.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.4", "texte": "ein etwas rascheres Tempo noch erhöht werden dürfte.\nAn dieselbe schliesst sich mit wieder eintretender Orgel\nein dreistimmiger Solosatz im langsameren 3/4-Tacte. Mit\ndem Schluss-Accorde desselben setzt der Chor auf die\nWorte „Patrem immensae majestatis\" ein, und macht\ndiese Stelle mit gut ausgeführtem Crescendo und Decres-\ncendo einen überwältigenden Eindruck, welcher durch\nden Gegensatz des folgenden kleinen Solo's von vier Tacten\nnoch mehr gehoben wird, worauf dann mit „ Venerandum\nder Chor wieder einfällt und der Satz mit abwech-\nselndem Solo und Chor in ruhiger Weise bald zu Ende\ngeführt wird. Einzelne kräftige Trompetenstösse mit ab-\nwechselnden einzelnen Accorden in ff zeigen uns nun an,\ndass wir zum zweiten Haupt-Abschnitte des Textes, der\nmit den Worten: „Tu rex gbriae Christe\", beginnt, ge-\nkommen sind. Mit „Tu ad liberandum* beginnt ein hüb-\nscher Fugensatz mit einfacher Durchführung, dessgleichen\nbei „ Judex crederis\" in H-moll. Von erschütternder Wir-\nkung ist der Mittelsatz dieser kleinen Fuge. Nach Statt\ngefundener erster Durchführung wird ein Halbschluss in\nD-dur gemacht, dann treten die Posaunen zu folgender\nModulation ein:\n46-\nworauf sich die Engführung anschliesst. Das nun folgende\nGebet: „Te ergo quaesumus\",ein herrliches Bass-Solo im\nAndante moderato,ist wohl einer der gelungensten Sätze\nder ganzen Composition. Daran schliesst sich unmittelbar\n(wobei es kaum bemerkbar wird, dass die streng rhyth-\nmische Tactbewegung in den recitativischen Choral über-\ngegangen) der mit Orgelbegleitung im Unisono vorgetra-\ngene Cantus firmus'. „Salvumfacu, mit höchst überra-\nschender Wirkung. „Et reg wird in derselben\nWeise vom Frauenchor gesungen. Mit\nergreift der Männerchor als Thema wieder den Cantus\nfirmus,aber in folgender Weise rhythmisirt:\nIn Allegro moderato fortissin jubelnden Accor-\nden besingt der nun folgende Chor das Lob des Namens\ndes Herrn: „Et laudamus n Diesem folgt\nein Solosatz für Alt auf die Worte: „Dignare*, kurz,\naber sehr ansprechend, dem sich auf die Worte: „Mise-\nrere nostri\", der Solo-Tenor und darauf der Chor in\nflehentlicher Bitte anschliesst.\nNach einem kräftigen Halbschlusse auf dem Dominant-\nAccord in D-dur kehrt der erste Allegrosatz auf den\nWorten: „In te Domine\",zurück, der dann in eine\nprächtige und gut gearbeitete Fuge über folgendes Thema\nübergeht:\nMit eintretender Engführung gebt der Componist in\nden AUa-breve-Tact über, wodurch der Schluss allerdings\nsehr glänzend, aber gleichzeitig etwas opernhaft wird.\nNach unserer Meinung dürfte das Tempo an dieser Stelle\nnur etwa piü mosso genommen werden, ohne sich bis in\nden Alla-breve-Tact zu steigern; dadurch würde der\nSchluss immerhin noch glanzvoll bleiben, dabei aber den\nnothwendigen Ernst bewahren. Auch will es uns bedün-\nken, dass der mit einer Fermate gekrönte Halbschluss auf\nder Dominante, der im Laufe der Composition drei Mal\nerscheint, mindestens ein Mal zu oft wiederkehrt, zumal\nda er sich an einer Stelle leicht ändern lässt.\nDie Instrumentation des Werkes ist im Allgemeinen\neine gelungene; nur an einigen fugirten Stellen erscheint\nsie etwas mager, weil sie nur eine Verdoppelung der\nSingstimmen ist; doch dergleichen kommt bekanntlich\nauch in anerkannt classischen Werken dieser Art vor.\nImmerhin aber wünschen wir, dass dieses grössere Ton-\nwerk unseres Landsmannes in weiteren Kreisen Verbrei-\ntung finde, zumal da unsere jetzige Zeit nicht eben reich\nan derartigen Compositionen ist. Wäre das Werk, welches\nbesonders auch grösseren Gesangvereinen zu empfehlen\nist, vor der Feier des Friedensfestes in Druck erschienen,\nso hätte es dabei eine recht würdige Anwendung fin-\nden können.\n\nL."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.5", "texte": "Hector Berlioz in Wien.\n\nDie Gesellschaft der Musikfreunde setzte auf das Pro-\ngramm ihres ersten ausserordentlichen Concertes (am 16.\nDecember) die „Verdammung Faust's\", eine für Soli,\nQhor und Orchester gesetzte Legende in vier Abtheilun-\ngen von Berlioz, und lud den Componisten ein, sein\nWerk persönlich zu dirigiren. Eine Kritik dieser eine\n2f/2Stündige Auffübrungszeit in Anspruch nehmenden\nComposition würde den Rahmen eines Concertberichtes\nüberschreiten: wir Werden uns daher möglichst objectiv\nan das Resultat der Aufführung halten. Der berühmte\nKünstler wurde mit anhaltenden und rauschenden Beifalls-\nsalven empfangen; Alles erhob sich, um den von schneeigem\nHaar umwallten, einst so fein charakteristischen, edlen,\njetzt allerdings schon zu scharfen Contouren zusammen-\ngezogenen intelligenten Kopf zu betrachten. Im Laufe der\nProduction wurde viel und stark applaudirt, auch häufig\nan Stellen, die unter gewöhnlichen Umständen vielleicht\ngerade zum Beifalle kaum aufgefordert haben würden. So\nweit sich das eigentliche Publicum diesen Ehrenbezeigun-\ngen anschloss, bezogen sich dieselben theils auf Momente\nder Composition, die geeignet waren, durch die Origina-\nlität der Mache und Klangwirkung einen besonderen Ein-\ndruck hervorzubringen; theils galten sie dem Manne, des-\nsen geistreiche Feder und sonstiger künstlerisch thätiger\nEinfluss es sich zur Lebensaufgabe gestellt hatte, deutsche\nMusik in Frankreich zu propagiren. Da nun aber die\nKoryphäen der deutschen Tonkunst mehr oder weniger\nOesterreicher sind (Gluck, Beethoven, Haydn, Mo-\nzart, Schubert), so war es nur Schuldigkeit und Pflicht\ndes Publicums der Residenz Oesterreichs, die gebotene\nGelegenheit zu ergreifen, um dem Manne, der diesen He-\nroen die Wege zur Popularität unter seinen Landsleuten\nmit Schrift und That bahnte, den verdienten und wärm-\nsten Tribut dankbarer Anerkennung zu zollen. So weit\ndas grosse Publicum. Die Künstlerwelt selbst aber hatte\nnebst diesen Gesichtspunkten auch speciel das Verdienst\nzu würdigen, das sich Berlioz um die Erweiterung eines\nwichtigen Gebietes der Tonsatzkunst, der Orchestration\nnämlich, sowohl durch seine unmittelbaren Schöpfungen,\nwie durch seine diesfälligen didaktischen Arbeiten unstrei-\ntig erworben hat.\nUnter diesem letzteren Gesichtspunkte betrachtet, bie-\ntet auch die „Verdammung Faust's\", gleich den übrigen\nWerken Berlioz', eine reiche Fundgrube neuer Behand-\nlungsarten des Orchesters; er ist in Combinationen eigen-\nthümlicher Klangwirkungen unerschöpflich. Da specifisch\nmusicalisches Erfinden und symmetrische Gliederung der\nForm nie seine starke Seite war, so hätte Berlioz seiner\nIndividualität nur untreu werden müssen, um in diesem\nWerke eine andere Richtung einzuschlagen. Das war denn\nauch nicht zu erwarten, und so ist über diese Punkte wei-\nter nichts zu sagen, es wäre denn nur, um sich zu ver-\nwundern, dass nach ungefähr zweistündiger Dauer der\nMusik, in der dreizehnten Scene (dem Duette zwischen\nFaust und Gretchen), unerwartet—Melodie an unser Ohr\nschlug, die sich freilich, gleich allen übrigen Gebilden die-\nses Tonsetzers, in Malerei verliert. Ueberhaupt gehört\ndie Art und Weise, wie Berlioz mit der Menschenstimme\numgeht, nicht zu jener, die Compositionsjüngern als Mu-\nster anzuempfehlen wäre, denn wahrlich, es erfreut sich\ndas zweite Fagott oder das Tamtam einer rücksichtsvolle-\nren Behandlung, als hier dem Menschen-Organe oft zu\nTheil wird; den Sängern, zumal den Solisten, fallen daher\nauch von Schwierigkeiten strotzende, eben so exorbitante\nals undankbare Aufgaben zu, und es war, gering gesagt,\ndas Gefühl staunender Bewunderung, das uns erfüllte\nüber die Art, wie Fräulein Bettelheim, die Herren\nWalter, Meyerhofer und Hrabanek mit diesen ganz\nunglaublichen Zumuthungen sich abfanden.\nDie eigentliche Domaine Berlioz' ist die Orchester-\nPalette ; hier weiss er die überraschendsten Farben zu\nmischen, vom zartesten Elfengeflüster und Harfenklang\nbis zum betäubenden Höllenspuk. Würfe von wahrhaft\npackendem Effecte sind nach dieser Richtung die Instru-\nmentation des Rakoczy-Marsches, der Walzer (Sylphen-\ntanz), welche beide zur Wiederholung begehrt wurden,\nund der aus Menuett und Galop bestehende Tanz der\nIrrlichter in der zwölften Scene. Der kitzlichen Unter-\nsuchung, wie denn der ungarische Marsch in die Faust-\nLegende kommt, gehen wir klüglich aus dem Wege.\nUeberhaupt ist der oft geradezu entsetzliche Realismus\nwir gebrauchen den mildesten Ausdruck —, mit wel-\nchem das Goethe'sche Poem zur textlichen Grundlage die-\nser Legende gemacht erscheint, ein Verbrechen, von des-\nsen Schwere der betreffende Verarbeiter wahrscheinlich\nnicht die entfernteste Ahnung hat. Hat er ja sogar die bei-\nden Höllenpferde mit Namen versehen.\nWie die Solosänger, so haben auch die Chöre und\ndas Orchester die an sie gestellten riesigen Aufgaben um\nso bewundernswerther gelöst, als die Führung, die ihnen\nder selbst leitende Gomponist angedeihen liess, nicht der\nArt war, um Unsicherheiten, wenn eine Disposition dazu\nvorhanden gewesen wäre, vorzubeugen. Den durchgreifen-\nden Vorbereitungen der Chöre durch Herb eck und den\nvon ihm überwachten Proben (er leitete auch bei der Auf-\nführung die Chöre) ist es zu danken, dass sich solche Dis-\npositionen nicht ergaben und die Aufführung glatt verlief."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.6", "texte": "Des Berlioz'schen Verdienstes um die Propaganda\nfür die deutsche Musik in seinem Vaterlande haben wir\ngedacht. Das that er als Literat und Musiker für unsere\nverstorbenen grossen Meister. In ähnlicher Weise wirkt\ner auch, ihre Anerkennung fördernd, für Componisten\nder Gegenwart als Componist. Denn es unterliegt kei-\nnem Zweifel, dass seine „Verdammung Faust's\", Proselyten\nzu machen, entschieden geeignet sei, beispielsweise für\nLiszt und Wagner, welchen gegenüber, wie man sich\nüberzeugt haben dürfte, die in manchen Kreisen herr-\nschende Meinung, sie wären keine Melodisten, unmöglich\nlänger aufrecht erhalten werden kann.\nAm folgenden Abende versammelte sich eine Anzahl\nvon Verehrern des gefeierten Tonmeisters, welchen Wien\ngegenwärtig in seinen Mauern beherbergt, im Hotel\nMunsch zu einem gemeinschaftlichen Abendessen. Wenn\nauch die Zahl der Erschienenen vielleicht nicht so gross\nwar, wie sie erwartet worden sein mochte, so fand doch\ndie von der Direction der Gesellschaft der Musikfreunde\ngegebene Anregung in allen Classen unserer Kunstwelt\nlebhaften Anklang, und es waren demnach auch aus allen\nSphären der schönen Künste Jünger und Jüngerinnen\nerschienen, die dem grossen Meister ihre Verehrung aus-\nzudrücken bestrebt waren. Der Gefeierte erschien kurz\nnach zehn Uhr und nahm am oberen Ende der Tafel\nPlatz, zur Linken den Fürsten Konstantin Czartoryski, zur\nRechten Fräulein Bettelheim, die liebenswürdige Sängerin\n„seiner\" Margarethe. Daran schloss sich zu beiden Seiten\neine grössere Anzahl von Künstlern und Musikfreunden.\nDie Journalistik war gleichfalls vertreten, während wir\nvom Burgtheater ausser Fräulein Rockel Niemanden und\nvon der bildenden Kunst eben so wenig Jemanden erblick-\nten. Ueberhaupt glänzten recht Viele, denen die Theil-\nnahme an einem eben so seltenen als schönen Feste ganz\nwohl angestanden hätte, durch ihre Abwesenheit. Die\nMehrzahl der Toaste und sie klangen in allen Zungen!\ngalt natürlich dem gefeierten Gaste, der mit seinem\nernsten, stillen Wesen und halb gesenkten Augen in den\nWogen der Lust und der heiteren Gespräche den Mittel-\npunkt des allgemeinen Interesses bildete. Den Reigen er-\nöffnete Fürst Czartoryski, indem er in französischer Sprache\nmit eben so schönen als treffenden Worten Berlioz nicht\nnur im Namen der Gesellschaft der Musikfreunde, sondern\ndes Publicums von Wien, das gestern der Aufführung\nseines „Faust\" gelauscht, begrüsste, „den Künstler in\nder schönsten und reinsten Bedeutung des Wortes, der\nsich seiner Kunst, seinem geheiligten Altare mit Begeiste-\nrung widmet, den edlen Charakter, der ungeachtet vie-\nler Versuchungen nie zweifelte und zögerte, seine vorge-\nzeichnete Bahn zu verfolgen, und immer seiner Ueberzeu-\ngung folgte, den Reformator der Instrumentirung, den\nSchöpfer der modernen Orchestrirung, den eben so tie-\nfen als glänzenden Kritiker, der, enthusiasmirt für das\nwahrhaft Schöne, unbarmherzig gegen das Mittelmässige\nund Triviale vorging, den Dichter der Harmonie, der\nnach zwanzigjähriger Abwesenheit wieder nach Wien kam,\num den Lorber, den er bereits früher gepflückt, aufzu-\nfrischen.\" Rauschender Beifall folgte seinen Worten, der\nsich erst legte, als Berlioz das Wort ergriff und für die\nherzliche Aufnahme in der Stadt, der er stets eine warme\nSympathie bewahrt, dankte.\nDinstag Nachmittag hatte das Conservatorium zu Eh-\nren des noch anwesenden Berlioz eine musicalische Feier\nveranstaltet. Der berühmte Tondichter wurde bei seinem\nEintritte mit einer Ovation empfangen und war ersicht-\nlich tief gerührt, als die Zöglinge unter Anderem auch\nden Pilgermarsch aus der Harald-Sinfonie vortrugen. Er\nzeigte sich sehr befriedigt von der Vortragsweise der jun-\ngen angehenden Künstlerschar und hat sich überhaupt\nsehr lobend über deren Leistungsfähigkeit gegen ihren\nDirigenten, Herrn Hellmesberger, ausgesprochen.\n\nZ.\n\nJoseph d’Ortigue †.\nFrankreich hat Ende vorigen Monats einen seiner be-\ndeutendsten musicalischen Schriftsteller und Beförderer\nder Kirchenmusik verloren, Joseph d'Ortigue, welcher am\n20. November plötzlich starb.\nd'Ortigue war zu Cavaillon im Departement Vaucluse,\ndem Geburtsorte Castil Blaze's, am 22. Mai 1802 gebo-\nren, genoss eine gute Erziehung und wissenschaftliche\nSchulbildung und widmete sich dem Advocatenstande.\nDabei trieb er aber eifrig Musik, lernte Ciavier und Orgel\nspielen, späterhin auf der Rechts-Akademie zu Aix auch\nVioline. Dort wurde er Mitglied des musicalischen Vereins\nder „Beethovenisten\", die bloss Beethoven spielten\nund namentlich die Rossinisten befeindeten. Der Verkehr\nin diesem Vereine trug viel zu der Richtung d'Ortigue's\nauf classiscbe Musik bei.\nNachdem er ein Jahr in Paris zugebracht, wurde er\nzum Richter in Apt ernannt, hielt aber in diesem Amte\nnur ein Jahr aus und kehrte nach Paris zurück, um sich\nganz der Musik, namentlich der kirchlichen Tonkunst und\nLiteratur zu widmen. Seine Bekanntschaft mit Lamennais\nund Montalembert, an deren berühmter Zeitschrift VAve-\nnir er Mitarbeiter wurde, befestigte ihn in der streng ka-\ntholischen Richtung, zu welcher er ausserdem hinneigte.\nEr wurde Chor-Director am College Henri IV. und Mit-\nglied der königlichen Bibliothek-Commission, verfasste"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.7", "texte": "eine Menge von historischen, liturgischen, theoretischen\nund praktischen Unterrichtsschriften für Kirchengesang\nund betheiligte sich fast an allen Journalen in Paris durch\nmusicalische Aufsätze, zu deren Lieferung der enorme\nFleiss gehörte, der ihm eigen war. Unter seinen Werken\ndürfte das Dictionnaire liturgique, historique et theorique\ndu Plain-Chant et de la Musique religieuse (Paris, 1854)\ndas bedeutendste sein.\nIm Jahre 1857 gründete er mit Niedermeyer ein\nJournal: „La MaUrise\", für Kirchenmusik, welches\naber nicht recht aufkommen konnte und nach wiederhol-\nten Versuchen zur Wiederbelebung im Jahre 1863 ganz\neinging. Der Titel war von den Schulen für Kirchengesang\nhergenommen, welche, mit den Kathedralen verbunden,\ndie musicalische Ausbildung der Chorknaben bezwecken.\nD'Ortigue verfocht darin die Ansichten der Rückschritts-\nPartei, welche jedwede Instrumentalmusik in der Kirche\nfür unwürdig erklärt und sich nur an die ausschliessliche\nBerechtigung des gregorianischen Cantus planus hält.\nTrotz dieser Richtung wusste er sich jedoch in anderen\nJournalen vor Einseitigkeit des musicalischen Urtheils zu\nhüten, wie seine zahlreichen Aufsätze im Menestrel, des-\nsen Redaction er, wenigstens nominel, übernommen halte,\nund besonders im Journal des beweisen. Früher\nMitarbeiter an dem Feuilleton dieser Zeitung, übernahm\ner nach Delecluse's Tode und Berlioz' Rücktritt die Re-\ndaction des musicalischen Theiles desselben und sprach\nsich darin nicht bloss über Kirchen- und Concertmusik,\nsondern auch über die Operntheater, ihre Neuigkeiten\nund deren Darsteller aus. Seine letzten Aufsätze über\nMeyerbeer, die ihm mancherlei Anfeindungen zuzogen,\nwie das Jedem begegnet, der eine grosse Renommee\netwas genauer beleuchtet, haben wir in diesen Blättern\nauszugsweise mitgetheilt\nEr war seit 1835 verheirathet und hinterlässt eine\ntrauernde Familie.\n\nRobert Schumann’s Musik zu Byron’s „Manfred“.\nKöln, den 19. December 1866.\nAm Tage nach dem Giirzenich-Concerte zu Ehren C. M. von\nWeber's am 18. d. Mts. hatten wir einen zweiten Kunstgenuss, der\nuns in eine ganz andere Sphäre versetzte, als der vorige Abend,\ndurch die Vorlesung von Byron's dramatischem Gedichte „Man-\nfred\" mit Robert Schumann's Musik. Die Aufführung fand\ndurch das Concert-Orcliester und einen kleinen gewählten Dilettan-\ntenchor im Isabellensaale des Gürzenich unter der geschickten Lei-\ntung des Herrn Rudorff, Professors am Conservatorium, Statt,\ndem wir für den höchst interessanten Abend zu grossem Danke\nverpflichtet sind, so wie besonders auch dem Herrn Dr. Bernays,\nwelcher die furchtbare Tragödie mit schönem Organ und ergreifen-\ndem Ausdruck las. Dem Vernehmen nach hat ein hiesiger Kunst-\nfreund mit bekannter Liberalität das Unternehmen unterstützt und\ndadurch einen Beweis wahrer Kunstliebe gegeben, dem wir für ähn-\nliche Gelegenheiten Nachfolge wünschen. Unter den eingeladenen\nZuhörern bemerkten wir Frau Schumann, deren Anwesenheit in\nKöln die Leitenden und Mitwirkenden hauptsächlich bestimmt hatte,\ndie Aufführung als eine Huldigung dem Andenken des dahingeschie-\ndenen Tondichters darzubringen.\nDies geschah denn auch auf eine durchaus würdige Weise, und\nda diese Musik zwar ein vollständiges Orchester, aber nur einen\nkleinen Chor ohne musicalisch bedeutende Solostimmen verlangt,\nso war die Ausführung nicht bloss durch das Gedicht und die Com-\nposition, die hier noch niemals gehört war, an und für sich anzie-\nhend und erhebend, sondern auch durch die Ausführung künstlerisch\nschön und befriedigend in allen Theilen, wozu, wie schon erwähnt,\ndas Verständniss und die Wärme, mit welcher der Poesie ihr Recht\nwurde, sehr viel beitrug.\nDas Ganze machte das schien uns die allgemeine ernste\nStimmung der Zuhörerschaft zu bekunden besonders von der\nzweiten Abtheilung an einen tiefen, oft wahrhaft ergreifenden Ein-\ndruck, welcher über Manches hinweghob, woran eine kritische Ana-\nlyse des Werkes Anstoss nehmen könnte In dieser Beziehung\nkönnten wir nur die Ansichten über Schümanns künstlerische Rich-\ntung überhaupt, die an vielen Stellen dieser Zeitschrift niedergelegt\nsind, wiederholen, und müssen hauptsächlich auf die trefflichen\nAufsätze von Professor Ed. Krüger: „Bemerkungen zu Schü-\nFaust und Manfred\", im Jahrgange 1862, Nr. 48—50,\nund im Jahrgange 1865: „Robert Schumann\" (mit Bezug\nauf Reissmanii's Buch), Nr. 37, verweisen, dessgleichen auf un-\nseren Concertbericht über die erste Aufführung von Schumann's\nFaust in Köln im Jahrgange 1862, Nr. 3 und 4.\n*) Vergl. Jahrg. 1865, Nr. 29 und 30, „Die Wahrheit\nüber Meyerbeer und die African erin.\" Von Jos. d'Örti-\ngue und unsere Anmerkung dazu in Nr. 29.\nDie Redaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliolll« In der zweiten Soiree für Kammermusik im\nHotel Disch hörten wir durch die Herren Japha, Derckum,\nvon Königslöw und Schmit die Violin-Quartette in D-moll von\nHaydn und Op. 59 Nr. 3 von Beethoven in trefflicher Ausfüh-\nrung, welche besonders auch den ergötzlichen Humor des Menuetts\nim erfiteren und die reizende Anmuth des Andante im letzteren zu\nvoller Geltung brachte. Zwischen beiden Quartetten spielten die\nHerren Gernsheim, Japha und Schmit das Trio Nr. I in D-\nmoll für Pianoforte, Violine und Violoncell, unstreitig eine der be-\nsten Compositionen von Schumann; sowohl das Zusammenspiel\nder drei Ausführenden, als der technisch und geistig vollendete Vor-\ntrag der Clavier-Partie erwarben rauschenden Beifall.\nAm vergangenen Samstag wurde in der musicalischen Gesell-\nschaft eine neue Sinfonie von Lassen (Capellmeister in Weimar)\naufgeführt. Lassen ist Belgier und hat dieses Werk kürzlich zuerst\nin den Concerts populaires in seiner Vaterstadt Brüssel geben las-\nsen, wo es grossen Beifall fand. Sehr anmuthige Melodieen, feine"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18661229-01.1.8", "texte": "Züge in der Instrumentation und in der Harmonie zeichnen diese\nComposition aus, welche gewiss auch in Deutschland sich die ver-\ndiente Anerkennung erringen wird.\nUeber die Aufnahme von Langert's Oper: „Die Fabier\", in\nCoburg bieten die dortigen Blätter zwei bedeutend verschiedene\nLesarten, indem das eine (Genee) das Urtheil des Publicums über\ndie erste Aufführung „ein hartes\" nennt, das andere hingegen\n(Dr. C. Beyer) nach der zweiten Vorstellung sagt: „Wie vorauszu-\nsehen, war auch diesmal die Aufnahme der Oper Seitens des\nPublicums eine durchaus freundliche.\" Wenn also die Lo-\ncalkritik selbst über Thatsachen so entgegengesetzt berichtet, was\nist dann von ihren Aussprüchen über den Kunstwerth eines Werkes\nzu halten?!\nStuttgart* Der Verein für Kirchenmusik unter Di-\nrection des Herrn Professors Im. Faisst brachte am 14. December\nAbends in der Stii u ausser zwei Orgelstücken von Joh. Seb.\nBach und Mendels* ha e angstücke von C. H. Graun (Motette:\n„Fürwahr\" u. s. w ära (Duo für Alt und Tenor), Händel\n(Psalm: „Lobsinge\" - Imman. Faisst (Motette für Chor und\nSoli: „Herr, ich h lie Stätte\"), und das Requiem für Chor\nund Soli von Koltann.\nEine nene zwei e r Oper: „Die Liebesprobe\", von Otto\nBach, wird nächstens m .Augsburg zur ersten Aufführung gelangen.\nPrag, 17. i Die interessanteste neue Erscheinung\nin unserem Thea während der letzten Zeit ist die Oper\n„Astorga\" von AI t gesehen von dem Werthe der Musik hat\ndieses Werk für I ' » dadurch eine besondere Bedeutung, dass\nder Componist un r L iv mann ist und unter unseren Augen sich\nzu jener Stufe em p. Schwüngen, auf der er jetzt steht. Ein zwei-\ntes Moment, die jn oernfreunde an die Oper „Astorga\" beson-\nders zu fesseln, gibt der Umstand, dass der Titelheld eine Zeit in\nPrag lebte, nach welcher, der Sage nach, jede Spur von ihm ver-\nloren ging; wenigstens wird nicht mit Bestimmtheit angegeben, ob\ner in Prag gestorben, oder wo er von da hingekommen. Um eine\neigentliche Richtung anzugeben, die Abert in „Astorga\" eingeschla-\ngen, wird man wirklich verlegen; während man hier deutsche Musik\nvernimmt, die sich besonders in den effectvoll zugespitzten Finalen\nan Wagner anlehnt, hält sich Abert an diese nicht durchgehends\nfest und flicht je nach Bedürfniss italiänische und französische An-\nklänge mit ein, ohne jedoch den Charakter des Ganzen zu beein-\nträchtigen. Was hauptsächlich für die Oper spricht, ist, dass sich\nder Componist von Banalem selbst in der Balletmusik ferngehalten.\nDie wenigen, darum doch nicht in den Vordergrund tretenden Män-\ngel, hauptsächlich manche Längen, können von geschickter Hand\nzum Vortheile der Oper beseitigt werden. Die Aufführung war\nim Ganzen eine höchst sorgfältige. Von den Mitwirkenden sind\nHerr Vecko (Astorga) und Fräulein Huttary (Angioletta) am\nstärksten bedacht, und hat Ersterer durch richtige Erfassung und\nDarstellung seiner Rolle, so wie durch bis zum Schlüsse anhaltende\nAusdauer dieser in Spiel wie Gesang so äusserst schwierigen Partie\nsich verdienten rauschenden Beifall erworben, so wie Fräulein Hut-\ntary mit vielem Liebreiz die Angioletta umgab.\nSalzburg, 17. December. Ein Urtheil über die hiesigen\nMusikzustände nach der sehr mittelmässigen Oper zu fällen, wäre\neinseitig und ungerecht. Die Musik findet ihre Pflege in mehreren\nCorporationen, und zwar im Mozarteum in einer Reihe von Con-\ncerten und durch Unterricht, ferner in der Sing-Akademie, in der\nLiedertafel und durch das Streich-Quartett. Die Mozarteum-Concerte\nbringen die Werke älterer und neuerer anerkannter Meister, wobei\ndie Sing-Akademie im gemischten Chorgesange in namhafter Zahl\nmitwirkt. Die Liedertafel brachte alljährlich ein grösseres Tonwerk\nfür Männerstimmen. Mendelssohn's „Oedipus\", „Die Wüste\" von\nFei. David und die „Frithjofsage\" von Max Bruch folgten auf\neinander. In den Quartett-Soireen der Herren Blau, Walter,\nSchnaubelt und La Croix werden zumeist die Altmeister des\nQuartetts gepflegt. Gilt es eine grössere Production, so einigen sich\ndie erstgenannten drei Gesellschaften zu gemeinsamem Wirken. In\ndem Programme eines der letzten Concerte kam eine Scene und\nFinale aus Schläger's Oper „Heinrich und Ilse\" und Bruch's\n„Frithjof\" vor. Gräfin Hedwig v. Gatter bürg trug Lieder und\nden Part der Ilse in Schläger's Finale mit ihrer grossen, metallrei-\nchen Stimme ausdrucksvoll vor, welche Anerkennung dieser sehr\nbegabten Dilettantin auch als Ingeborg in der Frithjofsage zu Theil\nwurde. Der Mendelssohn'sche Psalm und Schläger's Finale fanden\nverdienten reichen Beifall. Die „Scenen aus der Frithjofsage\" von\nMax Bruch, das bedeutendste Werk, welches die Neuzeit für\nMännergesang brachte, fanden im Allgemeinen beifällige Aufnahme,\nzumeist wurde es jedoch von den Musikern und jenen gewürdigt,\ndie auch die Proben anhörten. Man veranstaltet hiervon eine zweite\nAufführung. (Z. 81. f. M.)\nPariser Blätter veröffentlichen einen Brief Rossini7s an einen\nMönch vom Kloster Monte Cassino, worin er unter Anderem be-\nmerkt, dass der heilige Vater auf seine demselben gemachte Vor-\nstellung, in den Kirchen Roms dem weiblichen Gesänge Eingang\nzu verschaffen, nicht eingegangen sei, dass aber Rossini nicht ab-\nlassen werde, diesen Gegenstand von Neuem anzuregen."}]}